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NBA - Indiana Pacers werden moderner: Ein Hauch von Raptors 2019

Domantas Sabonis bestätigt bislang seine starke Saison.

Die Indiana Pacers gingen als kleine Wundertüte in die Saison. Zwar hatten sie Konstanz im Kader, aber eben auch viele Fragezeichen. Unter dem neuen Coach Nate Bjorkgren wirken die Pacers aber wie verwandelt, mit gleichem Personal wird völlig anderer Basketball gespielt. Kann Indiana so in diesem Jahr die großen Favoriten endlich ärgern?

Vor der Saison waren sich die meisten Experten einig: Es gibt sieben gute Teams im Osten. Als letzte Mannschaft dieses Septetts sahen viele die Indiana Pacers. Allerdings herrschten im Mittleren Westen viele Fragezeichen vor. Was war von den geplatzten Vertragsverhandlungen mit Victor Oladipo zu halten, der angeblich andere Spieler in der Liga fragte, ob er sich ihnen anschließen könne?

Zudem war da die etwas überraschende Entlassung von Coach Nate McMillan, der die Pacers zwar viermal in Folge in die Playoffs führte, dort aber jeweils (deftige) Pleiten hinnehmen musste. Noch in der Bubble in Orlando hatte Indiana den Vertrag mit dem Coach verlängert, gut zwei Wochen später war er nach dem Erstrunden-Sweep gegen Miami seinen Job los.

Und zu guter Letzt stand die seit Jahren schwelende Frage im Raum, ob ein Frontcourt bestehend aus Domantas Sabonis und Myles Turner wirklich funktionieren könne. In den Playoffs fehlte Sabonis, der 2019/20 erstmals All-Star wurde. In der Offseason wäre Turner dann beinahe nach Boston für Gordon Hayward getradet worden, aus dem Lager der Celtics war jedoch zu hören, man habe kein Interesse am Big Man.

Indiana Pacers werden moderner

Mit all diesen Brandherden ging Rookie-Coach Nate Bjorkgren in die neue Spielzeit und nach den ersten 13 Partien darf den Pacers ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt werden. Mit einer Bilanz von 8-5 mischen die Pacers mal wieder oben mit, dazu kommen gute Siege gegen Boston, in Golden State und in Portland.

Was jedoch noch mehr Mut macht, ist die Art und Weise, wie Bjorkgren ein fast identisches Team im Vergleich zum Vorjahr umgekrempelt hat. Damit wir uns nicht falsch verstehen - aus Indiana ist über Nacht kein anderes Team geworden, doch Bjorkgren hat dafür gesorgt, dass die Pacers weniger aus der Mitteldistanz werfen und etwas mehr Dreier nehmen.

Vergangene Spielzeit waren die Pacers noch Letzter bei den versuchten Dreiern. Nur 31 Prozent der Würfe kamen von Downtown, nun sind es immerhin bereits 37 Prozent (Platz 21). Die ineffizienten Mitteldistanzwürfe wurden hingegen halbiert (von 17,3 auf 8,5 Prozent), nur noch vier Teams nehmen aus diesem Bereich weniger Versuche. Das ist beachtlich, schließlich waren die Pacers 2019/20 nach San Antonio die Mitteldistanz-Könige.

Indiana Pacers: Neuer Coach, neues System

Ein gutes Beispiel für diesen Trend ist Doug McDermott. Der Forward ist vor allem wegen seines Wurfs in der NBA und nahm vergangene Spielzeit 61 Würfe, also knapp einen pro Spiel, aus der Mitteldistanz, was auch damit zusammenhing, dass McDermott nach dem gestellten Block aus der Bewegung in Richtung Zone zog. Dort ist er aber aufgrund mangelnder Athletik ein eher mittelmäßiger Finisher, also drückte er lieber wie in diesem Beispiel aus der Mitteldistanz ab.

In dieser Saison steht McDermott dagegen bei gerade einmal zwei Versuchen aus diesem inzwischen verpönten Bereich. Hier ein Beispiel aus dem Spiel gegen Boston. Der Spielzug ist beinahe identisch, der Laufweg beziehungsweise die Intension des Schützen aber so verändert, dass er schon Sekunden vorher weiß, dass er aus der Distanz abdrücken wird.

Solche Dinge sind vermutlich Coaching, daraus machen auch die Spieler keinen Hehl. Es ist schon auffällig wie oft die Strategie von Bjorkgren von den Akteuren in den Vordergrund gestellt wird. "Er bringt uns alle in Positionen, damit wir besser spielen und unsere Stärken zeigen können", sagte zum Beispiel Malcolm Brogdon, der bisher auf All-Star-Niveau agiert.

Indiana Pacers: Das Tandem Sabonis/Turner funktioniert

"Der Coach hat jede Menge Vertrauen in mich", erklärte Turner, der wegen einer Handverletzung noch ein paar Tage fehlen wird, nach dem Sieg in New Orleans vor knapp zwei Wochen. "Ich weiß, was ich kann, aber ich habe erst jetzt die Chance dazu bekommen, es zu zeigen." Turners Wurfversuche sind interessanterweise aber zurückgegangen, er nimmt fast ausschließlich Dreier und Versuche in Ringnähe und nicht mehr die teils furchtbar anzusehenden Pick-and-Pop-Zweier.

So sollte es auch sein, wenn Indiana mit der Combo aus Sabonis und Turner Erfolg haben möchte. Das Duo spielt nun im Schnitt rund vier Minuten länger pro Partie zusammen (insgesamt rund 23), auf 100 Ballbesitze hochgerechnet erzielen die Pacers wie schon im Vorjahr rund 2,5 Punkte mehr als der Gegner. Die Rollen sind aber deutlich austarierter.

Sabonis ist derjenige, der initiiert, sei es von der Dreierlinie oder vermehrt aus dem Post, wo der 24-Jährige zu den besseren Spielern der Liga gehört. Turner fokussiert sich stattdessen vermehrt auf die Verteidigung und ist bisher ein ernsthafter Anwärter auf den Award des Defensive Player of the Year. 4,2 Blocks pro Partie über eine Saison gab es zuletzt Mitte der Neunziger von Dikembe Mutombo, den Bestwert in den vergangenen zehn Jahren hielt bisher Hassan Whiteside (2015/16, 3,68 Blocks).

Im Gegensatz zum heutigen Kings-Center jagt Turner aber weniger die Blocks, stattdessen sind sie das Ergebnis von gutem Positionsspiel und seriöser Verteidigung. Gegnerische Spieler treffen am Ring gegen Turner nur 54 Prozent, ein Joel Embiid lässt zum Vergleich 56,7 Prozent zu. Das Ergebnis ist einmal mehr eine Top-10-Defense in der NBA.

Indiana Pacers: Die Statistiken der wichtigsten Spieler

NameMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssistsBlocks
Domantas Sabonis37,521,755,231,012,85,80,5
Malcolm Brogdon36,622,246,843,34,07,50,2
Myles Turner31,612,447,028,36,81,14,2

Indiana Pacers: Victor Oladipo wurde nicht mehr gebraucht

Allerdings ist der Ansatz ein anderer als in den vergangenen Jahren. Während unter McMillan noch sehr klassisch verteidigt wurde (viel Drop, keine Switches), wechselt Bjorkgren, wie man es von den Raptors gewohnt war, das System mehrfach innerhalb von Partien. Switches, Zonen, Box-and-One (zum Beispiel gegen Stephen Curry oder Jayson Tatum), die Pacers präsentierten sich erstaunlich variabel trotz der kurzen Eingewöhnungszeit.

Aber auch offensiv kratzt Indiana am oberen Liga-Drittel, vornehmlich weil kein Team in der Zone so dominant auftritt wie die Pacers. Da ist Sabonis zu nennen, aber eben auch Brogdon, der unter Beweis stellt, dass seine vergangene Spielzeit kein Zufallsprodukt war. Mit 22,2 Punkten, 7,5 Assists und einer Dreierquote von 43,3 Prozent ist sein Volumen nicht nur hoch, der Point Guard kratzt auch wieder an der Effizienz alter Bucks-Tage.

Das werden die Pacers nun auch brauchen, schließlich gaben sie im Zuge des Harden-Trades Oladipo ab. Der Shooting Guard agierte zwar im Vergleich zur Bubble deutlich besser, doch langfristig gesehen spielte er bei den Pacers keine Rolle mehr. Es war ein kleiner Coup, dass man den kommenden Free Agent mit Caris LeVert ersetzen konnte, der noch bis 2023 für einen fairen Deal spielt (im Schnitt 17,5 Millionen Dollar jährlich).

Das große Aber ist jedoch dessen Gesundheit. LeVert brach sich bereits auf dem College dreimal den Fuß und auch in der NBA zog sich der heute 26-Jährige eine schwere Fußfraktur zu. Beim Medizincheck wurde zudem an der Niere eine kleine Beule entdeckt, LeVert gab an, dass es nicht klar ist, ob es sich dabei um einen Tumor oder Krebs handeln könnte.

Indiana Pacers: LeVert und Warren fehlen noch

So war der Trade für den Shooting Guard Glück im Unglück, in Brooklyn war dies nicht bemerkt worden, stattdessen spulte LeVert ganz normal sein Programm ab. Wann Bjorkgren erstmals seinen Neuzugang einsetzen kann, steht noch nicht fest.

Etwas anders verhält es sich mit T.J. Warren, der Entdeckung der Pacers in der Bubble. In Abwesenheit von Sabonis explodierte der Forward unter anderem mit 53 Punkten gegen Philadelphia. Nach vier Partien in der neuen Spielzeit wurde jedoch eine Fraktur im Kahnbein festgestellt, Warren dürfte wohl erst in der zweiten Saisonhälfte zum Team stoßen.

Trotz des guten Starts läuft also noch nicht alles rund in Indianapolis, zumindest wurden die Pacers bisher von Coronafällen im Team verschont, was in dieser Saison ein großer Pluspunkt ist. Sind dann auch noch alle fit, müssen die Pacers auch im Hinblick auf die Playoffs ernst genommen werden. Es fehlt zwar seit dem Trade von Paul George 2017 ein echter Superstar, in Sachen Balance hat die Franchise anderen Teams aber einiges voraus.

Ob es diesmal für mehr als nur die erste Runde reicht? Das ist schwer zu sagen, schließlich haben auch Teams wie Milwaukee, Brooklyn, Philadelphia oder Boston hohe Ansprüche. Viel wichtiger ist, dass bei den Pacers eine Entwicklung beziehungsweise eine Evolution des Teams zu erkennen ist. Ein Umstand, den es unter McMillan so wohl nicht gegeben hätte.

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