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NFL Third and Long Week 9 Recap: Die Ravens-Offense - und Midseason-Awards!

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt in seiner wöchentlichen Kolumne zurück auf den vergangenen NFL-Spieltag.

Mit der Halbzeitmarke in der NFL-Saison vergibt SPOX-Redakteur Adrian Franke in seiner wöchentlichen Kolumne die Midseason-Awards. Wer wäre Stand jetzt der MVP, der Coach des Jahres und der Comeback-Kandidat? Außerdem: Die Einzigartigkeit der Ravens-Offense, der erste Saisonsieg der Dolphins - und welches sind aktuell die Top-Offenses und Top-Defenses? Los geht's aber mit der Einschätzung der Quarterback-Situation in Jacksonville.

Ihr wollt Fragen an die SPOX-NFL-Kolumne stellen? Das geht direkt hier an den Autor!

Die absurde Kritik an Gardner Minshew

Eine Sache hat mich an diesem NFL-Wochenende wirklich geärgert und das waren die zahlreichen Tweets, Kommentare und sonstigen Äußerungen, die Gardner Minshew nach einem zugegebenermaßen sehr schlechten Spiel in London gegen die Texans direkt aufs Abstellgleis geschoben haben.

Jetzt sei ja klar, war dort in verschiedenen Ausführungen zu lesen und zu hören, dass Minshew auf die Bank gehört und dass Nick Foles zurückkehren muss sobald er fit ist.

Zwei Sachen stören mich dabei besonders. Der erste Punkt sind die scheinbar absurden Anforderungen an einen Rookie-Quarterback, egal, ob der in der ersten oder der sechsten Runde ausgewählt wurde. Minshew hatte zuvor über acht Wochen ein wirklich schlechtes Spiel, und das war gegen New Orleans und die starke Saints-Defense. Die restlichen Spiele waren Durchschnitt oder darüber hinaus und das unter nicht gerade idealen Umständen in Jacksonville, insbesondere mit Blick auf die Offensive Line.

Solche Leistungen vom eigenen Quarterback würde grob die Hälfte der Liga aktuell mit Kusshand nehmen - und wir reden hier nicht nur von einem Rookie, sondern von einem Sechstrunden-Pick, bei dem niemand erwartet hatte, dass er bereits auch nur ein durchschnittlicher NFL-Starting-Quarterback ist. Die Versuchung ist immer spürbar, gerade einen Rookie-Quarterback nach wenigen oder auch nur einem Spiel direkt in eine Schublade packen zu wollen. Sinnvoll ist das eigentlich nie.

Der zweite Punkt: Haben wir wirklich schon vergessen, welche Art Quarterback Nick Foles ist? Foles ist das Musterbeispiel für einen inkonstanten Quarterback, der zu unglaublichen Hochs in der Lage ist, immer wieder aber auch in ein Loch fallen kann. Foles ist nicht schlecht, aber die Wahrnehmung ist infolge des Super-Bowl-Runs mit den Eagles völlig verschoben.

Foles hat in Jacksonville nicht ansatzweise die Umstände, die er 2017 und 2018 in Philly hatte und selbst in diesem Zeitraum hatte er mit den Eagles einige wirklich schlechte Spiele. Damit will ich nicht sagen, dass Foles in Jacksonville ein Desaster wird - aber sehr wohl will ich damit sagen, dass wenn die Spiele mit Foles exakt 1:1 so gelaufen wären, wie sie mit Minshew gelaufen sind, wir sagen würden, dass sich die Verpflichtung für Jacksonville gelohnt hat.

Stattdessen haben sie "Bridge-Quarterback-Leistungen" von einem Sechstrunden-Rookie bekommen, bei dem wir noch nicht wissen, wo sein Potenzial nach oben liegt. Und eine Sache ist auch klar: Wenn Minshew und Foles auf eine 16-Spiele-Saison gerechnet halbwegs auf Augenhöhe agieren, ist Minshew die mehr als offensichtliche Wahl - einfach weil er so viel günstiger ist und der eindeutig günstigste Starting-Quarterback der Liga für die nächsten Jahre wäre.

Ein guter, selbst ein solider, Starting-Quarterback auf seinem Rookie-Vertrag ist in puncto Kader-Zusammenstellung der größte Vorteil, den es in der NFL gibt. Ein Quarterback auf seinem Sechstrunden-Rookie-Vertrag grenzt in der Hinsicht schon fast an Wettbewerbsverzerrung. Und nach dem was wir bisher von Minshew gesehen haben und was wir von Foles wissen, wären die Jaguars schlecht beraten, nicht alles zu versuchen, um diesen Vorteil auch auszunutzen.

NFL: MVP, Rookie, Coach - die Midseason Awards

Mit Woche 9 ist offiziell die zweite Saisonhälfte angebrochen, alle Teams haben jetzt mindestens acht Spiele auf dem Konto. Das Playoff-Bild wird klarer, und auch bei den Awards kann man sich einen zunehmend guten Überblick verschaffen.

Müsste ich heute meine Stimme abgeben, wären das meine individuellen Preisträger für die Regular Season 2019:

MVP: Russell Wilson, QB, Seahawks

Eigentlich ist es relativ simpel: Kein Spieler ist wertvoller für sein Team als Russell Wilson. Also ist er der MVP. Warum? Weil die Seahawks eigentlich den Ball laufen und gute Defense spielen wollen - im Run Game aber nicht mehr als Mittelmaß und in der Defense schlechter als das sind. Wilson ist der Spieler, der diese Offense auf ein Playoff-Level hebt und er ist zur Saison-Halbzeit der beste Quarterback dieser NFL-Spielzeit.

Die Verfolger: Aaron Rodgers, QB, Packers; Deshaun Watson, QB, Texans; Lamar Jackson, QB, Ravens; Dak Prescott, QB, Cowboys.

Weitere Gedanken: Rodgers spielt trotz des Ausrutschers in L.A. am Sonntag eine sehr gute Saison, funktioniert aber auch im Packers-Scheme deutlich besser. Watson derweil muss viel in Houston selbst tragen - und Lamar Jackson ist das Ravens-Scheme. Sehr unterschiedliche Spieler, und nein, eine andere Position als Quarterback ziehe ich für den MVP-Award nicht ernsthaft in Betracht, solange Quarterbacks auf diesem Level spielen.

Offensive Player of the Year: Lamar Jackson, QB, Ravens

Er hat nicht die Passing-Zahlen wie die Liga-Spitze - weder in Total noch in Advanced Stats. Und er ist als Passer nach wie vor limitiert. Doch Jackson ist als Spieler einzigartig und die Ravens haben um ihn eine für NFL-Verhältnisse einzigartige Offense gebaut. Wenn er fit bleibt, wird Jackson Michael Vicks QB-Rushing-Rekord (deutlich) brechen - und Baltimores Offense ist extrem unangenehm zu verteidigen und wenn es nur ist, weil NFL-Teams gegen diese Art Offense kaum spielen und es somit auch kaum trainieren. Jacksons Speed macht ihn zu einem der gefährlichsten Spieler der NFL, plus: Jackson hat sich auch als Passer im oberen Liga-Mittelfeld eingefunden, diese Dimension seines Spiels ist besser geworden, auch wenn die Stats das nicht unbedingt wiederspiegeln.

Die Verfolger: Chris Godwin, WR, Buccaneers; Michael Thomas, WR, Saints; Christian McCaffrey, RB, Panthers; George Kittle, TE, 49ers.

Weitere Gedanken: Wilson sowie die anderen MVP-Quarterback-Kandidaten sind hier natürlich ebenfalls im Rennen. Godwin ist und bleibt der wertvollste Wide Receiver dieser Saison, Michael Thomas habe ich knapp dahinter. Die Saints haben immer noch ein zu dünnes Waffenarsenal hinter Thomas, der die auf kurze Pässe und Yards nach dem Catch ausgelegte Offense nicht selten fast im Alleingang trägt. McCaffrey spielt in der Kombination aus Volume, Konstanz und Big Plays eine spektakuläre Saison und George Kittle ist aktuell der gefährlichste Tight End der Liga.

Defensive Player of the Year: Danielle Hunter, DE, Vikings

Hunter führt die Liga in Quarterback-Pressures an und auch wenn er in Kansas City am Sonntag gegen Mitchell Schwartz einen schweren Stand hatte: Die Tage, an denen Danielle Hunter schlicht übersehen wurde, scheinen endgültig vorbei zu sein. Hunter ist einer der besten Pass-Rusher dieser Saison, aber er ist mehr als das: Er ist einer der komplettesten Edge-Spieler der gesamten NFL. In einer Saison, in der es zumindest in meinen Augen keinen klaren DPOY-Favoriten gibt, rückt Hunter für mich immer weiter in den Fokus.

Die Verfolger: Nick Bosa, DE, 49ers; Joey Bosa, DE, Chargers; Stephon Gilmore, CB, Patriots; Cam Jordan, DE, Saints; Jamie Collins, LB, Patriots; T.J. Watt, DE, Steelers.

Weitere Gedanken: Beide Bosas gehören als zwei der gefährlichsten Pass-Rusher dieser Saison definitiv ebenfalls in diese Diskussion. Es ist schwer, einzelne Spieler aus der exzellenten Patriots-Defense raus zu stellen. Gilmore als vielleicht der beste Cover-Corner der Liga sowie Collins als Linebacker-Matchup-Spieler wären zwei Kandidaten. T.J. Watt spielt in einer starken Steelers-Front eine Elite-Saison und sollte Richtung 15 Sacks gehen.

Offensive Rookie of the Year: Kyler Murray, QB, Cardinals

Josh Jacobs wird am Ende die eindrucksvollen Stats auf seiner Position haben, generell bin ich aber der Meinung: Wenn ein Rookie-Running-Back eine gute und ein Rookie-Quarterback eine solide Saison spielt, sollte der Award an den Quarterback gehen, schlicht weil die Position so viel schwieriger und der Schritt vom College so viel größer ist. Murray ist der gefährlichste Rushing-Quarterback nach Lamar Jackson und Deshaun Watson, er leistet sich für einen Rookie-Quarterback kaum gravierende Fehler und seine Präzision als Passer ist Woche für Woche sichtbar. Zur ersten Saison-Mitte muss man in Arizona mit der Entscheidung für Kingsbury und Murray hochzufrieden sein.

Die Verfolger: Gardner Minshew, QB, Jaguars; Josh Jacobs, RB, Raiders; Terry McLaurin, WR, Redskins.

Weitere Gedanken: Gut möglich, dass Minshew seinen Platz an Foles verliert, sobald der zurückkehren darf. Dass der Sechstrunden-Pick bisher eine der großen Überraschungen dieser Saison ist, steht dennoch außer Frage. Jacobs läuft in Oakland hinter einer überraschend starken Line und hat die Stats, ist aber als Receiver längst nicht so eingebunden wie erhofft. McLaurin zeigt immenses Potenzial und spielt eine unheimlich gute Saison - auch wenn die im Chaos in Washington vermutlich unter dem Radar bleiben wird.

Defensive Rookie of the Year: Nick Bosa, DE, 49ers

38 Quarterback-Pressures stehen nach acht Partien auf Bosas Konto. Kein anderer Spieler mit unter 200 Pass-Rush-Snaps hat mehr als 25 Pressures! Über die erste Saisonhälfte ist er in der Summe mit Abstand der dominanteste Rookie-Verteidiger und ein maßgeblicher Grund dafür, dass die 49ers-Front den eindrucksvollen Schritt von "zahnlos" zu "brandgefährlich" hingelegt hat.

Der Verfolger: Josh Allen, DE, Jaguars.

Weitere Gedanken: Allen hatte einen durchwachsenen Start in seine NFL-Karriere, steigerte sich zuletzt aber merklich. Er ist noch nicht auf Bosas konstantem Level, aber zeigt schon jetzt, dass er ein guter Pick für die Jags war und gemeinsam mit Yannick Ngakoue für die nächsten Jahre ein eindrucksvolles Pass-Rush-Duo bilden kann. Ein anderer Kandidat kommt zumindest aktuell nicht wirklich in Frage, auch wenn Dexter Lawrence noch eine Honorable Mention verdient.

Comeback Player of the Year: Jimmy Garoppolo, QB, 49ers

Vor einer Woche hatte ich Garoppolo noch als guten Game Manager mit einigen Restzweifeln eingestuft. Gegen die - zugegebenermaßen ziemlich schlechte - Pass-Defense der Cardinals trug er San Francisco dann am Donnerstagabend zum Sieg, als weder das Run Game, noch die eigene Defense wie gewohnt dominierten. Wenn man ganz simpel an diesen Award geht, ist die Sache recht klar: Garoppolo spielt eine solide Saison für das einzige noch ungeschlagene Team in der NFL und kommt aus seinem besten Saisonspiel, während gerade seine Pass-Protection und somit auch seine Leistungen mit der Rückkehr der beiden Offensive Tackle noch besser werden sollte.

Die Verfolger: Cooper Kupp, WR, Rams; Everson Griffen, DE, Vikings.

Weitere Gedanken: Kupp hat sich seit seiner Rückkehr wieder als Mittelpunkt der Rams-Offense etabliert, aus dem Slot heraus ist er ligaweit eine der Elite-Waffen. Kupp ist ganz klar Goffs Go-to-Guy und ohne die Erfolgsstory der Niners in diesem Jahr müsste man ihn vermutlich sogar als ersten Comeback Player nennen. Griffen derweil hat sich nach Problemen abseits des Platzes eindrucksvoll zurückgekämpft und spielt, wenn auch etwas unter dem Radar, eine sehr starke Saison, in der er alle Erwartungen übertroffen hat. Mit 53 QB-Pressures steht er ligaweit auf Rang zwei.

Coach of the Year: John Harbaugh, Baltimore Ravens

Reich leistet fantastische Arbeit in Indianapolis, Payton hat die Saints mit Bridgewater zu fünf Siegen geführt - aber was Harbaugh in Baltimore macht, beeindruckt mich am meisten. Nicht nur, weil er Erfolg mit dieser Offense, die so komplett anders ist als alles andere in der NFL, hat, während gleichzeitig die Defense - das fällt gerne mal unter den Tisch - einen heftigen Aderlass in der Offseason hatte. Es ist auch die Tatsache, dass Harbaugh eine Eigenschaft zeigt, die Coaches in der NFL so oft vermissen lassen: Lernfähigkeit. Harbaugh hat sich offensiv für einen neuen Weg geöffnet, er hat sich bei seinem Coaching-Stil für neue Ideen, Analytics und äußere Einflüsse geöffnet und die Ravens ernten gerade die ersten Früchte davon.

Die Verfolger: Frank Reich, Colts; Sean Payton, Saints; Kyle Shanahan, 49ers.

Weitere Gedanken: Reich verdient massiven Respekt für die Art und Weise, wie nicht nur die Offense, sondern das ganze Team nach dem absoluten Super-GAU um Andrew Luck kurz vor Saisonstart funktioniert. Payton hat ohne Brees fantastische Arbeit geleistet und führt auch dieses Jahr wieder eine der vielseitigsten Offenses aufs Feld. Stand heute würde ich mich bei keinem der drei Kandidaten beschweren.

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