Fussball

Was Austria-Gegner Osijek gefährlich macht

Osijek kickte Luzern und Eindhoven aus dem Bewerb
© GEPA

Der erste Nackenschlag ereilte die Wiener Austria vor der Partie. Unerwartet und unvorbereitet. Der türkische Cupsieger Konyaspor aktivierte die Ausstiegsklausel von Abwehrchef Petar Filipovic. Dieser akzeptierte dankbar und verabschiedete sich damit aus Wien. Dafür schlug er auch einen neuen Vierjahresvertrag der Austria aus. Anstelle von Filipovic dürfte im Auswärtsspiel gegen NK Osijek (20:45 Uhr, live auf Puls 4) der junge Ghanaer Abdul Kadiri Mohammed (21) neben dem bisher oft fehleranfälligen Heiko Westermann verteidigen.

Ein Rückschlag, der in der laufenden Saison ein wenig ins Bild passt. Denn außergewöhnlich euphorisiert sind die Veilchen ohnehin nicht. Nur ein magerer Sieg in vier Ligaspielen und auch gegen Limassol glänzten die Veilchen trotz Aufstieg nicht. Und so wird das Duell mit Osijek um den Einzug in die lukrative Europa-League-Gruppenphase kontrastreich. Denn die Kroaten surfen mit breitem Grinsen auf der Erfolgswelle. In der Europa League kickte man erst als Underdog den FC Luzern aus dem Bewerb, dann musste auch der große PSV Eindhoven dran glauben. Zweimal siegte Osijek mit 1:0. Auch in der Liga sind die Kroaten noch ungeschlagen. 1:0 besiegten sie Meister Rijeka, gegen Dinamo Zagreb reichte es immerhin für ein 1:1.

Das Wunder von Eindhoven

Somit ist die Favoritenrolle nicht restlos geklärt, wie der kroatische Journalist Vedran Buble im Gespräch mit SPOX erklärt. "Osijek lebt momentan seinen Traum", sagt Buble. "Ihre Form ist exzellent. Der Aufstieg gegen Eindhoven war wirklich überragend. Kleine Teams überraschen oft im Hinspiel und werden im Rückspiel von der Realität eingeholt. Osijek hat beide Spiele gewonnen und PSV ist erstmals seit 30 Jahren nicht mehr international dabei."

Das Erfolgsrezept der Blau-Weißen ist für ihn schnell erklärt: Stabile Defensive, schnelles Umschaltspiel, effektive Konter. "Sie sind aber keine pure Kontertruppe und haben keine Angst vor Ballbesitz. Das geschieht ziemlich situativ." Für Gefahr im Angriffsdrittel sorgen speziell die beiden Flügelspieler Petar Bockaj (21) und Eros Grezda (22). Beide kamen im Sommer von Lokomotiva Zagreb. Im Sturm-Zentrum dürfte der langsame, aber torgefährliche Muzafer Ejupi (28) zum Zug kommen.

Für NK Osijek ist das Knock-out-Spiel gegen die Austria nicht irgendeine Partie, sondern ein richtungsweisendes Jahrhundertspiel. Die Gruppenphase könnte die Türe zu neuen finanziellen Möglichkeiten aufstoßen. Finanzielle Möglichkeiten, die essenziell wären, um die Lücke zu Rijeka und Dinamo Zagreb nachhaltig zu schließen. Im Vorjahr wurde Osijek zwar Vierter, auf Meister Rijeka fehlten aber stolze 22 Punkte.

Zoran Zekic: Für Höheres berufen

"Rijeka war in der Vorsaison exzellent", erinnert sich Buble. "In dieser Saison ist die Lücke geschrumpft. Osijek hat sich im Sommer gut verstärkt und wurde fraglos besser, aber der Meistertitel ist dennoch unrealistisch." Das könnte auch Osijeks 43-jähriger Erfolgstrainer Zoran Zekic bald erkennen. Er transformierte Osijek seit seinem Engagement im Sommer 2015 vom Abstiegskandidaten zum Europa-Cup-Teilnehmer. "Zekic ist enorm talentiert und wird ziemlich bald einen größeren Klub übernehmen, davon bin ich überzeugt", sagt Buble. "Er hat eine klare Idee, ist enorm diszipliniert und schafft den Spagat zwischen Offensivfußball und Konterfußball gegen große Gegner."

Gegen die Veilchen wird Osijek wohl abwarten, kontern und mit den schnellen, technisch versierten Flügelspielern die neuformierte Innenverteidigung der Wiener anlaufen. "Nach dem Aufstieg gegen PSV ist der Optimismus in Kroatien groß", sagt Buble. "Mit dem Los Austria Wien waren eigentlich alle glücklich. Klar, eine gute Truppe. Aber Osijek spielt mit der Euphorie im Rücken. Der Glaube an die Gruppenphase ist groß."

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