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NBA - Das einzige Team, das nach '90 Michael Jordan schlug: Die vergessene Shaq/Penny-Dynastie der Orlando Magic

Shaquille O'Neal und Penny Hardaway waren in den 90ern auf dem besten Wege, die NBA zu erobern.

Mitte der 1990er Jahre gehörte die Zukunft der NBA einem jungen Superstar-Duo der Orlando Magic: Shaquille O'Neal und Penny Hardaway. Der dominante Center und der spektakuläre Point Guard waren auf bestem Wege, die Liga zu erobern und eine Dynastie zu gründen. Eine, die eigentlich gar nicht hätte entstehen dürfen. Und die vorbei war, bevor sie richtig begann.

Als Anfernee "Penny" Hardaway am Abend des 27. Mai 1996 noch die Hände von Michael Jordan schüttelt, ist sein Teamkollege Shaquille O'Neal schon längst auf dem Weg in die Katakomben. Der 2,16-Meter-Schrank schlurft mit hängendem Kopf Richtung Kabine, dicht gefolgt von dem dunklen Schatten einer 0-4-Pleite in den Eastern Conference Finals gegen die Chicago Bulls.

In diesem Moment denkt wohl niemand, dass dieses Bild das letzte von O'Neal im Magic-Trikot sein würde. Womöglich nicht einmal der Center selbst, sicherlich nicht Hardaway und erst recht nicht die Magic-Fans.

Die Anhänger der damals noch jungen Franchise aus Florida träumen in dieser Nacht der Enttäuschung vielmehr von weiteren erfolgreichen Saisons in der Zukunft, von tiefen Playoff-Runs und von Championships. Vom dominantesten Center seiner Ära und und einem der spektakulärsten Point Guards der Dekade.

Die Realität nach 1996 ist jedoch eine andere. Shaq räumt in Purple-and-Gold anstatt im Nadelstreifen-Look eine Larry O'Brien Trophy nach der nächsten ab. Die Karriere von Hardaway kommt nach einer schweren Knieverletzung nie richtig zur Entfaltung.

Mit der Niederlage gegen die Bulls an diesem Juni-Abend ist die Dynastie der Orlando Magic in den 1990er-Jahren vorbei, bevor sie richtig begonnen hat.

Der Beginn der Shaq-Ära bei den Orlando Magic

Gerade einmal sieben Jahre zuvor werden die Magic erst aus der Taufe gehoben. Im Rahmen der Liga-Erweiterung 1989 von 25 auf 27 Teams bekommt Florida seine zweite NBA-Franchise. Wie üblich für ein Expansion-Team, sind die ersten Jahre der Magic in der Association nicht von Erfolg geprägt. Das ändert sich aber 1992 schlagartig.

Glück in der Lottery beschert Orlando, im Vorjahr das Team mit der zweitschlechtesten Bilanz, den ersten Pick. Für den Fall der Fälle hat der damalige General Manager Pat Williams bereits ein Magic-Trikot mit fünf Buchstaben unter seinem Tisch platziert, wie jedes andere Team in der Lottery auch. Die Aufschrift? "O'Neal".

Es gibt keinen Zweifel, dass der Center der Louisiana State University als erstes über die Ladentheke gehen wird, und so kommt es auch. Mit dem unter den Körben wütenden Rookie of the Year holt Orlando 1992/93 41 Siege bei 41 Niederlagen. Erstmals in der Franchise-Geschichte entgehen die Magic einer negativen Bilanz, verpassen jedoch die Playoffs, weil die Pacers mit der gleichen Bilanz im direkten Duell mit Orlando ganze 5 Punkte mehr erzielen (444:439).

Orlando Magic: Glück in der Lottery - und eine Überraschung

Wie im richtigen Leben liegen aber auch in der NBA Leid und Glückseligkeit ganz nah beieinander. Während Indy in der ersten Playoff-Runde gegen die Knicks rausfliegt, finden sich die Magic in der Lottery wieder. Was anschließend passiert, beschreibt Williams später gegenüber nba.com wie folgt: "Das war ein Wunder. Die Basketball-Götter haben uns in dieser Zeit sehr intensiv zugelächelt."

Nur auf einem der 66 Ping-Pong-Bälle in der Lotterie ist das Magic-Logo aufgraviert, eine 1,5-prozentige Chance auf den ersten Pick. Bis heute ist es der unwahrscheinlichste Gewinn der Lottery aller Zeiten.

In Orlando steigt in den Wochen vor dem Draft die Vorfreude auf ein potenzielles Big-Men-Duo Shaq und Chris Webber. Als die Magic am Tag der Entscheidung tatsächlich den 20-Jährigen aus Michigan als Nr.1-Pick verkünden, frohlocken die Fans auf einer Draft-Party. Als Williams kurz darauf jedoch auf der Bühne einen Trade publik macht, wollen sie "eine Revolte".

Penny Hardaway: Der nächste Magic Johnson?

Statt mit Webber und Shaq in eine neue Ära zu starten, tauschen die Magic den Big für drei zukünftige Erstrundenpicks und den dritten Pick 1993 der Golden State Warriors ein: Anfernee Hardaway. Dies geschieht wohl auch auf Anraten von O'Neal, der ein Jahr zuvor gemeinsam mit Penny für den Film "Blue Chips" vor der Kamera stand.

Hardaway hinterlässt damals nicht nur beim Big Diesel Eindruck, sondern auch bei mehreren Pre-Draft-Workouts bei den Magic. "Ich wollte unbedingt nach Orlando", sagte der 48-Jährige Jahre später im Podcast All the Smoke. "Ich wollte unbedingt mit Shaq spielen. Ich habe an eine Magic-und-Kareem-ähnliche Situation gedacht."

Tatsächlich fühlt sich der eine oder andere Experte im 2,01 Meter großen Point Guard an Lakers-Legende Magic Johnson erinnert. Nicht nur aufgrund der Größe, auch wegen Pennys Court Vision und seinen Fähigkeiten als Passer. Zusätzlich besitzt Hardaway beeindruckende Athletik und ein Flair auf dem Parkett, dass ihn zu einem der spektakulärsten Spieler der Liga macht.

In Verbindung mit der Dominanz von Shaq entsteht in Orlando eins der besten Duos der Liga, die Magic bereuen ihre Draft-Entscheidung nicht. Nach dem Rücktritt von Michael Jordan im Herbst 1993 scheint zudem der Weg zu einem Titel so offen wie lange nicht mehr. Die Magic sind bereit, dieses Machtvakuum zu füllen.

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