Freitag, 19.02.2010

eSport-Manager Thorsten Mohr im Interview

Training? Bis die Maus glüht!

Das Team Bavarian Heaven (TBH) will in der kommenden ESL-Pro-Series-Saison unbedingt ins Counter-Strike-Finale. Dabei helfen sollen eine eSport-Legende - und hartes Training. Dabei hatte das Team noch vor kurzem ernsthafte Sponsoren-Probleme.

Das Team Bavarian Heaven landete am Ende der letzten Saison auf Platz sechs
© Getty
Das Team Bavarian Heaven landete am Ende der letzten Saison auf Platz sechs

In den vergangenen Wochen machte das Team Bavarian Heaven mit einigen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Und nicht immer waren diese positiv. So verlor man etwa den bisherigen Hauptsponsor und Computerteile-Hersteller Micro-Star International (MSI) und schloss sich mit dem weitgehend unbekannten Team Playing Ducks zusammen.

Im SPOX-Interview erklärt der neue TBH-Marketing-Leiter Thorsten "silber" Mohr, wie man die Krise überstand, vergleicht den eSport mit Fußball und sagt, wie man die Finals der kommenden ESL-Pro-Series-Saison (startet am 22. Februar) erreichen will.

SPOX: Kurz zu Ihrer Person. Stellen Sie sich doch kurz mal vor...

Thorsten Mohr: Ich bin Thorsten Mohr, Baujahr 1974, Wohnhaft in Peine bei Hannover, verheiratet, Vater eines Sohnes und Projektmitarbeiter bei der Formaxx AG im Bereich IT.

SPOX: Als Marketing-Manager können Sie uns mit Sicherheit etwas über die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise auf den elektronischen Sport und Ihr Team erklären.

Mohr: Wir wussten seit Oktober 2009, dass uns unser bisheriger Hauptsponsor für die kommende Saison nicht mehr zur Verfügung steht, weil er sich mehr dem internationalen Markt widmen will. Damals haben wir kurzerhand unsere Teams zusammengerufen und das Thema angesprochen. Alle Abteilungen von TBH.eSports haben zusammengearbeitet und im Februar konnten wir dann mit Asus und Intel neue Sponsoren vorstellen.

SPOX: Das sind wieder sehr starke Partner. Was raten Sie Teams, die Sponsoren-Probleme haben oder noch ganz am Anfang stehen? Wie soll man sich präsentieren?

Mohr: Um einen professionellen Clan zu betreiben, gibt es viel zu tun. Zuerst braucht man Leute, die gut miteinander harmonieren. Denn nur miteinander ist man stark. Dann muss jeder dieser Mitarbeiter seine genau definierte Aufgabe übernehmen. Und auch wenn mal Verluste zu verzeichnen sind, muss man immer weiter und weiter machen.

SPOX: Wie stehen Sie dem Vergleich Fußball vs. eSport in den Medien gegenüber?

Mohr: Der eSport verzeichnet in den letzten zwei Jahren einen enormen medialen Aufstieg. Dank der Elektronik Sport League (ESL) und einigen Web-TV-Sendern können wir den professionellen eSport ins heimische Wohnzimmer bringen. Und der Vergleich mit dem Fußball ist gar nicht mal so abwegig. Denn viele Eltern der heutigen eSportler erinnern sich vielleicht noch dran, was Ihre Eltern damals gesagt haben: "Junge, lern lieber für die Schule. Denn mit Fußball kann man keine Familie ernähren". Aber es kam anders. Die Medien haben den Fußball angenommen und schon waren die ersten Sponsoren auf den Trikots. Genau diese Entwicklung hat im eSport auch gerade eingesetzt. Und sie geht weiter.

SPOX: Trotzdem hat der eSport in Deutschland in der breiten Masse noch nicht die Unterstützung, wie er sie in einigen anderen Ländern hat. Was müsste wohl noch getan werden, damit sich das ändert? Wo liegen die Schwachpunkte?

Mohr: Eigentlich stehen wir im europäischen Vergleich mit Deutschland schon ganz gut da. Die großen Sponsoren wie Intel machen es möglich. Die ESL tourt mit den Friday Night Games durch ganz Deutschland, um den Sport populärer zu machen. Und es funktioniert. In drei von vier Disziplinen sind wir 2009 schließlich Europameister geworden...

SPOX: Mit David "Chef-Koch" Nagel haben Sie einen der bekanntesten und beliebtesten Spieler der Counter-Strike-Szene im Team. Keine schlechte Werbung. War seine Verpflichtung eine sportliche oder wirtschaftliche Entscheidung?

Mohr: Eine sportliche, ganz ehrlich.

SPOX: In der vergangenen Saison konnte er allerdings noch nicht viel ausrichten...

Mohr: Das ist leider wahr. In der letzten Saison haben wir versucht, die Finals zu erreichen. Das ist uns nicht gelungen. Wir haben unser Ziel verfehlt. Aber das ist kein Grund, den Kopf in Sand zu stecken. Es war alles sehr kurzfristig. Zur neuen Saison wird es besser.

SPOX: Und wie laufen die Vorbereitungen?

Mohr: Sehr gut. David, Eddy und der Rest des Teams haben rechtzeitig mit dem aktiven Training begonnen. Davor hatte das komplette Counter-Strike-Team bereits verschiedene Offline-Turniere besucht, um sich langsam einzuspielen. Außerdem trifft sich das Team in Taufkirchen bei München zu einem Bootcamp. Wir wollen alles tun, um in dieser Saison ins EPS-Finale in Köln zu kommen. Das heißt: Training, bis die Mouse glüht.

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