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NBA - Aufstieg und Fall von Gilbert Arenas: Eine Achterbahnfahrt voller Superlative

Gilbert Arenas wurde in seiner Karriere dreimal als All-Star ausgezeichnet, bevor der tiefe Fall begann.

Heute feiert Gilbert Arenas seinen 39. Geburtstag. Der ehemalige Wizards-Star legte eine beispiellose Karriere hin, die von verrückten Wendungen geprägt war. Am Ende sabotierte Arenas sich zu oft selbst, trotzdem gilt er als einer der Prototypen für den NBA-Guard der Neuzeit.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im November 2020. Alle weiteren Geschichten zu den Legenden der NBA gibt es hier in unserem Archiv!

Vielbeachtet geht anders. Es waren keine großen Fanfaren, die das NBA-Debüt von Gilbert Arenas begleiteten, im SportsCenter liefen vorher keine Specials oder Talk-Formate wie beispielsweise bei LeBron James' Debüt zwei Jahre später. Kein Wunder: Arenas war bloß ein Zweitrundenpick, in den ersten drei Spielen der Saison setzten die Golden State Warriors ihn gar nicht ein.

Auch das Debüt selbst am 4. November 2001 verlief dann sehr ruhig. Das Spiel gegen die Portland Trail Blazers war bereits gewonnen, als Arenas 2:42 Minuten vor Schluss erstmals das Parkett betrat. Drei Würfe wurde er in dieser kurzen Einsatzzeit noch los, ein Treffer war aber nicht dabei.

Das Spiel war vermutlich die einzige Episode in der letztlich viel zu kurzen Karriere des Combo-Guards, die man als "unspektakulär" bezeichnen konnte. Arenas war an einer Revolution des Spiels beteiligt, wurde im Tarifvertrag der NBA verewigt, unterschrieb den vielleicht schlechtesten Vertrag dieses Jahrtausends - und wird heute doch vor allem mit einer einzigen Eskapade verbunden.

Die Achterbahnfahrt begann jedoch lange vor den Waffen, vor einem der größten Skandale der NBA-Geschichte.

Gilbert Arenas lebte von 400 Dollar im Monat

Arenas erlebte bereits einen verhexten Start in der NBA. Da er zu sehr Scorer und zu wenig Playmaker war, jedoch eher die Maße eines Point Guards hatte, rekrutierten ihn nicht viele Colleges trotz 34 Punkten im Schnitt an der High School. Er landete in Arizona und spielte dort zwei gute Jahre, ging 2001 also durchaus selbstbewusst in den NBA Draft.

Zu selbstbewusst. Arenas rechnete fest mit dem Zahltag eines Erstrundenpicks und nahm einen Kredit auf diesen vermeintlichen Vertrag auf, bevor er gedraftet wurde. "Ich habe eine Kette gekauft, und meinen Escalade mit fünf Fernsehern und einer Stereo-Anlage", sagte Arenas Jahre später zu Bleacher Report. Allein für diese beiden Anschaffungen gab er 100.000 Dollar aus.

Dann kam der Draft - und Arenas wurde an 31 gezogen, also in der zweiten Runde, ohne garantierten Vertrag. "Ich wurde so wütend, dass ich die Kette aus dem Fenster geschmissen habe. Sie war weg", blickte Arenas zurück. Er verdiente in Golden State fortan rund 330.000 Dollar im Jahr, dieses Geld war jedoch schon nahezu ausgegeben, als er in der Bay Area landete.

Arenas lebte fortan laut Eigenaussage mit einem monatlichen Budget von 400 Dollar, ernährte sich wenn möglich bei Team-Events und lebte weitaus sparsamer, als er wollte. "Es war schrecklich", so Arenas. Außerdem traf ihn die Nichtberücksichtigung im Draft: Die Trikotnummer 0 wählte er aus, weil ihm niemand eine NBA-Karriere zugetraut hatte.

Was ist die "Gilbert Arenas Rule"?

Dies bestrafte er schnell. Arenas hatte zwar ein unspektakuläres Debüt, spielte sich mit der Zeit aber bei den Warriors fest, startete als Rookie in 30 Spielen und kam immerhin auf 10,9 Punkte. Der Durchbruch folgte im Jahr danach, als er sich als Starting Point Guard etablierte, 18,3 Zähler und 6,3 Assists auflegte und prompt zum Most Improved Player gewählt wurde. Danach schrieb Arenas erstmals Geschichte.

Als Zweitrundenpick wurde er bereits nach zwei und nicht erst nach vier Jahren Restricted Free Agent. Die Warriors waren über dem Salary Cap, deswegen konnten sie nicht wie bei "normalen" Rookies mit jedem fremden Angebot gleichziehen. Erst später wurde diese Regel geändert, die "Gilbert Arenas Rule" ist bis heute Teil des Collective Bargaining Agreements.

Sie betraf Arenas selbst aber nicht mehr. Er wurde umworben, warf angeblich eine Münze, um sich zwischen den hereinflatternden Angeboten zu entscheiden. Die Wahl fiel auf die Washington Wizards, die ihm ein Angebot über 6 Jahre und 60 Millionen Dollar unterbreiteten. Von jetzt an hatte Arenas Geld für all seine extravaganten Hobbies.

Gilbert Arenas: 6.500 Dollar für ein Haifischbecken

Arenas sammelte nicht nur, so wie viele andere Spieler, beispielsweise Schuhe, er kaufte sich nicht nur teure Häuser und stattete sie mit allem möglichen Schnickschnack aus. Er liebte Glücksspiel, spazierte regelmäßig mit 20.000 Dollar in 5-Dollar-Noten in Casinos und spielte leidenschaftlich Karten mit massiven Einsätzen im Teamflugzeug (dazu später mehr).

Er sammelte auch Haie. In seiner Villa, die er in Virginia errichten ließ, fand sich nicht zuletzt ein riesiges Haifischbecken mit mehreren Prachtexemplaren, für das Arenas monatlich laut Washington Post-Informationen 6.500 Dollar allein für Futter und Pflege bezahlte. 400 Dollar im Monat? Zu seinen Hochzeiten gab Arenas angeblich allein 600 Dollar pro Woche für Alltagseinkäufe aus.

Gilbert Arenas als Prototyp für James Harden & Co.

Den Ruf als etwas eigener Typ verdiente sich Arenas somit schon früh - aber zunächst war "Hibachi", wie er sich selbst nannte, etwaige Kopfschmerzen mehr als wert. Von 2005 bis 2007 wurde er dreimal nacheinander All-Star, war 05/06 mit 29,3 Punkten der viertbeste Scorer der Liga und gewann beispielsweise im Dezember 2006 ein unglaubliches Scoring-Duell mit Kobe Bryant, in dem er 60 Punkte gegen die 45 des damals wohl besten Spielers der Liga auflegte. Seine 16 Punkte in der Overtime sind bis heute ein NBA-Rekord.

Arenas war ein Spielertyp, den es so vorher nicht gab: Er warf Dreier aus dem Dribbling und kam zeitweise nach Belieben zum Korb, als erster Spieler der NBA-Historie traf er in einer Saison 200 Dreier und 600 Freiwürfe und ebnete so den Weg für beispielsweise James Harden oder auch Stephen Curry, zumal er seinen Schaden als nomineller "Point Guard" anrichtete.

"Ich glaube, dass Gilbert Arenas hauptverantwortlich dafür war, dass sich das Image des Point Guards so rasant geändert hat", sagte sein ehemaliger Teamkollege Jason Richardson mal bei SPOX. "Er war vielleicht der erste Point Guard, der eigentlich wie ein Shooting Guard gespielt hat, dabei aber den Großteil der Zeit den Ball in der Hand hatte. Arenas hat den Basketball verändert."

Die (relevanten) NBA-Saisons von Gilbert Arenas

SaisonTeamSpielePunkteFG%3FG%Assists
01/02GSW4710,945,334,53,7
02/03GSW8218,343,134,86,3
03/04WAS5519,639,237,55
04/05WAS8025,543,136,55,1
05/06WAS8029,344,736,96,1
06/07WAS7428,441,835,16
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