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NFL - Rob Gronkowskis Aufstieg zum vielleicht besten Tight End aller Zeiten: SpongeBob, Beer Pong und jede Menge „Chicks“

Von Jan Dafeld
Rob Gronkowski steht mit den Tampa Bay Buccaneers im Super Bowl.

Gegen die Kansas City Chiefs könnte Rob Gronkowski den vierten Super Bowl seiner Karriere gewinnen, seinen ersten mit den Tampa Bay Buccaneers. Der 31-Jährige gilt als einer der besten Tight Ends aller Zeiten, obwohl er häufig wie ein Kind im Körper eines Monster-Athleten wirkte. Bis heute.

Wir schreiben den 18. Oktober 2020 kurz vor Mitternacht deutscher Zeit. Die Tampa Bay Buccaneers führen im heimischen Raymond James Stadium etwa eine Minute vor der Pause mit 21:10 gegen die Green Bay Packers. Doch die Bucs wollen nochmal nachlegen: Tom Brady und Co. sehen sich einem Third-and-Six an der gegnerischen Zwölf-Yard-Linie gegenüber.

Als Center Ryan Jensen den Ball zu Brady wirft, läuft Rob Gronkowski von der linken Seite der Formation eine Fade-Route in die Endzone. Brady legt seinem Tight End den Ball zielgenau auf die linke Schulter, Gronkowski nutzt den freien Raum zu seiner Linken perfekt, schirmt den Ball ab und pflückt den Wurf mit zwei sicheren Händen aus der Luft. Gegenspieler Adrian Amos hat nicht den Hauch einer Chance.

Es ist ein Touchdown, der die Bucs mit 28:10 in Führung bringt. Vor allem aber ist es Gronkowskis erster Touchdown im Dress seines neuen Teams. Das Spiel gegen die Packers beendet der 31-Jährige mit 78 Yards, seine bis dahin beste Ausbeute in der Saison. Es ist ein Spiel wie zu Gronkowskis besten Zeiten.

An diesem 18. Oktober sah Gronkowski wieder aus wie der Monster-Athlet, der in seinen ersten sechs Jahren in der NFL zu Beginn der 2010er-Jahre 74 Touchdowns gefangen hatte. Er war ein Tight End, den man, wie Tony Gonzalez es einst passend formulierte, nur verteidigen konnte, indem man ein Foul beging. Ein Tight End, wie es ihn in der Geschichte der NFL zuvor noch nie gegeben hatte.

Die Patriots und Gronkowski wirkten fast zehn Jahre lang wie füreinander geschaffen. Der Tight End wurde fünfmal in den Pro Bowl und viermal ins All-Pro-Team gewählt. Mit New England gewann er drei Super Bowls. Dabei wäre Gronk einst um ein Haar nicht bei den Pats gelandet.

Rob Gronkowski: SpongeBob und ein Schläfchen im Warteraum

Jon Robinson, der ehemalige Chefscout der Patriots erinnert sich, wie er Gronkowski 2010 vor dem Draft das erste Mal traf: Robinson fragte seinen Gegenüber, was er abseits des Football-Felds gerne tat. Gronkowski sagte nicht, dass er gerne Filme sieht oder Bücher liest. "Ich gucke gerne Cartoons", so der damals 20-Jährige.

Was für Cartoons denn, wollte Robinson damals von ihm wissen. "SpongeBob" war offenbar nicht die Antwort gewesen, die er hatte hören wollen. "'Du verarschst mich doch', dachte ich mir. Ich soll diesen Typen bald Bill [Belichick] vorstellen und er erzählt mir, dass er SpongeBob mag. 'Rob, du musst mir schon ein wenig helfen, so habe ich keine Chance', ging mir durch den Kopf", sagte Robinson zu Sports Illustrated.

"Solche Momente gab es häufig mit Gronk. Einmal hat er im Warteraum vor dem Büro von Nancy Meier (der Scouting-Koordinatorin der Patriots) geschlafen", erzählt Brian Ferentz, der ehemalige Tight End Coach der Patriots. "Sie kommt rein und er liegt auf dem Boden, sein Jacket als Kopfkissen unter seinem Kopf. Er ist nicht versehentlich eingeschlafen, er hat sich hingelegt und ein Schläfchen gehalten."

Am Ende entschieden sich die Patriots dennoch für Gronkowski und wählten ihn mit dem 42. Pick im Draft aus. "Etwas, das bei ihm stets zu erkennen war, war, dass er ein guter Junge ist", so Ferentz weiter. "Er war ein guter Mensch mit guten Werten."

Rob Gronkowski: "Ich bin Party"

In seinem Inneren blieb Gronkowski stets der unbekümmerte Typ, der er schon auf dem College gewesen war - bis heute.

Als ihm eine Reporterin in einem Team-Interview einst eine Frage auf Spanisch stellte, antwortete Gronkowski: "Yo soy fiesta", ich bin Party. Ein Satz, der den Tight End tatsächlich sehr gut beschreibt.

Als geladener (und für seine Anwesenheit teuer bezahlter) Gast auf Geburtstagspartys posierte Gronk häufig nicht wie die meisten anderen eingekauften Stars für ein paar Fotos und schrieb eine Handvoll Autogramme, er inszenierte selbst Wetttrinken und spielte mit den jungen Partygästen Beer Pong und Flip Cup.

Gronkowski genoss schon immer einen Ruf als Partytier. In der NFL, doch auch schon auf dem College.

Rob Gronkowskis Hobbys: "Trainieren, Sport machen, Chicks"

In seiner Studentenzeit lebte der Tight End mit seinem älteren Bruder Gordie zusammen nahe des Campus. Gordie sollte eigentlich ein Auge auf den jungen Rob werfen, doch das Haus der Gronkowskis hatte sich schnell einen Ruf als Party-Hochburg erarbeitet.

Mithilfe von Planen, Wasser und jeder Menge Seife verwandelten Gordie und Rob Küche, Flur und Wohnzimmer in eine Slip-and-Slide-Rutsche. Sowohl Männer als auch Frauen mussten sich bis auf ihre Unterwäsche ausziehen, Studentinnen, die erstmals eine Gronkowski-Party besuchten, warfen ihre BHs in einen Baum vor dem Anwesen.

"Als mein Vater uns das erste mal besuchte, kam er rein und das erste, was er sah, war ein komplett nacktes Mädchen bei uns im Flur", schreibt Gronkowski in seiner Biographie. Nicht nur diese Szene scheint geradewegs aus einem etwas überdrehten College-Film entsprungen: In seinem Jahrbuch gab er als Hobbys "Trainieren, Sport machen, Chicks" an und in einem Basketball-Spiel verwarf Gronkowski einst absichtlich einen Freiwurf, um anschließend lachend auf die Punkte des eigenen Teams zeigen zu können: 69.

Rob Gronkowskis Mutter: 20 Kilo Hähnchen pro Einkauf

"Wenn ich in der Zeit zurückgehen könnte, dann würde ich einfach wieder Kind werden" meinte Gronkowski einmal zu Sports Illustrated. "Du hast keine Verpflichtungen, du kannst machen, was du willst. Und niemand bekommt Ärger."

Er selbst wuchs als vierter von fünf Söhnen in der Familie Gronkowski auf. Fünf Brüder, alle groß gebaut und muskelbepackt. Gordie, der Älteste, verpasste eine Baseball-Karriere einst nur knapp, Dan (Tight End), Chris (Fullback) und Glenn (Fullback) schafften es alle in einen NFL-Kader.

Ihre Mutter Diane gab mehr als 500 Dollar in der Woche für Essen aus, um all die hungrigen Mäuler zu stopfen. Die Gronkowskis hatten gleich zwei riesige Kühltruhen in ihrer Garage stehen, Diane kaufte 20 Kilogramm Hähnchen bei nur einem Einkauf. Das Hähnchen-Souffle seiner Mutter sei bis heute sein Lieblingsessen, sagt Gronkowski.

Rob Gronkowski: "Selbst wenn ich Party mache, trainiere ich noch!"

Vater Gordy trainierte seine Söhne derweil von klein auf. Im Garten der Familie stand eine Jugs-Maschine, zunächst noch mit Tennis-Bällen, später dann mit Baseballs gefüllt. Im Wohnzimmer ließ Gordy seine Jungs Zoom-Zoom spielen. Das Prinzip des Spiels: Mit einem Kissen in der Hand aufeinander losgehen und "die Scheiße aus den anderen rausprügeln". Im Keller trainierten die Brüder gemeinsam auf Hantelbänken. Das Motto schon damals: "Macht es, um Chicks zu kriegen!"

Noch heute stehen sich Rob Gronkowski und seine Brüder nahe. Sie bleiben stets miteinander in Kontakt, trainieren zusammen und gehen zusammen feiern - natürlich. "Das Gute an den Partys von mir und meinen Brüdern ist, dass wir nicht rumsitzen oder mit Drinks in der Hand rumstehen", so Gronk. "Wir nehmen keine Drogen, das brauchen wir nicht. Wir tanzen, lachen, machen dummes Zeug und haben so viel Spaß, dass es alle anderen um uns herum ansteckt."

Gronkowski spielt tatsächlich keine Rolle, er verkörpert keine Marke, wie vielleicht einige Athleten und Prominente. Er will Party machen, er will Spaß haben. Wenn auf TMZ oder Deadspin Videos von ihm zu sehen seien, dann werde er nicht wütend, sondern traurig, erklärt sein Bruder Dan. "Wieso sitzen die Leute da und machen Fotos von mir? Wieso feiern sie nicht? Wieso tanzen sie nicht, so wie ich?"

Wenn er und seine Brüder loslegen, dann feiern sie "härter als irgendjemand sonst", sagt Gronkowski. "Wir tanzen mit höchster Intensität. Immer in Bewegung, es ist das beste Cardio-Workout, das es gibt. Selbst wenn ich Party mache, trainiere ich noch!"

Rob Gronkowski ist "ein absolutes Monster"

Trotz seiner Partys bekam Gronkowski niemals Probleme mit dem als hart und streng geltenden Belichick. Auf dem Platz sei niemand fokussierter gewesen als Gronk, sagte Belichick mal. Gronkowski entwickelte sich unter ihm nicht nur aufgrund seines Talents zu einem der besten Tight Ends aller Zeiten, sondern aufgrund seines Arbeitseifers, seines Ehrgeizes und seiner Furchtlosigkeit.

Gronkowski fürchte kein noch so hartes Tackle, erzählen Mitspieler. Auch deshalb fängt er so viele Bälle über die Mitte des Feldes, auch deshalb bricht er so viele Tackles. Rob könne keinen Schmerz und keine Angst fühlen, glaubt seine Familie. Als er das erste Mal Skifahren gewesen sei, habe sich Gronkowski den Abhang hinabgestürzt und sei bis zum Fuße des Berges Schuss gefahren. So erzählen sie es zumindest.

"Wir hatten Tight Ends, die bessere Hände hatten, wir hatten bessere Athleten, größere Spieler, schnellere Spieler, aber niemals hatten sie alle Stärken auf einmal", beschreibt der ehemalige Ravens-Coach Brian Billick Gronkowski. "Er ist so anders, so einzigartig. Einfach ein absolutes Monster."

Der Patriots-Star war zudem nicht nur einer der besten Receiving Tight Ends aller Zeiten. Anders als ein Tony Gonzalez oder ein Travis Kelce, die eher wie groß gewachsene Slot Receiver eingesetzt wurden, zählte Gronkowski stets auch zu den besten Blockern auf seiner Position.

Rob Gronkowski: Noch immer ein Spieler für die großen Momente?

Er sei der Shaquille O'Neal der NFL, sagt Gonzalez nicht ganz unzutreffend über Gronkowski. Körperlich sei er schlicht zu dominant, eine unaufhaltbare Naturgewalt, so der Hall of Famer.

Doch Gronkowskis Spielstil war ein Stil, der Opfer forderte. Er riss sich das Kreuzband und den Meniskus, brach sich zweimal den Unterarm und hatte gleich zwei Bandscheibenvorfälle. In neun Jahren bei den Patriots absolvierte er nur zweimal alle 16 Saisonspiele.

Es waren Verletzungen, die dem 31-Jährigen über Jahre hinweg zusetzten, ihn jedoch bis heute nicht brechen konnten. Nach einjähriger Pause im Jahr 2019 absolvierte Gronkowski in dieser Saison wieder alle 16 Spiele - zum ersten Mal seit neun Jahren.

Die Dominanz seiner besten Tage ist heute nicht mehr da. Gronkowski bewegt sich mit 31 Jahren schwerfälliger, Statistiken wie in einem Videospiel legt er in Tampa Bay nicht mehr auf. Doch Brady vertraut seinem langjährigen Weggefährten nach wie vor.

Gronk kann noch immer ein Spieler für die großen Momente und wichtigen Catches sein. Vielleicht kann er das im Super Bowl gegen die Kansas City Chiefs ein weiteres Mal unter Beweis stellen.

Rob Gronkowski: Seine Statistiken in der NFL

JahrTeamSpieleCatchesYardsTouchdowns
2010Patriots164254610
2011Patriots1690132717
2012Patriots115579011
2013Patriots7395924
2014Patriots1582112412
2015Patriots1572117611
2016Patriots8255403
2017Patriots146910848
2018Patriots13476823
2020Buccaneers16456237
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