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NBA: Warum die Entlassung von Isaiah Hartenstein bei den Houston Rockets ein Glücksfall sein kann

Isaiah Hartenstein absolvierte insgesamt 51 NBA-Spiele für die Houston Rockets.

Isaiah Hartenstein wurde von den Houston Rockets entlassen und steht nun vor einer ungewissen Zukunft. Die Entlassung könnte sich für den 22-jährigen deutschen Nationalspieler jedoch als Glücksfall herausstellen.

Die Spatzen pfiffen es schon seit einer ganzen Weile von den Dächern. Spätestens im Februar, als Houston Clint Capela nach Atlanta tradete und ohne Starting Center dastand, aber trotzdem keinen permanenten Platz für Isaiah Hartenstein im Kader (geschweige denn in der Rotation) fand, standen die Zeichen auf Abschied.

Nun haben die Rockets es offiziell gemacht. Eigentlich hätten sie bis zum 17. Oktober Zeit für die Entscheidung gehabt, Hartensteins Vertrag für eine weitere Saison zu garantieren, doch sie brauchten den Kaderplatz. Für den Saison-Restart in Disney World wollte Houston einen weiteren Flügelspieler, diesen haben sie nun in David Nwaba gefunden.

Hartenstein steht damit nach insgesamt drei Jahren in Houston, einem in der G-League und zwei in der NBA, an einem Wendepunkt. Über einen Zeitraum von 48 Stunden, nachdem seine Entlassung eingereicht wird, könnte jedes Team mit einem freien Kaderplatz seinen Kontrakt übernehmen. Ansonsten wird er Unrestricted Free Agent und kann theoretisch überall (außer in Houston) einen neuen Vertrag unterschreiben.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirken mag, könnte es für Hartenstein ein absoluter Glücksfall sein, dass die Rockets nicht mehr mit ihm planen. Er war in Houston schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort.

Hartenstein entwickelte sich zum dominanten G-League-Spieler

Die Rockets drafteten Hartenstein 2017 als Projekt: Er galt als vielseitiger Big Man mit den Fähigkeiten eines Flügelspielers, der werfen, dribbeln und passen konnte und über die G-League langsam an die NBA herangeführt werden sollte. Hartenstein sollte vor allem körperlich zulegen und sich an den Stil in den USA gewöhnen, seine Rolle im System der Rio Grande Valley Vipers, quasi dem Labor der Rockets, für sich definieren.

Das hat Hartenstein getan. Nach einer soliden Debütsaison in der G-League stattete ihn Houston mit einem NBA-Vertrag aus, in den vergangenen beiden Jahren sammelte er erste Erfahrungen in der NBA und spielte weiter in der G-League. Mit großem Erfolg: 2019 wurde er Finals-MVP in der G-League, in der 19/20er Saison war er der Liga qualitativ entwachsen (24,9 Punkte, 14,7 Rebounds in 14 Spielen).

Das Problem: Die Rolle des Big Man verschwand in der Zwischenzeit aus dem System der Rockets. Durch die Ankunft von Russell Westbrook im Sommer 2019 veränderte sich die Dynamik in Houston, allen voran deshalb, weil ein Spieler ohne guten Distanzwurf hinzukam. Deswegen verlagerten die Rockets ihre Spielidee auf Microball, ein System ohne Center, mit fünf "austauschbaren" Wings. Also auch ohne Hartenstein.

Die Statistiken von Isaiah Hartenstein

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%ReboundsAssistsBlocks
17/18Valley Vipers3818,79,556,46,61,11,1
18/19Rockets287,91,948,81,70,50,4
Valley Vipers2632,319,562,714,73,82
19/20Rockets2311,64,765,73,90,80,5
Valley Vipers1432,624,958,714,74,41,1

Hartenstein: Erst Backup, dann raus aus dem Kader

Der Mann aus Eugene, Oregon kann sich dabei selbst keinen Vorwurf machen. Er hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt und ist physisch viel stärker geworden, nachdem er zu Beginn noch leicht herumgeschubst werden konnte. In einigen wenigen Einsätzen konnte er dies auch in der laufenden Saison in der NBA unter Beweis stellen.

Wenn Hartenstein mal etwas länger ran durfte, lieferte er teilweise richtig starke Zahlen: 19 Punkte, 9 Rebounds und 4 Assists gegen New Orleans, 16 Punkte und 12 Rebounds in bloß 18 Minuten gegen die Nuggets. Nach dem Spiel gegen die Nuggets an Neujahr adelte Rockets-Coach Mike D'Antoni Hartenstein öffentlich als "unseren Backup-Center für den Rest der Saison".

Zehn Tage später lieferte Hartenstein 17 Punkte, 15 Rebounds und 5 Blocks gegen die Timberwolves - es war sein wohl stärkstes Spiel in der NBA. Doch danach verzeichnete er keinen einzigen Einsatz mehr über mehr als 14 Minuten.

Er wurde zu einem guten Reminder dafür, dass es in der NBA nicht nur darum geht, was man kann - sondern zu einem großen Teil auch um die Umstände. Legt er diese Entwicklung zwei Jahre früher hin, kann er ähnlich wie Capela bei den Rockets eine Rolle finden. So wurde er stattdessen entbehrlich, obwohl ersichtlich wurde, dass er qualitativ ein NBA-Spieler sein kann.

Isaiah Hartenstein: Ein Flyer?

Mit etwas Glück könnte er Letzteres nun dauerhaft beweisen. Mit seinem (ungarantierten) Gehalt von 1,7 Mio. Dollar wäre er für die kommende Saison ein klassischer Flyer für ein Team, das noch Platz auf den großen Positionen hat und es sich leisten kann, einen jungen Spieler mit viel Potenzial auszutesten. Das Risiko ist schließlich minimal.

Folgendes darf man ja nicht vergessen: Hartenstein hat mittlerweile zwar schon einige Profi-Erfahrungen gesammelt, ist aber trotzdem erst 22 Jahre alt (in der BBL debütierte er mit 16). Sein (wachsendes) Skillpaket passt in die heutige NBA, nur eben nicht nach Houston. Seine Verbesserungen in dieser Saison, auch defensiv, dürften auch der Konkurrenz nicht entgangen sein.

Nun ist die Frage, welches Team Hartenstein eine Chance geben könnte. Die Spurs wären eigentlich ein Team, das eine gewisse Portion Talent (und Jugend) brauchen könnte und Erfahrung mit Europäern hat, allerdings haben sie am Mittwoch den 30-jährigen Journeyman Tyler Zeller verpflichtet. Die Hornets könnten theoretisch einen Platz haben, vielleicht auch die Suns oder Pistons oder sogar die Warriors mit ihrem dezimierten Kader und ohne finanziellen Spielraum.

Austin Rivers: "Das hier ist nicht endgültig"

Grundsätzlich kommt es Hartenstein aber wohl entgegen, wenn sein nächstes Team sich nicht im ultimativen All-In-Modus befindet wie zuletzt die Rockets. Im Lauf der Saison hat er betont, wie viel er unter anderem von Capela, aber auch Tyson Chandler, Nene und natürlich P.J. Tucker lernen konnte. Nun braucht er jedoch eine Chance, das Gelernte konstant umzusetzen.

Es dürfte ihm immerhin schon länger gedämmert haben, dass er diese Chance nicht zwingend in Houston erhält. Sein (jetzt Ex-)Mitspieler Austin Rivers ahnte dies gewissermaßen schon im Dezember, als er von The Athletic zu Hartenstein (und Gary Clark) befragt wurde. "Das hier ist nicht endgültig. Houston ist nicht endgültig. Nicht für mich, und nicht für sie", sagte Rivers damals.

"Es sind deine verdammten 20er. Ich weiß, wie das funktioniert. Alles ist situationsbedingt. Es gibt vier oder fünf Spieler in der Liga, die überall hingehen und gut spielen können. Bei allen anderen ist es situationsbedingt. Das hier ist vielleicht nicht das Beste für sie, aber sie müssen das Beste daraus machen. Denn eines Tages kommen sie irgendwo hin, wo es perfekt wird."

Die Suche nach dieser Situation beginnt für Isaiah Hartenstein nun von vorn.

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