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Daniel Bachmann bei SPOX: "Das war nicht leicht für den Kopf"

Daniel Bachmann setzte sich bei Kilmarnock FC durch.
© Kilmarnock FC

Daniel Bachmann hat sich mit einem Leihgeschäft in die schottische Premiership ins Rampenlicht gespielt. Für lange Zeit als großes Talent gehandelt, etablierte sich der 24-Jährige beim Kilmarnock FC als Nummer eins. Schon in seiner Jugend entschied er sich für einen Wechsel nach England, nachdem er in Österreich bereits als Teenager mehrere Stationen durchlief. Seine Zukunft sieht er im Tor eines Premier-League-Klubs, der Brexit könnte ihn dabei kurioserweise unterstützen.

"Ich kann es nur jedem jungen Spieler empfehlen, mit 16, 17 Jahren einen Transfer ins Ausland zu wagen. Egal, ob es Deutschland, Spanien, Italien oder England ist", sagt Bachmann im Gespräch mit SPOX. Im Alter von 16 Jahren ergab sich für den gebürtigen Wiener die Chance, von der Austria-Akademie zur U18 von Stoke City zu wechseln.

"Ich war immer schon ein Fan der englischen Liga. Der Transfer war aber keine leichte Entscheidung. Es war sehr schwer in den ersten Wochen. Ich war plötzlich weit weg von Mama und Papa, weit weg von meinen ganzen Freunden. Zudem war die Sprache eine andere. Aber ich würde es wieder genauso machen", zeigt Bachmann keine Reue.

Daniel Bachmann: Admira, Rapid, Sturm, Austria

Zuvor durchlief der Keeper in Österreich die Jugend-Abteilungen mehrerer Bundesligisten. Seine Karriere begann bei der Admira, ehe er für ein halbes Jahr zu Rapid wechselte. "Die Admira steckte mitten im Insolvenzverfahren. Es gab auf einmal kein Tormann-Training mehr, deshalb musste ich handeln", erklärt Bachmann. Als sich die Lage beruhigte und der Betrieb wieder aufgenommen wurde, kehrte er zurück nach Mödling.

Über die Jahre folgten weitere Stationen im Sturm- und Austria-Nachwuchs - ungewöhnlich viele Vereinswechsel für einen Jugendspieler. "Auch wenn viele Leute sagen: ‚Es ist ein Wahnsinn, wie oft der gewechselt ist.' Im Endeffekt bereue ich keinen Schritt, denn ich habe überall etwas dazugelernt. Ob es positiv oder negativ war, sei dahingestellt", sagt er.

Und weiter: "Alles hat mich für die Zukunft mehr aufgebaut. Ich arbeitete mit vielen Torwart-Trainern. Jeder hat andere Techniken und eine unterschiedliche Philosophie. So konnte ich mir selbst einen eigenen Spielstil aneignen."

Schottland-Transfer: "Jetzt heißt es nicht mehr nur: ‚Der Bachmann hat Talent'"

Nach sechs Jahren bei Stoke, unterbrochen durch Leihen zu Wrexham, Ross County und Bury, wechselte Bachmann im Sommer 2017 ablösefrei zu Watford, wo er aktuell einen Vertrag bis 2020 besitzt. Im vergangenen August entschied er sich zu einer weiteren Leihe, er schloss sich dem schottischen Erstligisten Kilmarnock FC an. "Es war wichtig für meine Karriere, dass ich einmal regelmäßig auf gutem Niveau spiele. So kann ich zeigen, was ich kann. Jetzt heißt es nicht mehr nur: ‚Der Bachmann hat Talent'."

Der Umzug verlief für den zweifachen Familienvater von London nach Schottland nicht problemfrei. "Es war eine riesige Umstellung. Der Dialekt ist lustig und vor allem zu Beginn sehr schwer zu verstehen. Selbst meine Frau, die Engländerin ist, hatte Probleme", erzählt Bachmann, der in Glasgow lebt und täglich ins 45 Autominuten entfernte Kilmarnock pendelt. "Aber es gibt in jedem Fall weniger lebenswerte Orte als Glasgow." Bachmanns Ehefrau zog mittlerweile nach Blackpool an die Westküste Englands, wo sie vor vier Monaten ihr zweites gemeinsames Kind zur Welt brachte.

Sportlich verlief der Start in Kilmarnock turbulent. Zähe Verhandlungen mit Watford verzögerten zunächst einen Transfer. Bachmann wollte bereits in der Saisonvorbereitung eine Leihe forcieren, aber die Hornets blockten ab. Als er sich mit seinem Berater durchsetzte, hatte die schottische Liga bereits ihren Spielbetrieb aufgenommen - ohne Bachmann. "Es war eine komische Situation. Das war nicht leicht für den Kopf, weil ich wusste, ich muss in dieser Saison zu Einsätzen kommen", sagt Bachmann.

Bis die Spielberechtigung einlangte, holte Kilmarnock bereits den ersten Saisonsieg. In den ersten drei Spielen kassierte Keeper Jamie MacDonald nur ein Gegentor. "Dann war es schwer in die Mannschaft zu kommen. Nach zehn Spielen stellte der Trainer glücklicherweise um, seit Anfang November läuft alles perfekt", freut sich Bachmann.

In bislang 25 Pflichtspielen hielt Bachmann seinen Kasten zwölf Mal sauber, Kilmarnock schaffte als Tabellendritter den Sprung ins obere Playoff der Premiership. "Die Liga ist um einiges besser als ich erwartet hatte. Leute wie Steven Gerrard oder Brendan Rodgers werten den schottischen Fußball auf", findet der 1,91-Meter-Mann. Zudem sei die Liga in diesem Jahr spannend wie lange nicht mehr. Bis vor wenigen Wochen trennten die Top-4 nur wenige Punkte. Kilmarnock war mittendrin, "was eigentlich ein Wahnsinn ist, denn in den vergangenen Jahren ging es immer gegen den Abstieg."

Am kommenden Samstag wartet mit dem Auswärtsspiel im Celtic Park das absolute Highlight der Saison. "Wir genießen die Atmosphäre. Keiner erwartet, dass Kilmarnock in den Celtic Park kommt und gewinnt. Zudem sind zwei Innenverteidiger gesperrt, ein Mittelfeldspieler muss hinten aushelfen. Wir haben nichts zu verlieren, deshalb überwiegt die Vorfreude."

Daniel Bachmanns Karrierestationen: Admira, Stoke, Watford

JahreVerein
2018-2019Kilmarnock FC
2017-2018Watford
2016-2017Stoke City
2015-2016Bury
2015Ross County
2014-2015Wrexham
2011-2014Stoke City (U18/U21)
2010-2011Austria Wien U17/U18
2009-2010SK Sturm U17
2007-2009Admira Wacker Jugend
2006-2007Rapid Jugend
2004-2006Admira Wacker Jugend

Bachmann-Transfer? "Es wird ein spannender Sommer"

Noch nicht ganz geklärt ist, wie es für Bachmann im Sommer weitergeht. "Ich habe meine Zeit hier sehr genossen, in ein paar Wochen ist es ja vorbei", sagt er. Die Leihe endet mit der aktuellen Saison, in Watford möchte er um den Platz im Tor kämpfen. "Das hat Priorität. Ben Foster hat eine super Saison gespielt und geht sicherlich mit einem Vorteil in die Vorbereitung." Doch Bachmann ist überzeugt, dass sich eine Chance für ihn bieten wird. "Foster wird auch nicht jünger. Außerdem hatte er in dieser Saison ehrlicherweise kaum Druck von hinten. Ich verstecke mich bei Watford nicht."

Fest steht, dass Bachmann dank seiner herausragenden Performance bei Kilmarnock, wo er im engsten Kreis für die Wahl zum Spieler des Jahres steht, mehrere Angebote vorliegen hat. Mit den Glasgow Rangers habe es bereits Gespräche gegeben, wenngleich noch keine konkreten Vertragsverhandlungen stattgefunden haben. Auch zwei deutsche Bundesligisten signalisierten Interesse. Eine Rückkehr nach Österreich sei aktuell kein Thema, Bachmann wolle sich so lange wie möglich im Ausland durchsetzen, seine Karriere nehme jetzt erst richtig Fahrt auf. "Es wird einige Offerten geben. Es wird auf jeden Fall ein spannender Sommer. Jetzt gilt es noch, die letzten Spiele der Saison zu genießen und mich in Topform zu präsentieren. Dann freue ich mich einmal auf den Urlaub."

Daniel Bachmann: Brexit? "Ein kompletter Zirkus"

Zum Vorteil in den Verhandlungen mit englischen Klubs könnte ausgerechnet der Brexit verkommen. Mit einem eventuellen Austritt Großbritanniens aus der EU könnte auch die Ausländerregelung in der Premier League reformiert werden. Aktuell dürfen die Klubs 17 Nicht-Briten in ihrem Kader stellen, nach dem Brexit soll diese Zahl auf 13 reduziert werden. Bachmann könnte nach acht Jahren in England und seiner Ehe theoretisch um einen britischen Pass ansuchen, was er kategorisch jedoch ausschließt.

"Ich zähle de facto nicht als Ausländer", verrät Bachmann. Da er vor seinem 21. Geburtstag bereits über zwei Jahre lang bei einem englischen Verein spielte, fällt er unter die Kategorie sogenannter "Homegrown Players". "Ich habe also den gleichen Stellenwert wie ein Engländer. Der Brexit bringt dem Fußball keine übermäßige Veränderung, aber es macht einen Unterschied in der Kaderplanung. Wenn es überhaupt zu einem EU-Austritt kommt. Im Moment ist das ein kompletter Zirkus, was in der englischen Politik abgeht."

Bereits sieben Mal wurde Bachmann in den ÖFB-Kader von Marcel Koller einberufen. Unter Teamchef Franco Foda wurde er bislang nicht berücksichtigt. "Ich konnte aber null Anspruch stellen, denn zu diesem Zeitpunkt spielte ich nicht. Da war kein Gedanke dabei, warum ich es nicht ins Team schaffte - ganz im Gegenteil. Im Juni stehen zwei Länderspiele an, ich würde mich freuen, wenn ich dafür in Frage komme."

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