Suche...
NFL

Draft 2020: Quarterback-Ranking und Analyse der Top-10-Prospects

SPOX sortiert für euch die Quarterbacks im kommenden Draft.

Neues Jahr, altes Bild - am Ende bestimmen doch die Quarterbacks die Konversationen vor dem Draft. Könnten die Bengals wirklich den Nummer-1-Pick und damit mutmaßlich Joe Burrow aufgeben? Und welche Talente gibt es hinter Burrow und Tua Tagovailoa? Das SPOX-Quarterback-Ranking vor dem Draft gibt Aufschluss.

Die 2020er Quarterback-Draft-Klasse ist aus zweierlei Gründen spannend: Es gibt ein klares Duo an der Spitze, auch wenn bei Tua Tagovailoa die Fragezeichen infolge der schweren Hüftverletzung und der derzeit nicht vorhandenen Medizinchecks groß im Raum stehen. Doch Tua und Joe Burrow sind potenzielle Franchise-Quarterbacks - zwei davon gibt es in einem Jahrgang selten.

Der andere Part dieser Klasse folgt dann dahinter: Mit insbesondere Justin Herbert und Jordan Love gibt es zwei absolute Boom-or-Bust-Prospects; beide könnten in den richtigen Umständen und bei richtiger Entwicklung voll einschlagen, beide könnten aber in zwei Jahren auch wie große Fehlinvestitionen aussehen. Insbesondere, falls beide tatsächlich in der ersten Hälfte der ersten Runde gedraftet werden.

Ein dritter Punkt noch dazu wäre die Mittelklasse. Jacob Eason ist aufgrund seines starken Arms für einige Teams ein interessantes Projekt, Jake Fromm bringt eine extrem hohe Base-Line mit, an Jalen Hurts scheiden sich die Geister - und Tyler Huntley könnte eine kleine Überraschung in dieser Quarterback-Mittelklasse des diesjährigen Drafts werden.

SPOX-Redakteur Adrian Franke hat sich die Quarterbacks dieser Klasse angeschaut und in seiner Top-10 mit einer Blitzanalyse zu jedem Prospect zusammengefasst.

Das NFL Draft 2020 Quarterback Ranking:

10. Cole McDonald, Hawaii

In einem Satz: Ein äußerst unterhaltsamer Gunslinger mit einem spektakulären Arm, der mit vertikalen Highlight-Würfen punktet - der gleichzeitig aber auch noch viel zu ausladende Mechanics hat und selbst mit den vergleichsweise einfachen Reads in Hawaiis offener Run-and-Shoot-Offense häufig so seine liebe Mühe hatte.

Stärken:

  • Spektakuläre Armstärke, in der Kategorie neben Eason der beste Quarterback dieser Klasse: McDonald kann jeden Bereich des Feldes aus jeder Plattform bedienen, auch bei Rollouts feuert er Pässe in der Bewegung das Feld runter.
  • Passend dazu: Der Deep Ball ist mitunter fantastisch. Hier ist auch sein Timing am besten, McDonald hat auf fast jedem Tape Pässe perfekt in den Lauf des Receivers 30, 40 Yards Downfield. 1.103 Deep-Passing-Yards (Pässe die mindestens 20 Yards Downfield fliegen) sowie die dritthöchste durchschnittliche Target-Tiefe (12,4 Yards) im College-Football. Eine Big-Play-Maschine.
  • McDonald verfügt über nicht zu unterschätzende Athletik. Kann auch als Power-Runner Yards rausholen.
  • Wenn McDonald in seinen Rhythmus kommt und der Ball sofort rauskommt, kann er auch ein guter Point Guard sein, der den Ball verteilt.

Schwächen:

  • Reads und Decision-Making sind noch ein riesiges Fragezeichen. Manche Bälle fliegen einfach blindlings in die Coverage, McDonald hat zu häufig Horror-Interceptions auf Tape, wirft schlicht in die Arme eines Underneath-Verteidigers etwa - und das obwohl er im College in einer sehr Quarterback-freundlichen Offense gespielt hat. Dieser Part wird für ihn in der NFL noch deutlich schwieriger.
  • Accuracy ist noch definitiv unkonstant.
  • Release ist viel zu ausladend. McDonald wirft den Arm nach hinten und feuert ihn dann wieder nach vorne, Richtung "Katapult-Stil".
  • Hält den Ball mitunter viel zu lange und will das Big Play forcieren.

SPOX-Empfehlung: 5. Runde.

9. Jalen Hurts, Oklahoma

In einem Satz: Cam Newton Light - gemeint ist ein physischer Runner auf der Quarterback-Position, der hier auch in der NFL Value haben sollte, der gleichzeitig aber als Passer noch massive Defizite sowie große Probleme mit seinen Reads hat, das Feld zu langsam liest und die Pocket sehr gerne vorschnell verlässt.

Stärken:

  • Ein Power-Option-Quarterback. Hurts verfügt über Athletik und Physis als Runner, kann in Power-Konzepten bestehen und auch zwischen den Tackles laufen. Überspitzt formuliert ist er die weniger physisch begabte, dafür agilere Version von Cam Newton.
  • Hurts hat eine solide Armstärke, bringt Bälle mit Zip über die Mitte und hatte auch mehrere gute Pässe aus unsauberer Pocket auf Tape. Vertikales Passspiel ist eine Qualität. Oklahoma nutzte das mit vielen Rollout-Konzepten, um Hurts in Bewegung zu bringen, seine Athletik zu nutzen und ihn in seinen Reads zu unterstützen.
  • Hat immer wieder "Wow"-Plays, wo er aus dem Nichts noch ein Big Play kreiert.
  • Gilt als absoluter High-Character-Typ. Seine Degradierung bei Alabama hat er wie ein Vollprofi aufgenommen, soll unisono bei Alabama und dann auch Oklahoma innerhalb des Teams enormes Ansehen genossen haben. Seine Qualitäten sprechen für einen Career-Backup - dafür aber scheint er das volle Paket mitzubringen.

Schwächen:

  • Hurts will eher laufen als werfen, das ist der größte Kritikpunkt bei Hurts. Direkt anknüpfend daran: Er ist ein besserer Runner als Passer, aber er ist eben als Runner nicht auf dem Level von Hochphase-Newton oder Lamar Jackson, will sagen: Als Runner wird er nicht diesen extremen Unterschied machen.
  • Allerdings verlässt Hurts die Pocket auch viel zu häufig vorschnell; zu häufig geht er aus der Pocket wenn sein erster Read zugestellt ist.
  • Hurts hat sichtbare Probleme damit, Coverages zu erkennen. Regelmäßig bleibt er beim ersten Read kleben, Antizipation und der ganze Processing-Speed sind einfach sehr langsam und holprig. Viel in der Sooners-Offense funktionierte über Run Pass Options, Play Actions und Option Plays, bei denen Hurts nur einen Teil des Feldes oder einzelne Verteidiger lesen musste.
  • Hält den Ball dadurch auch deutlich zu lange und kassiert unnötige Sacks.
  • In der Summe ist Hurts für mich ein High-End-Backup-Prospect, dem ich einen Platz als echter Starting-Quarterback in der NFL aber unter dem Strich nicht zutraue.

SPOX-Empfehlung: 3.-4. Runde.

8. Jacob Eason, Washington

In einem Satz: Ein beeindruckender Arm - aber was kann Eason noch? Diese Frage müssen Teams beantworten, denn abgesehen von fantastischen Deep Balls und jeder Menge Zip Underneath bringt Eason riesige Fragezeichen in puncto Accuracy, Antizipation, Read-Tempo und Pocket-Verhalten mit.

Stärken:

  • Die Armstärke ist sein mit Abstand bestes Argument. Eason kann jeden Bereich des Feldes mit jeder Menge Dampf anspielen, er hat tolle Deep Balls auf Tape und zeigt hier auch fantastisches Timing und Antizipation. Eason scheut kein vertikales Passfenster.
  • Auch Pässe in der mittellangen Distanz kommen mit enormem Zip. Eason kann so auch engste Fenster treffen und auch bei Rollouts den Ball problemlos mit Power werfen.
  • Funktionale Athletik ist sichtbar. In Kombination mit einem enormen Frame nicht leicht zu Boden zu bringen.

Schwächen:

  • Accuracy ist massiv unkonstant. Selbst wenn er Receiver etwa bei kurzen In-Breaking-Routes trifft, ist der Ball häufig leicht in den Rücken platziert, sodass der Receiver abbremsen oder sich neu ausrichten muss und so wertvolle Yards nach dem Catch liegen lässt.
  • Seine Mechanics sind ein riesiges Projekt. Easons Beinarbeit ist mitunter absolut wild und bestenfalls als unkonstant zu bezeichnen.
  • Ein "See it, Throw it"-Passer. Antizipation zumindest im Kurzpassspiel nahezu überhaupt nicht vorhanden.
  • Pressure bereitet Eason noch riesige Probleme. Seine ohnehin schon unkonstanten Mechanics verabschieden sich da teilweise komplett.
  • Reads sind schlicht zu langsam. Braucht zu lange, um von einem Read zum nächsten zu kommen - wenn er es überhaupt macht.
  • Will oftmals Würfe in Fenster erzwingen, die gar nicht da sind. Womöglich vertraut er da seinem Arm auch zu sehr.
  • Pässe kommen oftmals mit Power, wenn eigentlich Touch gefragt wäre. Muss noch zeigen, dass er mit seinem Arm auch wirklich verschiedene Würfe anbringen kann.

SPOX-Empfehlung: 3. Runde.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung