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NBA: Wie die knausrigen Orlando Magic Shaquille O'Neal vergraulten - und Jerry West den Weg für die nächste Lakers-Dynastie ebnete

Shaquille O'Neal spielte in seinen ersten vier Jahren in der NBA im Trikot der Orlando Magic.

Am 18. Juli 1996 einigte sich Shaquille O'Neal auf einen lukrativen Deal mit den Los Angeles Lakers und kehrte den Orlando Magic damit als Free Agent den Rücken. Dabei hatten es die Magic selbst in der Hand, einen der dominantesten Center aller Zeiten zu halten. Nur spielten sie ihre Karten komplett falsch aus - ganz im Gegensatz zu den Los Angeles Lakers.

"Ist Shaquille O'Neal 115 Millionen Dollar über sieben Jahre wert?" Mit dieser Frage auf der Titelseite richtet sich der Orlando Sentinel Mitte Juli 1996 an seine Leserschaft, vorrangig Fans der Orlando Magic. Etwas mehr als 5000 Menschen melden sich per Telefon bei der Tageszeitung, die das Ergebnis wenige Tage später veröffentlicht.

Die Antwort auf diese simple Frage fällt eindeutig aus - allerdings nicht so, wie man es knapp ein Vierteljahrhundert später vermuten würde. Satte 91,3 Prozent der Anrufer stimmen für ein klares "Nein". Im Schnitt 16,4 Millionen Dollar pro Jahr für nur einen Spieler? "Verrückt", fasst ein Anrufer die Idee zusammen.

Ende der 1990er Jahre ist dies ein schier unvorstellbares Gehalt für einen Basketball-Profi, heute erscheint der vom Sentinel zur Diskussion gestellte Deal in Zeiten eines immer weiter anwachsenden Salary Caps (zumindest bis vor der Coronakrise) fast schon wie ein Kleckerbetrag. Vor allem für einen Spieler eines Kalibers von Shaq.

Der Big Diesel ist schon damals ein Biest. In seinen ersten vier Jahren in der Association im Trikot der Orlando Magic malträtiert O'Neal seine Gegner reihenweise, seine Ausbeute von 27,2 Punkten, 12,5 Rebounds sowie 2,8 Blocks bei 58,1 Prozent aus dem Feld kann sich mehr als sehen lassen.

In den Folgejahren baut der Center kein Stück ab. Im Gegenteil. Er avanciert zu einem der besten Big Men, die jemals die Zonen der NBA dominierten, holt sich insgesamt vier Championships, wird dreimal Finals-MVP. Diesen Spieler lassen die Magic jedoch im Sommer 1996 ziehen. Weil sie zu knausrig sind.

Shaquille O'Neal: Hollywood statt Nadelstreifen

In Person von Shaq verlieren die Magic den Akteur, der die Franchise eigentlich erst auf der Landkarte der NBA etabliert hat. Erst 1989 wird das Team aus Florida aus der Taufe gehoben, doch der Nr.1-Pick von 1992 führt das Team aus der knapp 290.000-Einwohner Stadt schon Anfang der 90er zu einem kometenhaften Aufstieg.

Gemeinsam mit Anfernee "Penny" Hardaway, der ein Jahr nach Shaq als Nr.3-Pick zum Team stößt, führt der 2,16-Meter-Koloss die Magic bereits im sechsten Jahr ihrer Existenz in die Finals. Auf dem Weg dorthin räumen sie sogar einen gewissen Michael Jordan aus dem Weg. Doch die Finals 1995 gehen verloren, ein Jahr später rächt sich MJ in den Ost-Finals per Sweep an Orlando.

Der Höhenflug der Magic ist damit vorbei - für lange, lange Zeit, was damals aber noch keiner ahnen kann. Nur etwa ein Jahr nach dem größten Triumph der damaligen Franchise-Historie wartet am 18. Juli 1996 der vorläufige Tiefpunkt: Shaq unterschreibt als Free Agent bei den Los Angeles Lakers. Hollywood statt Disney World. Titeljagd in Purple-and-Gold statt Nadelstreifen.

Verlängerung mit Shaq? Orlando Magic haben es in der Hand

Dabei hatten es die Magic in der eigenen Hand, Shaq zu halten. Als der damals 24-Jährige im Sommer 1996 erstmals in seiner Karriere Free Agent wird, gibt es noch keine Regelungen bezüglich eines Maximalgehalts oder eine teure Luxussteuer bei Überziehung des Salary Caps (24,4 Mio. Dollar für die Saison 1996/97). Beides wird erst nach dem Lockout 1998 im CBA festgehalten.

Der Center selbst ist einer Vertragsverlängerung in Orlando anfangs nicht abgeneigt. Die Magic halten die Bird-Rechte für Shaq, dürfen mit ihrem Spieler also verlängern, auch wenn der neue Kontrakt den Salary Cap überschreiten würde. Passt das Angebot, kann sich The Big Aristotle eine zügige Unterschrift vorstellen. Nur: Das Angebot passt ganz und gar nicht.

Die Magic legen eine Offerte in Höhe von 54 Millionen Dollar für vier Jahre auf den Tisch, wie sich Joel Corry später bei CBS Sports erinnert. Corry ist damals als Berater für Shaqs Agent Leonard Armato tätig und in den Verhandlungen dabei. Das erste Angebot entspricht vielleicht der Hälfte von dem, was sich O'Neal und sein Team vorgestellt haben.

Zeitgleich bekommen Alonzo Mourning und Juwan Howard deutlich bessere Verträge mit über 100 Millionen Dollar über sieben Jahre von den Heat beziehungsweise Wizards vorgelegt - einen niedriger dotierten Vertrag als die beiden in seinen Augen weniger talentierten Konkurrenten zu unterschreiben, kommt für Shaq nicht in Frage.

Hanebüchene Kritik: Orlando Magic vergraulen Shaq

Doch anstatt den Wünschen des Franchise-Stars nachzukommen, versuchen die Magic-Verantwortlichen Shaqs Wert herunterzuspielen. "Der verwirrendste Teil des Gesprächs war - das werde ich niemals vergessen -, als die Magic anfingen, O'Neals Rebounding und Defense zu kritisieren. Willst du mich auf den Arm nehmen?", erzählt Corry rückblickend.

Ein weiteres Argument der Magic: In wenigen Jahren wartet eine Vertragsverlängerung mit Penny Hardaway auf das Team, man müsse sich eine gewisse finanzielle Flexibilität beibehalten. Shaq fühlt sich gleich doppelt auf den Schlips getreten. Einerseits die hanebüchene Kritik an seinem Spiel, andererseits schien er nicht die komplette Priorität bei den Verantwortlichen zu genießen.

Die Unzufriedenheit des Superstars ruft wenig überraschend die Konkurrenz auf den Plan, allen voran die Los Angeles Lakers mit General Manager Jerry West. Die Lakers-Legende versteht es, die Traditions-Franchise aus Hollywood anzupreisen. Shaq könne dort in die Fußstapfen von Big-Men-Legenden wie George Mikan, Wilt Chamberlain oder Kareem Abdul-Jabbar treten. Und natürlich seine Schauspiel-Karriere vorantreiben.

Angeblich wollte Armato seinen Klienten ohnehin zu den Lakers lotsen. Im Glitzer und Glamour Hollywoods erwarten den Superstar schließlich deutlich mehr Werbepräsenz und mehr Möglichkeiten, Geld zu verdienen, als im vergleichsweise beschaulichen Orlando.

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