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NBA - Erst Franchise-Retter, dann Bauernopfer: Wie Blake Griffin die L.A. Clippers doppelt transformierte

Blake Griffin transformierte die L.A. Clippers in eine respektable Franchise.

Heute vor drei Jahren verscherbelten die L.A. Clippers in einem überraschenden Blockbuster-Trade ihren Franchise-Retter Blake Griffin. Der Deal machte sich bezahlt, innerhalb von wenigen Jahren formte das Front Office um Kawhi Leonard und Paul George einen neuen Titelanwärter. Griffin legte für diese Transformation der ehemaligen Lachnummer der Liga den Grundstein - den Erfolg heimsen nun aber andere ein.

Die Clippers scheuten in der Free Agency 2017 weder Kosten noch Mühen, um ihren damalige Franchise-Star zu beeindrucken. Sie errichteten ein Labyrinth im Staples Center, provisorisch aufgestellte Wände, im Stile einer Kunstgalerie, geschmückt mit Kindheitserinnerungen, Szenen aus dem College und natürlich den schönsten Bildern von Blake Griffin im Clippers-Trikot.

Nachdem sich der damals 28-jährige Free Agent durch dieses Labyrinth durchgekämpft hatte, stand er im Innenraum der Arena, wie Zach Lowe (ESPN) wenige Monate später die Szenerie beschrieb. Das Licht wurde gedämpft, aus den Lautsprechern schallten Fangesänge. Der Stadionsprecher kündigte die Ehrung eines "lifelong Clipper" an. Dann zogen die Team-Mitarbeiter das Trikot mit Griffins Nummer 32 unter die Hallendecke.

Nur symbolisch natürlich, doch der Big Man muss begeistert gewesen sein. Ob nun die gefakte Jersey-Retirement-Zeremonie, die eigens designten T-Shirts mit Griffins Konterfei auf einer Stufe mit Muhammad Ali, Abraham Lincoln oder Albert Einstein oder doch die fachspezifischen Diskussionen über die Clippers-Zukunft den Ausschlag für Griffins Vertragsverlängerung gegeben haben, ist nicht bekannt.

Fakt ist aber, dass der sechsmalige All-Star kurz nach dem Spektakel im Staples Center seine Unterschrift unter einen neuen Fünfjahresvertrag für 171,2 Millionen Dollar setzte. Es ebnete seinen Weg als "Clipper for life". Doch dieser Weg fand genau 212 Tage später ein abruptes Ende.

Clippers traden Blake Griffin: Loyalität? Fehlanzeige

Am 29. Januar 2018 brachte ein Trade die NBA-Welt wie aus dem Nichts zum Beben. Los Angeles verschiffte völlig überraschend seinen Franchise-Star im Tausch für Tobias Harris, Avery Bradley, Boban Marjanovic, einen 2018er Erstrundenpick sowie einen 2019er Zweitrundenpick in die Motor City.

Selbst Griffin war von diesem Deal "geschockt", wie er später zugab. Die Anrufe von Coach Doc Rivers oder Besitzer Steve Ballmer nahm er nicht entgegen, mit den Clippers-Verantwortlichen wechselte er monatelang kein Wort.

Er, der Retter der Clippers-Franchise, wurde von seinem eigenen Team verscherbelt. Der Fanliebling. Der Mann, der die Zukunft des Teams prägen sollte. Es entstand eine Debatte über fehlende Loyalität in der NBA, selbst LeBron James schaltete sich ein: "Das ist bedauerlich. Wenn ein Spieler getradet wird, dann heißt es, das Team hat gemacht, was das Beste für die Franchise ist. Wenn ein Spieler das Team verlässt, wird er als illoyal oder als Schlange bezeichnet."

Aus heutiger Sicht muss jedoch tatsächlich festgehalten werden, dass die Entscheidung der Clippers die beste für das Wohl der Organisation war. Im Business Basketball fällt die moralische Komponente eben schnell in den Hintergrund.

Clippers-Transformation: "Blake ist für all das verantwortlich"

Dass Griffin einen enormen Einfluss auf die Clippers hatte, steht außer Frage. Vor seiner Ankunft als Nr.1-Pick im Draft 2009 war das "andere Team aus L.A." als Lachnummer verschrien, verfolgt von chronischer Erfolgslosigkeit, gezeichnet von einem der schlechtesten Besitzer aller Zeiten, Donald Sterling, der später nach rassistischen Äußerungen aus der Liga gejagt wurde.

"Ich glaube wirklich, dass die Geschichte der Clippers in 'vor Blake' und 'nach Blake' unterteilt werden muss", erklärte Doc Rivers, der langjährige Head Coach des Teams, kurz nach dem Trade. "Bevor Blake kam, war das keine tolle Basketball-Franchise. Aber als Blake eintraf, gefolgt von Chris Paul, DeAndre Jordan und all den Jungs - dann wurde auf einmal wieder über die Clippers gesprochen. Blake ist für all das verantwortlich."

Griffin zauberte den gebeutelten Fans mit seiner spektakulären Art Basketball zu spielen endlich wieder ein Lächeln ins Gesicht. Seine Highlight-Dunks und seine Treue machten ihn zum Fanliebling, bis heute genießt er ein hohes Ansehen unter den Clippers-Anhängern. Der Rookie of the Year 2011 machte sein Team respektabel, ohne ihn hätte CP3 niemals auch nur einen Gedanken daran verschwendet, seinen Trade zu den Clippers 2011 abzusegnen.

Der Deal leitete die Geburtsstunde von Lob City ein, die Lachnummer reifte zum Team mit Playoff-Abo. Doch die hohen Erwartungen konnte das Trio nie erfüllen. Der Kollaps in der zweiten Runde 2015 gegen die Rockets nach 3-1-Führung hängt den Beteiligten bis heute nach. Nach zwei weiteren Erstrunden-Pleiten fädelte Paul schließlich seinen Abschied in Richtung Houston ein. Und Griffin sollte wieder das Zepter übernehmen.

Griffin-Trade: Der Stein des Anstoßes zum Clippers-Umbruch

Vier Jahre später ist davon nichts mehr übrig, der Griffin-Trade war nur der Stein des Anstoßes eines weitreichenden Umbruchs. Bereits zwei Jahre später trug kein Mitglied der Lob-City-Ära mehr ein Clippers-Trikot. Griffin war das prominente Bauernopfer, das dem Team die Möglichkeit gab, im Sommer 2019 Kawhi Leonard und Paul George an Land zu ziehen.

Schon im Dezember 2017 wich der Optimismus im Clippers-Lager ersten Zweifeln, ob Griffin als "Clipper for life" wirklich der Garant für eine vielversprechende Zukunft ist. Nach zwischenzeitlich neun Pleiten in Folge krebste L.A. mit einer negativen Bilanz durch die Liga. Eine Verletzung im linken Knie - dasselbe, das ihn schon zu einer einjährigen Auszeit in seiner Rookie-Saison zwang - ließ ernsthafte Sorgen aufkommen, ob Griffin dem lukrativen Zahltag auf lange Sicht gerecht werden kann.

So kamen die verzweifelten Pistons, die ihrerseits auf der Suche nach einem neuen Hoffnungsträger waren, gerade recht. Die beiden Pistons-Picks nutzte L.A. schließlich, um sich im Draft Shai Gilgeous-Alexander zu angeln. Harris münzte das Front Office ein Jahr später in unter anderem Miamis 2021er Erstrundenpick um. Beides waren neben den eigenen Picks wichtige Bestandteile im Trade für PG-13 im Sommer 2019, der schließlich die Unterschrift von Free Agent Leonard unter Dach und Fach brachte.

Letzteres war nur möglich, da L.A. Griffins Vertrag loswurde und in Folge der verschiedenen Deals eine Menge Cap Space zur Verfügung hatte. Der Griffin-Trade war also der Ausgangspunkt einer Reihe weiterer Moves, die die Clippers auf links drehten und eine neue Macht im Westen formten.

Blake Griffin: Seine Statistiken für die Clippers und seit dem Trade

TeanSaisonG / MINPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Clippers2010 - 2018504 / 35,121,69,34,251,231,6
Pistons2017/1825 / 33,219,86,66,243,334,8
Pistons2018/1975 / 35,024,57,55,446,236,2
Pistons2019/2018 / 28,415,54,73,335,224,3
Pistons2020/2114 / 32,313,15,94,138,934,4

Blake Griffin: Keine Lorbeeren für Clippers-Transformation

Und Griffin? Der ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst. 2018/19, in seiner ersten vollen Saison im Pistons-Trikot, führte er Detroit auf All-NBA-Niveau (er wurde ins Third-Team gewählt und erstmals seit vier Jahren wieder All-Star) noch ins gelobte Land der Playoffs. Nicht mehr unbedingt als Dunk-Maschine, aber als gereifter Basketball-Spieler mit über die Jahre deutlich verbessertem Ballhandling und einem respektablen Dreier.

Doch wieder war es das Knie, das ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Die Erstrunden-Serie gegen die Milwaukee Bucks verpasste Griffin zur Hälfte, in der anderen Hälfte war er angeschlagen. Die Bucks machten per Sweep kurzen Prozess. 2019/20 absolvierte der Big nur 18 Partien vor der nächsten Operation.

Pünktlich zur neuen Spielzeit war zu hören, dass der heute 31-Jährige in guter körperlicher Verfassung sei. Die Pistons hofften, dass sich Griffin mit guten Leistungen anbieten könne, um auf dem Trade-Markt neues Material für den Rebuild zu sammeln. Stattdessen legt er aber einen Karrieretiefstwert bei den Punkten (13,1) und eine Feldwurfquote von 38,9 Prozent auf - und besitzt eine Spieleroption in Höhe von 39 Mio. Dollar für die kommende Saison.

Seine Explosivität, selbst um sich Platz für einen Abschluss zu erarbeiten, ist nach den zahlreichen Knie-OPs dahin. In der laufenden Saison hat er noch keinen einzigen Dunk auf dem Konto. Der Blake Griffin, der den Begriff "mozgoved" populär machte und in Dunk Contests über Autos sprang, ist nur noch eine blasse Erinnerung.

Auch bei den Clippers. Dort sind nun Kawhi und George die neuen, gefeierten Gesichter, auch wenn die Verantwortlichen bemüht bleiben, Griffins Verdienste zu würdigen. "Blake ist einer der größten Clippers-Spieler aller Zeiten", sagte Teampräsident Lawrence Frank 2019 gegenüber The Athletic."Er ist der Grund für die Transformation dieser Franchise." Und das gleich im doppelten Sinne. Die Lorbeeren in Form einer Clippers-Championship wird Blake Griffin aber wohl niemals ernten.

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