Fussball

Steffen Hofmann im Interview: "Ich habe als Kapitän nie alleine regiert"

Von DAZN/SPOX Österreich
Steffen Hofmann im Interview
© GEPA

Steffen Hofmann zählt ohne Zweifel zu den großen Legenden des SK Rapid. Mit 540 Spielen für Grün-Weiß ist der Deutsche Rapids Rekordspieler, über viele Jahre trug er die Kapitänsschleife - seine Rückennummer 11 wird für mindestens elf Jahre nicht mehr vergeben.

Im Sommer beendete der 38-Jährige schließlich seine Karriere um einen neuen Weg zu beschreiten: Der Deutsche ist nun Talente-Manager der Hütteldorfer. Im Interview DAZN und SPOX spricht Hofmann über seine neue Rolle bei Rapid, die prekäre Situation in der Liga und eine knifflige Aufgabe gegen Villarreal am Donnerstag (LIVE und exklusiv ab 18:55 Uhr auf DAZN).

DAZN/SPOX: Herr Hofmann, Sie waren über viele Jahre Kapitän des SK Rapid. Was bleibt in Erinnerung?

Steffen Hofmann: Es gibt auch Zeiten, in denen es nicht so gut läuft und man muss trotzdem seinen Mann stehen, sich vor die Mannschaft stellen und das Beste für den Klub rausholen. Das war manchmal schwierig, aber das gehört dazu. Es war eine schöne Aufgabe, die ich mit viel Stolz gemacht hat.

DAZN/SPOX: Wie hat sich die Hierarchie in der Mannschaft ohne Sie geändert?

Hofmann: Ich war sehr lange Kapitän aber es war nie so, dass ich alleine regiert habe. Ich hatte immer drei, vier Jungs um mich, mit denen ich mich austauschen konnte, bevor Entscheidungen gefällt wurden. Da waren auch Entscheidungen dabei, die ich so alleine nicht getroffen hätte. Die Spieler, die jetzt vorne stehen, waren da schon dabei. Ich habe mich vorletzten Sommer schon ein Stück weit zurückgezogen. Ich war für sie da, habe mich aber bewusst weniger eingebracht. Die Jungs müssen Erfahrungen sammeln. Das ist nicht leicht, vor allem wenn die Stimmung nicht so gut ist.

DAZN/SPOX: Im Sommer wurden Sie als aktiver Kicker verabschiedet und sofort in den Verein eingegliedert. Wie sehen Sie Ihre neue Rolle?

Hofmann: Mein Job heißt Talente-Manager, ist etwas neues hier im Verein, unser Manager Fredy Bickel hat das in der Schweiz schon des Öfteren ins Leben gerufen. Meine Aufgabe ist es, mich um die größten Talente, die wir im Verein haben zu kümmern, sie ein Stück weit zu begleiten bei allen Dingen, die einem jungen Menschen beim Weg zum Profi im Weg stehen. Ziel ist es, möglichst vielen zu helfen, dass sie irgendwann im Allianz Stadion am Platz stehen. Mein persönliches Ziel ist, dass ich in drei, vier Jahren sagen kann: Da stehen vier Jungs am Platz, mit denen hab ich trainiert, viel geredet, habe sie begleitet.

DAZN/SPOX: In der Liga ist Rapids Lage prekär, Platz sieben genügt nicht den Ansprüchen. Wie beurteilen Sie die Situation?

Hofmann: Wir haben im Sommer einen sehr großen Umbruch gehabt, haben viele Spieler verloren und viele dazubekommen, die eine Eingewöhnungsphase brauchen. Die Stimmung im Verein, im Stadion war sehr negativ. Es wäre sehr schwierig geworden, mit dem alten Trainer (Goran Djuricin, Anm.) da rauszukommen. Aber ich schaue positiv nach vorne. Es ist genug Potenzial in der Mannschaft, Dietmar Kühbauer macht es richtig gut. Er hat den Vorteil, dass er hier eine Legende ist, dass er den Verein kennt und weiß, um was es geht und es den Jungs vermitteln kann. Ich möchte nicht nach hinten schauen, sondern nach vorne.

DAZN/SPOX: Erkennen Sie bereits Dietmar Kühbauers Handschrift?

Hofmann: Es wäre unfair zu sagen, dass man jetzt schon eine Handschrift sieht. Die Jungs sind schon stabiler, haben etwas mehr Glauben an sich selbst. Spiele wie in Hartberg und Villarreal sind natürlich Gift für den Aufschwung. Aber man hat zuletzt gesehen, dass es geht. Wir müssen gemeinsam daran glauben und in einen positiven Lauf kommen, dann ist mit der Mannschaft viel möglich.

DAZN/SPOX: Präsident Michael Krammer hat der Mannschaft die Rute ins Fenster gestellt. Können solch drastische Aussagen einen positiven Effekt erzielen?

Hofmann: Es hängt davon ab, was die Jungs daraus machen. Mich hätte das extrem angestachelt. Es ist wichtig, dass wir als Gemeinschaft auftreten, zusammen stark sind und alles dafür geben, dass Rapid erfolgreich ist. Wenn ich noch Spieler wäre, hätte mich das extrem gepusht. Man sollte die Kritik ernst nehmen und in positive Energie umwandeln.

DAZN/SPOX: Das 2:2 gegen Altach war ein Dämpfer, mit Villarreal wartet nun eine denkbar schwere Aufgabe...

Hofmann: Ich glaube schon, dass die Mannschaft mit der Situation umgehen kann. Wir haben dort eine auf den Deckel bekommen, waren richtig schlecht. Die Mannschaft hat jetzt aber nichts mehr zu verlieren. Niemand wird ins Stadion kommen in der Hoffnung, dass wir Villarreal wegschießen. Die Mannschaft hat die Möglichkeit, einiges wieder gutzumachen. Die Qualität ist da. Als Verein ist die Europa League wichtig. Man spielt das ganze Jahr, um sich dafür zu qualifizieren. Aber in unsere Situation muss man fast darauf schauen, in die Meistergruppe in der Bundesliga zu kommen.

DAZN/SPOX: Das Hinspiel war, wie Sie sagen, sehr einseitig. Welche Rolle werden die Fans in Hütteldorf spielen?

Hofmann: Sie sind enorm wichtig. Wir haben auch in der Qualifikation auswärts verloren und zu Hause alles gewonnen. Ich hoffe, dass wir dieses Selbstbewusstsein, das wir zu Hause in der Europa League hatten, mitnehmen und daran glauben, auch gegen Villarreal gewinnen zu können.

DAZN/SPOX: Vor einigen Jahren war der Qualitätsunterschied zwischen Villarreal und Rapid noch nicht so drastisch.

Hofmann: Sie waren auch damals sehr gut. Wir haben zu Hause 2:1 gewonnen, obwohl wir in der ersten Halbzeit keinen Ball gesehen haben und 1:0 hinten waren. Das hat uns einen enormen Aufwind und Selbstvertrauen gegeben. Auswärts haben wir mit 1:0 verloren. Da haben wir aber in der ersten Halbzeit mit das beste Spiel gemacht, das ich mit Rapid bei so einem Gegner gemacht habe. Da hat man nicht gesehen, welche Mannschaft aus Spanien ist und welche aus Österreich. Es war ein unglaublicher Herbst in der Europa League mit dem Gruppensieg als absolutes Highlight.

DAZN/SPOX: Welchen Stellenwert hat die Europa League für Rapid, angesichts der nationalen Situation?

Hofmann: Man spielt ein Jahr dafür, dass man sich qualifiziert, da freut man sich extrem darauf. Es ist immer schwierig, das zu sagen, aber es ist einfach was anderes wenn man zweimal im Leben gegen Villarreal spielt oder viermal im Jahr gegen kleinere, heimische Mannschaften. Es ist einfach etwas anderes. Man freut sich mehr darauf, ist angespannt. Und wenn man da noch positive Erlebnisse rausholt, gibt das Energie.

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