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NBA: Hätten Michael Jordan und die Chicago Bulls 1999 ihren siebten Titel gewonnen?

Michael Jordan holten 1998 ihren sechsten Titel in acht Jahren.

Michael Jordan ärgert sich noch heute darüber, dass er mit den Chicago Bulls in der Saison 1998/99 nicht die Chance auf einen weiteren Titel erhielt. Doch wäre ein letztes Hurra überhaupt möglich gewesen? SPOX blickt auf die Argumente für und gegen Ring Nr. 7.

Michael Jordan sagte zum Ende der ESPN/Netflix-Dokumentation "The Last Dance", dass es ihn bis heute ärgere, dass er und sein Team in der Saison 1998/99 nicht die Chance erhielten, eine siebte Meisterschaft zu gewinnen. Drei Ringe in Serie hatte Chicago gewonnen, doch 1998 wurde das Team aufgelöst.

"Wir hätten es vielleicht nicht geschafft, aber es nicht mal versuchen zu können, das kann ich aus irgendeinem Grund immer noch nicht akzeptieren", sagte Jordan und sprach damit vermutlich vielen Bulls-Fans aus der Seele. Dass es nicht zur Titelverteidigung kam und Chicago stattdessen jahrelang im Neuaufbau versumpfte, hatte jedoch vielschichtige Gründe.

Bis heute lässt sich daher die Frage nicht beantworten, ob die Bulls 1999 zum vierten Mal in Serie die Larry O'Brien Trophy geholt hätten, wenn Jordan & Co. es "versucht" hätten und zusammengeblieben wären. Bei genauerer Untersuchung lassen sich jedoch für beide Seiten einige Argumente finden.

Diese Faktoren sprachen für eine Titelverteidigung der Bulls

Eingespieltheit und Erfahrung

Drei Meisterschaften in Serie sprechen im Prinzip für sich: Die Bulls waren das Team ihrer Zeit, dominierten trotz der widrigen Umstände auch die Regular Season 1997/98 mit 62 Siegen und der drittbesten Defense der NBA. In den Playoffs wurde es zwar insbesondere gegen Indiana ein harter Kampf, jedoch schafften es nur die Pacers, Chicago in ein siebtes Spiel zu zwingen.

Der Kern der Bulls kannte sich in dieser Form überwiegend bereits drei Jahre, Jordan und Pippen sowie Jackson machten bereits seit den späten 80er Jahren gemeinsame Sache. Es gab nichts, was dieser Kern nicht schon erlebt und gemeistert hätte. Kein Team in der Liga konnte mit dieser Erfahrung mithalten.

Der Lockout

Nach den Finals 1998 lief der Tarifvertrag zwischen Spielerunion und NBA aus und zunächst war keine Einigung in Sicht. Die Besitzer monierten, dass die Gehälter vor allem für junge Spieler durch die Decke gegangen waren, und verhandelten mit harten Bandagen; die Spieler wiederum wollten zunächst so wenig wie möglich opfern. Das hätte beinahe die gesamte Saison verhindert.

Erst am 20. Januar 1999 endete der Lockout, unfitte Spieler wurden aus dem erzwungenen Urlaub oder aus Europa (wie etwa Dirk Nowitzki) zu ihren Teams beordert und aus dem Nichts wurde eine verkürzte Saison aus dem Boden gestampft. 50 Spiele musste jedes Team innerhalb von drei Monaten absolvieren, ohne echtes Training Camp, teils mit Back-to-Back-to-Backs oder drei Spielen in vier Tagen. Das Niveau war entsprechend überschaubar.

Die Bulls-freundliche Perspektive dazu würde lauten: Mit all ihrer Erfahrung hätten die Bulls nicht viel Zeit gebraucht, um sich einzuspielen, womit sie anderen Teams wie etwa den Lakers einiges vorausgehabt hätten. Dass gerade der Osten zudem nicht sehr stark besetzt war, zeigte, dass ein achtplatziertes Knicks-Team völlig überraschend den Einzug in die Finals schaffte. Das war damals eine Premiere und konnte bis heute nicht wiederholt werden.

Saison 98/99: Die Playoff-Teams der Eastern Conference

RangTeamSiegeNiederlagen
1Miami Heat3317
2Indiana Pacers3317
3Orlando Magic3317
4Atlanta Hawks3119
5Detroit Pistons2921
6Philadelphia 76ers2822
7Milwaukee Bucks2822
8New York Knicks2723

Der Jordan-Faktor

Hätten Latrell Spreewell, Allan Houston & Co. diesen Durchmarsch auch gegen MJ geschafft? Jordans Status wäre letztlich natürlich das stärkste Argument pro Titelverteidigung. Zwar war er mittlerweile 35 Jahre alt, dass er immer noch das Alphatier der Liga war, zeigte er allerdings ja bekanntlich über die gesamte Spielzeit, wurde zum fünften Mal Regular Season- und zum sechsten Mal Finals-MVP.

Jordan selbst sagte, dass er "handwerklich" zu diesem Zeitpunkt sogar auf dem Höhepunkt seiner Karriere war. Statistisch lässt sich das nicht zwingend belegen, es ist aber auch unerheblich: Offensichtlich war er im Vergleich mit den anderen Stars der NBA noch immer der beste Spieler, der sich jeder Herausforderung widmete wie Kobayashi einem Teller voller Hot Dogs.

In einer verkürzten Saison könnte das durchaus den Ausschlag geben.

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