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NBA

NBA Playoffs: Streiterei in der Celtics-Kabine? "Ich denke, wir haben uns verstanden"

Marcus Smart platzte nach dem Kollaps seines Teams in Spiel 2 der Kragen.

Bei den Boston Celtics sind nach der bitteren Niederlage in Spiel 2 der Eastern Conference Finals offenbar die Emotionen übergekocht und es kam zu Streitereien in der Kabine. Nach der 101:106-Pleite gegen die Miami Heat war der Frust jedoch verständlich - und könnte einen positiven Effekt haben. Hier geht es zu den Highlights der Partie.

Zum zweiten Mal nacheinander verspielten die Celtics einen zweistelligen Vorsprung auf teilweise schockierende Art und Weise. Dass es diesmal kein 14-Punkte-Vorsprung im vierten, sondern ein 17-Punkte-Vorsprung im zweiten Viertel war, dürfte niemanden trösten - wie Boston im dritten Durchgang auseinanderfiel, war für ein eigentlich so gutes Team kaum zu rechtfertigen.

Offensichtlich auch intern. Es verwunderte nicht, als kurz nach Spielende durchsickerte, dass sich hitzige Szenen im Locker Room der Celtics abgespielt hatten: Marcus Smart soll lautstark an seine Mitspieler appelliert haben, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren, dabei flogen anscheinend auch Gegenstände, es gab Geschrei von mehreren Seiten. "Das Team implodiert", analysierte der erfahrene Boston Globe-Reporter Gary Washburn gar schon von außerhalb der Kabine.

Smart selbst verließ danach die Halle, ohne mit den anwesenden Reportern zu sprechen, seine Teamkollegen zeichneten jedoch ein anderes Bild von der Szene. "Er steckt voller Leidenschaft und Feuer. Ich liebe Marcus dafür", sagte Jaylen Brown und erweckte dabei den Anschein, dass die Celtics diese Aussprache, diese Standpauke ihres emotionalen Anführers durchaus gebraucht hatten.

Boston Celtics: Die Streiterei einer Familie?

"In Familien gibt es Aufs und Abs, Streitereien und Emotionen. Aber genau das sind wir: Eine Familie. Wir ziehen einander zur Verantwortung", erklärte Brown, und auch Jayson Tatum und Kemba Walker sprachen bei ihren Pressekonferenzen nicht von unüberbrückbaren Differenzen, sondern eher von normaler, verständlicher Frustration nach einer frustrierenden Niederlage.

Denn das war sie. Boston kontrollierte die Partie in der ersten Hälfte komplett, kam offensiv zu den gewünschten Spots und traf über 60 Prozent seiner Würfe. Aufgrund von Unkonzentriertheiten und vor allem den Ballverlusten waren es zur Pause trotzdem "nur" 13 Punkte Führung, die Celtics agierten dennoch wie das etwas balanciertere, das komplettere Team.

Doch wenn Miami in diesen Playoffs eins gezeigt hat, dann ist das Resilienz: Niemand war davon überrascht, dass nach der Pause eine neue Intensität zu sehen sein war, dass ein Run kam. Die Celtics wiederum ergaben sich fast schon kampflos, als die Gegenwehr da war. Mit 17:37 ging der dritte Durchgang verloren, vor dem letzten Viertel rang selbst der sonst so ruhige Head Coach Brad Stevens im ESPN-Interview um seine Fassung.

Boston: Nicht nur die Zonenverteidigung als Problem

Er hatte viel zu analysieren. Die Heat setzten Bostons Offense mit ihrer Zonenverteidigung zu, hielten beispielsweise Tatum bei lediglich zwei versuchten Dreiern und machten ihn phasenweise zu einem passiven Offensivspieler. Aus 32 Ballbesitzen gegen die Zone machten die Celtics nur 25 Punkte, das entspräche einem katastrophalen Offensiv-Rating von 78.

Immer wieder brauchten sie zu lange, um gegen die langarmigen Point-of-Attack-Verteidiger wie Jimmy Butler und Derrick Jones in ihre Sets zu kommen, und fanden keine hochwertigen Abschlüsse.

Dies war aber bei weitem nicht die einzige Problemzone (Pun intended). In Halbzeit eins beschützte Boston gut den Ring, im dritten Viertel hatte man keine Antwort auf den Roll beziehungsweise die Cuts von Bam Adebayo, der einen Dunk nach dem anderen reindrückte - 6/6 war seine Bilanz nach Cuts in diesem Viertel, vier seiner Abschlüsse waren uncontested, 15 Punkte waren es insgesamt.

Das darf ebenso wenig passieren wie die 20 Ballverluste und die daran anknüpfende unkonzentrierte Transition-Verteidigung. Boston leistete sich allein bei Einwürfen drei Ballverluste. Weder offensiv noch defensiv präsentierte Miami völlig unlösbare Herausforderungen, die Heat spielten jedoch mit mehr Selbstverständnis und Überzeugung, wovon sich Boston zu leicht aus der Bahn werfen ließ. Erik Spoelstra schien Stevens einen Schritt voraus zu sein.

Die Celtics gaben immerhin nicht auf

Als Hoffnungsschimmer dürften immerhin noch vereinzelte Phasen des letzten Viertels herhalten - die Celtics gaben nicht einfach auf wie etwa die Clippers in Spiel 7 der Serie gegen die Nuggets, sondern robbten sich Schritt für Schritt wieder ran und holten sich sogar noch eine späte 5-Punkte-Führung. Mit etwas mehr Cleverness hätte sich die Serie trotz des schlechtesten Viertels ihrer Saison noch ausgleichen lassen, doch diese bewiesen am Ende erneut eher Butler und Goran Dragic.

Der Qualitätsunterschied zwischen beiden Teams ist nach zwei Spielen nicht besonders groß, auch wenn Stevens zurecht anmerkte, dass Miami die bisher bessere Mannschaft sei. Es sind die immer wieder gern zitierten kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen; keine Szene symbolisierte das besser als der Steal von Butler beim Smart-Einwurf 1:30 Minuten vor Schluss.

Die Heat sind in den entscheidenden Momenten wacher, präsenter, hadern nicht mit sich selbst. Diesen Punkt haben die Celtics noch nicht erreicht, was Smart, normalerweise selbst ein König dieser "Winning Plays", vermutlich mehr als alles andere frustrierte. Es ist insofern nur logisch, dass er nach dem Spiel emotional wurde, zumal er selbst mehr als einen späten Fehler verzeichnete.

Kemba Walker: "Sie wollten es mehr"

"Wir liegen 0-2 hinten. Natürlich sind wir frustriert. Niemand sollte zufrieden sein, wenn man 0-2 hinten liegt. Aber es war nichts Außergewöhnliches", betonte Tatum, der sich nicht zu spezifischen Inhalten der Auseinandersetzung äußern wollte. Walker deutete es zumindest an: "Sie haben viel härter gespielt als wir, sie wollten es mehr."

Nach zwei letztlich verzockten Siegen in Folge dürften die Celtics gemerkt haben, dass sie sich dies nicht leisten können. Sie können die Serie durchaus noch gewinnen, ihr Spielraum für Fehler jedoch ist mittlerweile kaum noch existent, denn das Team auf der Gegenseite lässt nicht locker und bestraft Fehler gnadenlos. "Ich denke, wir haben uns verstanden", sagte Brown.

Der 24-Jährige äußerte zudem die Hoffnung, dass sein Team das von Smart gezeigte Feuer mit auf Spiel 3 übertragen könne. Dann hätte sich der Aufruhr wenigstens gelohnt.

Celtics vs. Heat: Die Eastern Conference Finals im Überblick

SpielDatumHeimAuswärtsErgebnis/Übertragung
116.9BostonMiami114:117 OT
218.9BostonMiami101:106
320.9/2.30 UhrMiamiBostonDAZN
424.9/2.30 UhrMiamiBostonDAZN
5*26.9/2.30 UhrBostonMiamiDAZN
6*28.9/1.30 UhrMiamiBostonDAZN
7*tbdBostonMiamiDAZN
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