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NBA - Wie passt Dennis Schröder zu den Boston Celtics? Letzte Hoffnung Symbiose

Dennis Schröder hofft, mit guten Leistungen bei den Celtics seinen Marktwert steigern zu können.

Für Dennis Schröder war die Free Agency eine Enttäuschung, seinen neuen Vertrag hat er sich sicherlich ganz anders vorgestellt. Bei den Boston Celtics findet er dennoch eine vielversprechende Situation vor, die das Potenzial für eine am Ende profitable Symbiose mit sich bringt.

"Du musst erst durch die Sch*** gehen, um zu dem guten Zeug zu kommen."

Fast schon philosophisch anmutend fasste Dennis Schröder Anfang Juni das nicht nur aus seiner Sicht viel zu frühe Saisonaus der Lakers in der ersten Playoff-Runde zusammen. Dass er dieses Zitat gut zwei Monate später noch einmal in leicht abgewandelter Form auf seine Free Agency anwenden könnte, damit hatte der 27-Jährige ganz sicher nicht gerechnet.

Mehr als 84 Millionen Dollar über vier Jahre waren das Ziel auf der Suche nach einem neuen Kontrakt, 5,9 Mio. für ein Jahr sind es geworden. Schröder hat sich auf dem freien Markt verzockt, die vergangenen Tage dürften sich für den Braunschweiger durchaus so angefühlt haben, wie er die Niederlage gegen die Suns im ersten Teil seines Zitats beschrieb.

Schröder hat mit der abgelehnten vorzeitigen Vertragsverlängerung bei den Lakers vergangene Saison auf sich gewettet und verloren. Nun wettet er erneut auf sich. In Boston findet er auf dem Papier immerhin eine gute Ausgangslage vor, um das "gute Zeug", in seinem Fall den Zahltag, doch noch zu erreichen - wenn auch mit einem Jahr Verspätung.

Boston Celtics: Dennis Schröder füllt eine Lücke

Aus Celtics-Sicht ergibt diese Verpflichtung vorne wie hinten Sinn. Schröder ist ein Steal, sein sportlicher Wert auf dem Court liegt deutlich höher, als es sein Gehaltsscheck ausdrückt. Und er füllt eine Lücke, die der Trade von Kemba Walker im Kader hinterlassen hatte.

Der Backcourt der Kelten strotzte bisher nicht vor Tiefe, insbesondere ein zusätzlicher Playmaker und Scorer, der Last von den Schultern der beiden Stars Jayson Tatum und Jaylen Brown nehmen kann, wurde dringend benötigt. Schröder hat das Potenzial, genau diese Rolle auf einem überdurchschnittlichen Level zu übernehmen.

Der Point Guard bringt Dynamik und Tempo mit, was Boston in der vergangenen Saison mit dem von Verletzungen geplagten Kemba abging. Mit dem Ball in der Hand kann er Druck auf den gegnerischen Korb ausüben, vergangene Saison setzte er im Lakers-Trikot laut nba.com/stats 13,3-mal zum Drive an - öfter als alle Spieler der Celtics. Aus diesen Attacken kann er entweder selbst scoren oder Würfe für die Kollegen kreieren.

Den Eindruck, der aus den finalen Spielen der Playoffs hängenblieb, sollte man dabei nicht auf den kompletten Spieler Dennis Schröder übertragen. Auch wenn er in L.A. nie das Niveau der Vorsaison erreichte, spielte er doch über weite Strecken eine solide Saison.

Schröder bei den Celtics: Shooting bleibt ein Fragezeichen

Fragezeichen gibt es aber dennoch, zum Beispiel beim Dreier. Nach einer starken Quote von 38,5 Prozent aus der Distanz in Oklahoma City orientierte er sich in Hollywood fast eins zu eins an seinem Karriereschnitt von 33,7 Prozent. War das eine Thunder-Jahr womöglich nur ein Ausreißer?

Sollte DS17 seinen Dreier auch in Boston nicht wiederfinden, fehlt es dem Backcourt um ihn, Marcus Smart und Josh Richardson an Shooting. Dies ließe sich mit einem Stretch Big a la Al Horford zu einem gewissen Grad ausgleichen, zudem muss Head Coach Ime Udoka ja auch nicht zwingend immer zwei der genannten Guards zur selben Zeit aufs Feld schicken.

Die Celtics sollten sehr flexible Lineups aufstellen können. Mal etwas größer mit einem Point Guard an der Seite von Brown und Tatum und dazu zwei Bigs wie Horford und Robert Williams. Mal etwas kleiner mit nur einem Big und dazu Schröder beziehungsweise Smart plus ein zusätzlicher Shooter in Person von Payton Pritchard oder Aaron Nesmith.

Vor der Schröder-Verpflichtung war von Udoka zu hören, dass er mehr Playmaking-Verantwortung in die Hände von Smart legen und ihn auf der Eins starten lassen möchte. Ob es auch nach dem Signing von Schröder dabei bleibt, ist offen. Der Deutsche soll aber in dem Wissen unterschrieben haben, keine Starter-Rolle erwarten zu dürfen.

NBA: Die Statistiken von Dennis Schröder in den vergangenen vier Saisons

SaisonTeamG / MINPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
2017/18ATL67 / 31,019,43,16,243,629,0
2018/19OKC79 / 29,315,53,64,141,434,1
2019/20OKC65 / 30,818,93,64,046,938,5
2020/21LAL61 / 32,115,43,55,843,733,5
KARRIERE 557 / 26,214,32,94,743,633,7

Dennis Schröder: Zurück zum Sixth Man

Als Sixth Man, der die Offense in der Second Unit trägt, hatte er bei OKC bisher ohnehin den größten Erfolg. Die Bank der Celtics verzeichnete vergangene Saison die drittwenigsten Zähler, zusätzliches Scoring von der Reserve würde Boston also gut zu Gesicht stehen.

In OKC ballerte er sich in eben dieser Rolle wie auch in gemeinsamen Minuten mit zwei weiteren starken Ballhandlern (als Teil des gefürchteten 3-Guard-Lineups mit Chris Paul und Shai Gilgeous-Alexander) in die Konversation um den Award als Sixth Man of the Year. Ist Schröder bereit, seinen Starter-Anspruch aufzugeben, wonach es aussieht, könnte er von der Bank wichtige Produktion liefern.

In dieser Rolle hat er Erfahrung, auch kein zu unterschätzender Faktor in einem insgesamt relativ jungen Team. "Wir wollten ein paar mehr Veteranen im Mix haben. Es hat schon geholfen, Al zurückzuholen, er wird von jedem respektiert. Wir wollen noch mehr Veteranen holen, die unsere jungen Spieler ergänzen", sagte Coach Udoka am Dienstag, womöglich bereits mit einem Auge auf Schröder gerichtet.

Dennis Schröder in Boston: Profitabel für beide Seiten?

Finanziell gesehen gehen die Celtics mit diesem Deal so gut wie kein Risiko ein. Für den Preis von 5,9 Millionen Dollar liefert Schröder deutlich mehr, als er kostet. Selbst, wenn er nicht an das OKC-Niveau anknüpft.

Zwar ging Boston dadurch leicht über die Luxussteuergrenze, doch das ließe sich durch kleinere Trades schnell wieder ausbügeln. Laut Bleacher Report sollen Kris Dunn und Bruno Fernando, die erst im Tristan-Thompson-Deal kamen, zu haben sein. Celtics-Präsident Brad Stevens war es in erster Linie wichtig, finanzielle Flexibilität zu wahren.

Aus diesem Grund legten sie dem Deutschen nicht die volle Midlevel-Exception (9,5 Mio.) auf den Tisch, dies hätte zu einem Hard Cap geführt, was zusätzliche Verstärkung während der Saison oder einen Trade für einen möglicherweise verfügbar werdenden Star schwierig gemacht hätte. Gleichzeitig bleiben die Celtics flexibel für den Sommer 2022, wenn Schröders Vertrag wieder ausläuft.

Vermutlich sind Boston und Schröder keine langjährige Ehe eingegangen, doch danach hat auch keine der Parteien zu diesem Zeitpunkt in der Free Agency gesucht. Der Deal mit kurzer Laufzeit in einem ambitionierten Team war für Schröder wohl die beste Option, die ihm nach gut einer Woche Free Agency auf dem ausgedünnten Markt blieb.

So könnten am Ende beide Seiten von dem Deal profitieren. Die Celtics bekommen ein Kaderupgrade zum kleinen Preis. Der Deutsche kann mit wichtigen Minuten bei einem Playoff-Anwärter Argumente für einen Zahltag 2022 sammeln.

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