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NBA - Cam Thomas startet in Brooklyn durch: Dieser Nets-Rookie hält sich für besser als Kevin Durant

Von Daniel Berchem
Cameron Thomas gilt als einer der größten Draft-Steals des 2021er-Jahrgangs.

Cam Thomas gilt als einer der größten Draft-Steals des 2021er-Jahrgangs und nahm bei den Nets in den vergangenen Wochen eine immer größere Rolle ein. Der Rookie sorgt mit seiner herausfordernden Art für Aufsehen und schreckt dabei vor niemandem zurück - nicht einmal vor Kevin Durant.

Im November lieferte Cam Thomas eine der unterhaltsamsten Pressekonferenzen der bisherigen NBA-Saison. Nachdem der Nets-Rookie gegen die Cleveland Cavaliers die bis dato beste Leistung seiner Karriere (11 Punkte in 15 Minuten) abgeliefert hatte, nahm er in der anschließenden Presserunde seinen Teamkollegen Kevin Durant verbal ins Visier.

"KD und ich liefern uns die ganze Zeit Trash Talk über unsere Scoring-Fähigkeiten. Ich sage, dass ich in meinem Alter ein besserer Scorer bin als er zu seiner Zeit - er sieht das anders. Wir spielen in den Shootarounds immer Eins-gegen-Eins, da schlage ich ihn. Aber erzählt ihm das bloß nicht", sagte der Nets-Guard und sorgte so für einige Lacher unter den Journalisten.

Durant nahm das Ganze mit Humor, seine Version der Geschichte wich jedoch etwas von Thomas' Erzählung ab. Die Aussagen des Youngsters seien frei erfunden, stellte KD klar. "Er hat heute 4 von 7 aus dem Feld geworfen und sich gut gefühlt, bestimmt haben ihm seine Kumpel auf Twitter geschrieben", kommentierte der Slim Reaper trocken.

Cam Thomas knackte Rekorde von Durant und Melo

Dieses Selbstvertrauen des 20-Jährigen kommt nicht von ungefähr. Seit frühester Kindheit weiß Cameron Bouchea Thomas, wie man das orangefarbene Leder durch das Nylon schweißt, schon mit fünf Jahren nahm er seinen ersten Basketball in die Hand und eiferte Kobe Bryant nach. Der Sport liegt in der Familie, auch die alleinerziehende Mutter Leslie spielte einst Basketball an der High School.

"Meine Mutter hat mir Disziplin beigebracht und eine starke Arbeitsmoral eingeflößt. Da sie beim Militär war, legte sie großen Wert auf Disziplin", erzählte Thomas gegenüber The Undefeated. Die Mutter übernahm das Training ihres Jungen höchstpersönlich und brachte ihm die Grundlagen bei: "Meine Mutter hat mir den Rücken gestärkt und mich auf das nächste Level gebracht, sie machte mich zu dem, der ich heute bin."

All die Stunden in den Trainingshallen zahlten sich aus, an der renommierten Talentschmiede Oak Hill Academy knackte Thomas den All-Time-Scoring-Rekord und überholte damit zukünftige NBA-Stars wie Carmelo Anthony oder auch seinen heutigen Teamkameraden Durant.

An der Louisiana State University machte Thomas genau da weiter, wo er an der High School aufgehört hatte. In seiner einzigen College-Saison legte der Guard 23 Punkte pro Spiel bei einer True-Shooting-Percentage von 55,3 Prozent auf. Als viertbester Scorer des Landes tauchte er schnell auf dem Radar der NBA-Scouts auf.

Cam Thomas: Ein sechster Sinn fürs Scoren

Im Vorfeld des Drafts wurde der LSU-Star als möglicher Erstrundenpick eingestuft, Scouts hoben besonders dessen unübersehbares Scoring-Talent hervor, kritisierten aber eine gewisse Eindimensionalität. Als Vergleich wurden Spieler wie Lou Williams, Jamal Crawford oder Seth Curry angeführt. Die Nets ließen sich nicht davon beirren und pickten ihn an 27. Stelle.

Dass Thomas die gnadenlose Mentalität eines Scorers besitzt, zeigte sich bereits in der Summer League. In Las Vegas ballerte er sich zum Co-MVP neben Davion Mitchell, in seinen vier Partien erzielte er im Schnitt 27 Punkte. Da wurden die ersten Stimmen laut, Brooklyn könnte sich mit Thomas den größten Steal des Drafts gesichert haben.

Thomas ist eine Scoring-Maschine, die von überall und zu jeder Zeit ein Spiel an sich reißen kann. Ein zertifizierter "Bucket Getter", der mit nur wenigen getroffenen Würfen heiß laufen und ein vollständiges Offensiv-Repertoire vorweisen kann, darunter ein ausgereiftes Midrange-Game, ein solider Distanzwurf sowie der nötige Zug zum Korb, um die Defense auf Trab zu halten.

Ein Paradebeispiel hierfür lieferte Thomas bei einer Partie in der G-League, in der er zu Saisonbeginn zweimal eingesetzt wurde, zwischen den Long Island Nets und den Raptors 905. Er explodierte für 46 Punkte, versenkte 17 seiner 32 Feldwurfversuche und steuerte zudem 7 Rebounds sowie 5 Assists bei.

Cam Thomas: Von der G-League zum Anführer der Bench-Unit

Bei den "richtigen" Nets kam Thomas in den ersten Saisonwochen meist nur in der Garbage Time zum Einsatz - nicht ungewöhnlich für einen Rookie bei einem Contender. "Glückliche" Umstände spülten Thomas in die Rotation: da wären Kyries Impfstatus, die Verletzung von Joe Harris und natürlich zuletzt die Corona-Ausbrüche im Team, die bis zu zehn Spieler außer Gefecht setzten.

Thomas nutzte diese Chance, seit Harris' Verletzung kommt er auf durchschnittlich 22,1 Spielminuten, legt hierbei 9,6 Punkte auf (44,5 Prozent FG) und ist ein wichtiger Bestandteil von Brooklyns zweiter Garde. Er punktete von der Bank des Öfteren im zweistelligen Bereich, im neuen Jahr knackte der Guard bereits dreimal die 20-Punkte-Marke.

Zuletzt sah Thomas auch zunehmend mehr Minuten in der Crunchtime, der Nets-Youngster schreckt gewiss nicht vor großen Momenten zurück. Bestes Beispiel: Im Heimspiel gegen die San Antonio Spurs versenkte er 1,4 Sekunden vor Schluss den Gamewinner per Floater, zuvor hatte Durant den Ball aus dem Double-Team abgespielt - ein echter Vertrauensbeweis. "Ich habe das Tempo rausgenommen und gesehen, dass Cam frei ist, er hat seine Brillanz gezeigt, diesen schweren Runner zu treffen", sagte KD nach der Partie.

"Es ist verrückt, Teil eines Teams mit so vielen herausragenden Spielern zu sein", freute sich Thomas. "Im Grunde sind es Legenden des Sports. Die Tatsache, dass sie mir in einem solchen Spiel den entscheidenden Wurf zutrauen, ist fast schon surreal. Aber darauf möchte ich aufbauen." Auch ein Team voller Superstars ist schließlich auf seine Rollenspieler angewiesen, Thomas hat mit diesem Clutch-Play bewiesen, dass sich Durant und Co. auf ihn verlassen können.

Cam Thomas: Lobeshymnen von zukünftigen Hall of Famern

Im Backcourt der Nets herrscht ein harter Konkurrenzkampf, zumal Kyrie Irving bei den Auswärtsspielen nun wieder zum Einsatz kommt. Sollte sich die personelle Lage in Brooklyn wieder etwas entspannen, werden die Minuten von Thomas aller Voraussicht nach zurückgehen. Dennoch hat er bereits jetzt einen bleibenden Eindruck bei seinen Superstar-Teamkollegen hinterlassen.

"Er hat dieses Selbstvertrauen. Er ist ein geborener Scorer. Er ist immer bereit zu punkten", erzählte Harden, der gemeinsam mit KD den Rookie unter seine Fittiche genommen hat. Auch von Durant gab es ein Sonderlob: "Ich liebe es, an der Seite von Cam zu spielen. Er fordert mich als Veteran heraus, seine Energie ist großartig."

Nur den Trashtalk, den lässt KD noch nicht auf sich sitzen. Dies bekamen die Detroit Pistons zu spüren, als der MVP von 2014 ihnen satte 51 Punkte einschenkte. Nach der Partie klatschte er mit dem Rookie ab und konnte sich die Worte "That's light for me" nicht verkneifen - eine kleine Erinnerung daran, dass Durant immer noch der Lehrer und Thomas der Schüler ist.

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