Fussball

Neuer Europacup: Rapid-Funktionär tüftelt bei Reform mit

Von APA
Ein dritter Europacup soll kommen.
© getty

Wenn es in den kommenden Wochen bei der Reform des Europacups ans Eingemachte geht, nimmt ein Österreicher eine wichtige Rolle ein. Raphael Landthaler, Leiter der Abteilung "Finanzen und Organisationsentwicklung" bei Rapid, gehört jener Taskforce der European Club Association (ECA) an, die sich mit den anstehenden Änderungen der internationalen Bewerbe beschäftigt.

Dabei zeichnen sich Adaptierungen ab, die vor allem für Vereine wie Rapid von großem Interesse sein könnten. Die Tendenz von ECA und UEFA geht in Richtung eines dritten Bewerbs hinter Champions League und Europa League, dafür soll die Anzahl der Teilnehmer an der Europa-League-Gruppenphase reduziert werden.

In den beiden Ligen unterhalb der Champions League sollen künftig 17 bis 20 nationale Meister engagiert sein. Eine Entscheidung des UEFA-Exekutivkomitees wird für Dezember erwartet, die Premiere des neuen Bewerbs ist für die Saison 2021/22 geplant.

Rapids Landthaler: "Aufwertung für Europa League"

Landthaler und seine Taskforce-Kollegen arbeiten schon seit zehn Monaten an dem Projekt. Zur Diskussion steht zwar auch noch eine Ausweitung der Europa-League-Gruppenphase auf 64 Clubs, "aber ich persönlich glaube nicht daran, dass dieses Modell den Zuschlag erhält, weil die Evaluierung für einen dritten Bewerb mit 32 Vereinen besser ausgefallen ist. Das würde auch eine Aufwertung der Europa League bedeuten", sagte Landthaler der APA.

Derzeit bestreiten 32 Teams die Champions-League- und 48 Mannschaften die Europa-League-Gruppenphase. Ein 32+32+32-Modell würde 16 weiteren Clubs Europacup-Spiele bis Dezember und damit mehr Einnahmen bescheren. Viele dieser zusätzlichen Plätze dürften an Länder der Größenordnung Österreichs gehen. Sofern die heimische Liga in der Fünfjahreswertung nicht weit zurückfällt, zeichnen sich zumindest zwei Gruppenphasen-Tickets für Österreich ab.

Ebenfalls noch nicht geklärt sind die UEFA-Prämien für die derzeit namenlose dritte Europacup-Etage. Fix ist nur, dass es den ganz großen Geldregen weiterhin in der Champions League geben wird. Die Europa League könnte aufdotiert werden, "und der dritte Bewerb wäre vom Startgeld her nicht viel schlechter als derzeit die Europa League", erklärte Landthaler.

Neuer Bewerb "wäre für Österreich eine gute Sache"

Das klingt gerade für österreichische Vereine verlockend, zumal sich die Anzahl der internationalen Starter pro Nation und daher die Konkurrenz laut Landthaler nicht erhöht. "Es gibt nicht mehr Clubs im Europacup, es gibt nur mehr Plätze in der Gruppenphase", stellte der Niederösterreicher klar.

Landthaler machte kein Hehl daraus, dass er den neuen Europacup-Event für durchaus sinnvoll erachtet. "Das wäre vor allem für Länder wie Österreich eine sehr gute Sache. Es kann eine gewisse Aufwertung bedeuten, und aus kommerzieller Sicht ist eine Teilnahme an einer Gruppenphase sicher interessant."

Dies gelte im Speziellen auch für die Hütteldorfer. "Aus Rapid-Sicht wäre das absolut zu begrüßen", meinte Landthaler. "Man muss immer das Ganze sehen - die Fans wären stolz, Sponsoren wären zufrieden, man sammelt internationale Erfahrung, hat mehr Heimspiele und die Transferwerte der Spieler erhöhen sich."

Sollten Clubs wie Rapid, Austria, Sturm Graz oder LASK Gruppenphasen-Stammgäste werden - Red Bull Salzburg nimmt ohnehin eine Sonderstellung ein -, könnte sich das wirtschaftliche Ungleichgewicht innerhalb der Bundesliga weiter verstärken. Landthaler sieht darin allerdings keinen Grund zur Besorgnis.

TV-Gelder der UEFA sorgen für gute Umverteilung

"Wenn wir gar nicht international spielen, verliert die Liga an Bedeutung und interessiert die Leute weniger. Und das Geld, das die österreichischen Clubs verdienen, geben sie auch in Österreich wieder aus, das hebt den Stellenwert des Fußballs und der Liga an sich. Wenn niemand in Europacup-Gruppenphasen mitspielt, hätten wir vielleicht eine ausgeglichenere Liga, aber es interessiert keinen, wenn wir die Nummer 30 Europas sind", betonte der 43-Jährige.

Nach Landthalers Meinung werden die Europacup-Prämien von mancher Seite zu Unrecht verteufelt, der Vorwurf einer Umverteilung nach oben greife zu kurz. "Bei Real Madrid machen die Champions-League-Einnahmen zehn Prozent des Budgets aus, bei uns die Europa-League-Einnahmen 25 Prozent."

Das Problem seien vielmehr die Unterschiede in den nationalen TV-Verträgen. "Wenn der Letzte in England mehr TV-Gelder als die Bayern bekommt, ist das nicht die Schuld der Champions League. Eigentlich sind die Europacup-Bewerbe durch die gemeinsame UEFA-Vermarktung eine gute Umverteilung", erklärte Landthaler.

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