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NFL

Kamara, Kelce, Kittle: Matchupwaffen - so gewinnen Offenses in der NFL

Spieler wie Alvin Kamara und James White nehmen in modernen Offenses zentrale Rollen ein.

Der echte Tight End

Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass ein erfolgreiches Play Action Passspiel nicht von der Qualität des Run Games oder des Running Backs, sondern von der Qualität der Play-Designs und der Durchführung des Fakes abhängt, stellt sich natürlich eine zentrale Frage: Wie kann man Defenses bestmöglich mit einem angetäuschten Run in die Irre führen?

Die Rams waren letztes Jahr unfassbar effizient und erfolgreich damit, weil ihre Run- und Pass-Play-Designs sich extrem ähnlich sahen, und die Defense so auch nach Tape-Studie nie wusste, was sie erwartet. Es gab schlicht keine Anzeichen, die das Play im Vorfeld verraten hätten.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, wenn das eigene Run Game nicht dafür geeignet ist, so ideal mit dem Passspiel verknüpft zu werden wie das Outside Zone Run Game. Gewissermaßen eine Personifikation dafür ist der "echte" Tight End.

Gemeint ist ein Tight End, der sowohl ein guter Blocker als auch ein gefährlicher Receiver ist. Diese Kombination hat über Jahre Rob Gronkowski zum besten Tight End der Liga gemacht.

Den entscheidenden Patriots-Drive im Super Bowl hatten wir bereits bei den Fullbacks thematisiert, eines der kritischen Big Plays zu Gronk kam bei dieser Szene. Ein Play Action Pass, bei dem sich Gronk zunächst wie ein Blocker verhält, nachdem er sich von seinem Gegenspieler gelöst hat aber in eine Route übergeht. Wenn ein Tight End beides gut kann, ist das für Defenses unheimlich unangenehm zu verteidigen.

Sind zwei oder gar drei Tight Ends auf dem Feld, steigt in den allermeisten Formationen die Alarmbereitschaft der Defense für einen Run. Die Colts waren letztes Jahr extrem gefährlich, wenn sie drei Tight Ends gleichzeitig aufboten, genau wie die Cleveland Browns: Aus 13-Personnel (ein Running Back, drei Tight Ends) verzeichnete Baker Mayfield im Schnitt 11,1 Yards pro Pass; kein Team spielte mehr 13-Personnel als Cleveland.

Der Erfolg kommt aus 12-Personnel

Zwar spielte kein Team mehr 12-Personnel als die Houston Texans (35 Prozent ihrer Snaps), doch hatte Houston aufgrund seiner O-Line-Probleme häufig eher mehr Tight Ends auf dem Feld, um die Offensive Line im Blocking zu unterstützen. Die beiden Teams, die aus 12-Personnel vermutlich am flexibelsten und am schwersten ausrechenbar sind, sind die Kansas City Chiefs und die Philadelphia Eagles.

13 Touchdowns legte Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes vergangene Saison aus 12-Personnel auf, hier sehen wir ein Beispiel gegen die Denver Broncos.

Was passiert dabei? Beide Wide Receiver stehen auf der rechten Seite der Formation, was hier gegen Denvers Coverage bereits für ein potenziell vorteilhaftes Matchup sorgt: Outside Receiver Sammy Watkins steht nach dem Snap gegen einen Safety.

Spannend ist aber vor allem die andere Seite der Formation. Kansas City hat hier beide Tight Ends und den Running Back postiert, und alle drei laufen auch Routes, was unweigerlich zu Mismatches führt. Denver ist zwar clever genug, seinen Nummer-2-Cornerback Bradley Robey mit Safety-Hilfe dahinter auf Kelce anzusetzen, der jedoch trotzdem den Touchdown erzielt.

Vor allem aber kreiert das Play-Design ein Eins-gegen-Eins für Running Back Kareem Hunt aus dem Backfield gegen einen Linebacker, sowie ein Matchup mit dem Linebacker für Nummer-2-TE Demetrius Harris. Beides gute Matchups aus Chiefs-Sicht.

Bei diesem Touchdown gegen die Raiders funktioniert es dann genau umgekehrt, zugunsten von Kelce. Kansas City kommt in 22-Personnel aufs Feld und stellt den Fullback an die Line of Scrimmage. Die Raiders reagieren auf diese enge Formation mit vielen Spielern in unmittelbarer Nähe zur Offensive Line. Das ermöglicht Kelce am unteren Bildrand ein Eins-gegen-Eins mit jeder Menge Platz.

Ein Tight End, der blocken und als Receiver Defensive Backs schlagen kann, ist von unschätzbarem Wert und es ist kein Zufall, dass Offenses in der vergangenen Saison im Passing Game aus 12-Personnel mehr Yards pro Pass auflegten (8,1) als aus allen anderen gängigen Personnel Groupings.

Während Kansas City nach dem Abgang von Harris in der Free Agency etwas anders auftreten könnte, scheinen in Philadelphia mit dem Duo Zach Ertz/Dallas Goedert die 2-Tight-End-Sets erst so richtig in Schwung zu kommen.

Dieser Touchdown gegen die Cowboys zeigt mustergültig eine Variante, wie man mit zwei Tight Ends Defenses im Passspiel attackieren kann.

Beide Tight Ends stehen eng an der Offensive Line, dementsprechend komprimiert ist auch die Defense und muss sich darauf vorbereiten, zusätzliche Run-Gaps verteidigen zu müssen.

Die vertikalen Routes, die beide Tight Ends dann laufen, haben zwei Effekte: Entweder werden Linebacker gezwungen, 20 Yards mit dem Tight End mitzuhalten, oder aber gegen eine Zone Coverage können die Seams, also die Bereiche zwischen den Coverage-Zones attackiert werden. Ertz gelingt hier ein fast geschenkter Touchdown.

NFL 2018: Die besten Tight Ends nach dem Catch

SpielerTargets (REC)YAC/RECReceiving-Yards
George Kittle, 49ers128 (88)9,91.377
Evan Engram, Giants63 (45)8,7577
Vance McDonald, Steelers67 (50)7,8610
David Njoku, Browns83 (56)5,6639
Travis Kelce, Chiefs139 (103)5,61.336
Jared Cook, Raiders (jetzt: Saints)99 (68)5,3896
Chris Herndon, Jets54 (39)4,8502
C.J. Uzomah, Bengals63 (43)4,7439
Jimmy Graham, Packers83 (55)4,7636

Aufgelistet sind die Tight Ends der vergangenen Saison mit den meisten Yards nach dem Catch pro Reception. Berücksichtigt sind Spieler erst ab 50 Targets. Zahlen stammen von "Pro Football Focus".

In der heutigen NFL sind Tight Ends häufig auch große Receiver, die davon profitieren, dass sie es so gut wie nie mit den besten Defensive Backs des Gegners zu tun bekommen. Einige Schemes stellen sie auch deshalb ganz gezielt in den Mittelpunkt verschiedener Play Designs, etwa die 49ers, bei denen George Kittles immense Athletik und Geschwindigkeit vor allem in den Play-Action-Designs extrem gut genutzt wird.

Gleichzeitig sehen wir in der heutigen NFL allerdings auch wieder mehr Teams, die Tight Ends flexibel einsetzen, um Matchups zu kreieren oder um bestimmte defensive Formationen und Aufstellungen zu provozieren. Denn darum geht es in der heutigen NFL - so gewinnt man offensiv.

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