Fussball

Mario Pavelic im Interview mit SPOX: "Rapid-Sportdirektor Barisic? Wäre spannend"

Mario Pavelic: Hier noch im Rapid-Trikot
© GEPA

Im vergangen Sommer verabschiedete sich Mario Pavelic nach neun Jahren in Hütteldorf vom SK Rapid. Der Österreicher durchlief alle Nachwuchsauswahlen und absolvierte schließlich 134 Spiele für die Profis. Heute kickt Pavelic bei HNK Rijeka. Genau genommen lebt Pavelic in Rijeka. Denn eine Verletzung im rechten Knöchel Namens "Impingement" (auch Fußballer-Sprunggelenk genannt) setzt den 25-Jährigen seit Dezember außer Gefecht.

Im Interview mit SPOX spricht der Rechtsverteidiger über seine ersten Monate in Kroatien, verlorene Zeit und beantwortet die Frage, ob sein ehemaliger Mentor Zoran Barisic für den Sportdirektor-Job bei Rapid geeignet wäre.

Sie sind im Sommer von Wien nach Rijeka übersiedelt. Wie ist es Ihnen ergangen?

Mario Pavelic: Ich bin leider schon seit Dezember verletzt. Erst sah es nicht so schlimm aus, aber letztlich musste ich doch operiert werden.

Was ist passiert?

Pavelic: Ich ging im Training in einen Zweikampf. Kurz bevor ich an den Ball kam, hat mein Mitspieler abgezogen. Mein Knöchel wurde komplett überstreckt. Die Verletzung heißt "Impingement", das ist ähnlich wie die Quetschung einer Sehne, die vom Knöchel, neben der Achillessehne vorbei, zum großen Zehen verläuft.

Das hört sich nach einer recht seltenen Verletzung an.

Pavelic: So wie mir das erklärt wurde, kann das auch über mehrere Jahre durch kleinere Verletzungen entstehen. Wenn man umknickt oder sich verstaucht zum Beispiel. Das kann sich aufstauen. Bei mir war es eine extreme Bewegung.

Wurden Sie in Wien operiert?

Pavelic: Anfang Dezember habe ich mich einen Monat geschont und bin dann wieder ins Training eingestiegen. Gegen Ende der Vorbereitung habe ich gemerkt, dass die Schmerzen zu groß sind. Ein Spezialist hat mir dann zur Operation geraten, was auch von einer zweiten Meinung bestätigt wurde. Die OP habe ich dann in Linz gemacht und mit der Behandlung war ich zufrieden. In Wien habe ich beim ehemaligen Rapid-Physio Thomas Prantner die Therapie begonnen. Seither bin ich wieder in Rijeka.

Klingt so, als hätten Sie viel Zeit verloren, weil Sie nicht sofort unters Messer gingen.

Pavelic: Ja, auf jeden Fall. Bis zur Operation habe ich drei Monate verloren. Da hätte ich fast schon wieder fit sein können. Mittlerweile laufe ich vorsichtig und mache koordinative Übungen mit dem Ball. Diese Saison habe ich aber schon abgeschrieben. Die Stelle ist ziemlich unangenehm und ich spüre es noch immer. Bis zur Sommervorbereitung wäre ich gerne topfit.

Sie haben die ersten neun Saisonspiele absolviert und insgesamt drei Scorerpunkte gesammelt. Der Start dürfte gepasst haben, oder?

Pavelic: Ja, total. Der Transfer war sehr durchdacht, für mich persönlich war Rijeka ein sehr guter Klub und Schritt, wo ich eventuell auch international spielen kann. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen, beim Debüt habe ich getroffen. Ich war mit meinen Leistungen zufrieden. Mit dem überraschenden Ausscheiden in der Europa-League-Qualifikation ist alles ein wenig ins Wackeln gekommen.

Trainer Matjaz Kek wurde gegangen.

Es kam Unruhe in den Verein, was sich auf die Spiele in der Liga ausgewirkt hat. Mal habe ich gespielt, mal nicht. Dann hat der Trainer die Entscheidung getroffen, aufzuhören. Wir haben einen komplett neuen Trainerstab bekommen. Das war zirka im Oktober. Das neue Trainerteam rund um Igor Biscan (40) ist sehr jung und ambitioniert. Die ersten beiden Spiele durfte ich spielen, dann hat er rotiert und wir haben eine Siegesserie gestartet. Da war es schwer, in die Mannschaft zu kommen. Ich kann den Trainer verstehen. Und dann habe ich mich auch schon verletzt.

HNK Rijeka scheint laut Kaderliste rechts in der Abwehr einige Spieler zu haben.

Pavelic: (lacht) Es ist so: Als ich kam, hatten wir mit mir zwei Rechtsverteidiger im Kader. Dann habe ich mich verletzt und der zweite Rechtsverteidiger (Momcilo Raspopovic, Anm.) kam zum Zug. Der hat sich dann aber ziemlich schnell am hinteren Kreuzband verletzt und wird wohl noch zwei, bis drei Monate ausfallen, auch wenn ich hoffe, dass er früher zurückkommt. Aber Kreuzband-Geschichten dauern immer länger. Also mussten sie im Winter einen dritten Rechtsverteidiger holen, der wegen einer Verletzung noch kein Spiel absolvieren konnte.

Und jetzt spielt der erfahrene Flügelspieler Zoran Kvrzic rechts hinten.

Pavelic: Genau, Zoran ist jetzt hinten eingesprungen. Er ist ein gestandener, erfahrener Spieler.

Mario Pavelic: "Wien ist eine Stadt, Rijeka ein Städtchen"

Wie war für Sie persönlich der Umzug nach neun Jahren in Wien?

Pavelic: Ich kann die Sprache, daher hatte ich keine Probleme. Aber sicher: Die Umstellung von Wien auf Rijeka ist groß. Von der Kultur und dem Leben her. Wien ist eine Stadt, Rijeka ist ein Städtchen. Rijeka ist aber auf jeden Fall sehr nett und schön, gerade im Sommer. Die Winterjacke musste ich hier noch nicht oft auspacken. (lacht)

Was würde für den Verein die Vizemeisterschaft bedeuten?

Pavelic: Sie wäre in Ordnung. Dinamo Zagreb ist durchaus mit Salzburg vergleichbar, da ist viel mehr Geld vorhanden, der Kader ist breiter und das merkt man über die ganze Saison hinweg. Mittlerweile sind sie ja schon Meister. Dinamo ist ein anderes Kaliber. Wir konnten in den direkten Duellen immer gut mithalten, insgesamt ist die Überlegenheit aber spürbar. Wir sind mit dem zweiten Platz grundsätzlich sehr zufrieden.

Wie ging es Ihnen mit dem Abschied von Rapid?

Pavelic: Emotional war es nicht leicht. Ich bin als junger Typ 2009 zu Rapid gekommen und war vielleicht 16 Jahre alt. Die Umstellung vom Burgenland war damals recht schwer. Ab dann habe ich alle Altersklassen bei Rapid durchlaufen, bis zum Profibereich, wo ich fünf Jahre viel spielen durfte. Ich habe sehr viele schöne Momente erlebt, besonders in der Europa League. Schön wäre es gewesen, wenn wir einen Titel geholt hätten. Schauen wir einmal, vielleicht zieht es mich ja zurück. Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen.

Haben Sie die Ergebnisse noch im Blick?

Pavelic: Klar! Ich habe Sky, verfolge fast alles rund um Rapid und habe viele Spiele gesehen. Auch mit einigen Spielern bin ich noch in Kontakt.

Ich kann mir vorstellen, dass eine ziemliche Last abfällt, wenn man das Theater um Rapid nicht mehr ständig erleben muss und sich nur auf den Sport konzentrieren kann. Oder nicht?

Pavelic: (lacht) Hm. Ich würde sogar sagen, dass ich es vermisse. Irgendwie ist das auch eine coole Situation. Man ist immer unter Druck, muss immer performen, alles geben. Es ist auch geil, immer vor diesen unglaublichen Fans zu spielen. Wie soll ich sagen - ich bin es einfach nach fünf Jahren Rapid gewohnt. Ich habe das von klein auf so gelernt. Von Jugendturnieren bis zu den Profis, auf Rapid werden immer Augen gerichtet sein und ich habe da viel für meine weitere Karriere mitgenommen. Wie man sich auf und neben dem Platz verhält, mit Fans und Medien. Mich kann wenig erschüttern.

Mario Pavelic: Großes Lob für Zoran Barisic

Bei Rapid steht der nächste Umbruch an. Es werden ein neuer Präsident und Sportdirektor kommen. Womöglich sogar Zoran Barisic, unter dem Sie im Profibereich 119 Spiele absolviert haben. Wäre er ein geeigneter Sportdirektor?

Pavelic: Ich muss Zoki sehr hoch loben. Ihm habe ich meine Profikarriere zu verdanken. Als ich zu Rapid kam, hat er mir beim Talentetraining von der U15 bis zur U19 mit Extraschichten enorm geholfen. Ich durfte ihn auch zwei Jahre bei den Amateuren haben, wo wir in meinen Augen wirklich exzellent gespielt haben. Man muss sich nur anschauen, wer damals in dieser Mannschaft gespielt hat und wie viele es in die erste und zweite Liga und sogar in die Nationalmannschaft geschafft haben. Ich wüsste gar nicht, wer da nicht Profi geworden ist. Tobi Knoflach, Louis Schaub, Starkl, Grozurek, Dobras, Behrendt, Wydra und viele, viele mehr.

Als er Trainer der ersten Mannschaft wurde, hat er viele Spieler hochgezogen und in die Mannschaft integriert. Einige davon sind noch immer Stammspieler. Er ist ein super Trainer. Zu deiner Frage, ob er ein geeigneter Sportdirektor wäre: Er hat ein sehr gutes Auge und Gefühl für Spieler. Aus dieser Perspektive kann ich ihn mir sehr gut als Rapid-Sportdirektor vorstellen. Das wäre sicher spannend. Auf der anderen Seite kann ich mir schwer ausmalen, dass er sich mit einem Anzug wo hinsetzt. (lacht) Er ist doch ein sportlicher Typ, von dem ich mir vorstellen könnte, dass er noch Trainer sein will, weil er eine besondere Bindung zu den Spielern hat und gerne im Training an Spielformen teilnimmt. Ich bin gespannt, wie es mit Rapid weitergeht. Es muss ja nicht jeder Sportdirektor einen Anzug tragen, vielleicht kleidet er sich ja normal. (lacht)

Abschließend: Die Saison ist für Sie vorbei. Wie sehen die mittelfristigen Ziele aus?

Pavelic: Ich will völlig gesund werden und problemfrei laufen. Zur Vorbereitung will ich zu hundert Prozent in die Mannschaft reinkommen, meinen Rhythmus finden und wieder spielen. Alles weitere ergibt sich von selbst.

Mario Pavelic: Seine Leistungsdaten pro Wettbewerb

WettbewerbSpieleToreAssists
Bundesliga104410
ÖFB-Cup1213
Europa League & Qualifikation2213
1.HNL912
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