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NBA

NBA-Legenden-Serie - Kevin McHale: Die Folterkammer der Liga

Von Philipp Schmidt
Kevin McHale gewann mit den Boston Celtics drei Meistertitel.

Vor der Saison 1985/86 tradeten die Celtics Cedric Maxwell zu den Clippers und endlich wurde McHale zum Starter auf der Vier. Erstmals aber hatte er auch mit Fußverletzungen zu kämpfen, die den Herbst seiner Karriere prägen sollten.

Ab den Playoffs war McHale jedoch wieder bei 100 Prozent, scorte knapp 25 Punkte im Schnitt und bot auf dem Weg zu seinem dritten (und letzten) Titel gemeinsam mit Parish den Twin Towers der Rockets, Hakeem Olajuwon und Ralph Samson, Paroli. Das Team um Bird, Dennis Johnson, Danny Ainge (und auch Rick Carlisle) gilt bis heute als eines der besten aller Zeiten.

Ein weiterer Auftritt in den Finals sollte für McHale noch folgen im statistisch besten Jahr seiner Karriere: 26,1 Punkte, 9,9 Rebounds, 60,4 Prozent aus dem Feld (Ligabestwert), die Berufung in das All-NBA First Team und eine 2-4-Niederlage (wieder einmal) gegen die Lakers standen am Ende der Saison 1986/87 zu Buche.

Im Nachgang leitete diese Serie den Anfang vom Ende der Celtics-Dynastie ein, was auch mit McHale zusammenhing.

Kevin McHale: Bestes Karrierejahr leitet Ende ein

Der spielte die gesamten Finals mit einem gebrochenen Fuß, bewegte sich abseits des Feldes teilweise nur mit einem Stuhl als Gehhilfe voran und stand trotzdem 40 Minuten pro Spiel auf dem Feld. In der Offseason folgte dann die dringend notwendige Operation an seinem rechten Fuß. Dennoch kam er auch in der Saison 1987/88 auf über 22 Punkte und 8 Rebounds im Schnitt.

Neben dem ausbleibenden Teamerfolg - die Celtics kamen bis ins Jahr 2002 nicht mehr über die zweite Playoff-Runde hinaus - nahm auch die Produktion von McHale (und Bird) kontinuierlich ab, ab 1990 ließen die Fußbeschwerden keinen schmerzfreien Sport mehr zu. McHale beendete seine Karriere 1993 letztlich dort, wo sie 13 Jahre zuvor begonnen hatte: Mit einer Bankrolle und etwa 10 Punkten pro Partie (es waren 10,7).

Mit durchschnittlich 19 Zählern in der ersten Playoff-Runde gegen die Charlotte Hornets verabschiedete er sich gebührend aus der NBA und hatte eine letzte Scoring-Explosion vor heimischer Kulisse (30 Punkte, 13/18 FG). "Wenn ich gesund war, hatte ich immer das Gefühl, dass ich scoren konnte. Wenn ich in einen Zustand gelangte, den ich 'Folterkammer' nannte, wusste ich, dass ich bereit war", berichtete McHale über seine Karriere.

Kevin McHale: Moderner Big Man mit vielfältigem Skill-Paket

Obwohl er über seine gesamte Karriere ein glänzender Verteidiger war, ganze sechsmal im All-Defensive First- oder Second Team stand und mit seinen langen Armen und seiner hervorragenden Fußarbeit oft den besten gegnerischen Spieler auf mehreren Positionen verteidigte, sind es vor allem seine Fähigkeiten in der Offensive, die McHale zu einem bis heute relevanten Spieler machen.

"Er war der am schwierigsten zu verteidigende Low-Post-Spieler der Liga-Geschichte, wenn er einmal am Ball war" adelte ihn der frühere Coach Hubie Brown im Boston Globe. Brown nannte seine "Schnelligkeit, Vielfalt an Moves und langen Arme" als Grund dafür, dass McHale fast immer eine gute Position hatte, um zu scoren - egal, ob es gegen einen größeren oder einen beweglicheren Verteidiger ging. Auch Charles Barkley, der selbst nur allzu gerne im Post zu Werke ging, bezeichnete den Kelten als Kontrahenten, mit dem er in der Defensive die größte Mühe hatte.

Den Spitznamen "Folterkammer" bekam McHale von Celtics-Legende und -Kommentator Tommy Heinsohn verliehen, da die Defense gegen McHale nichts anderes als eine Folter gewesen sei. Hook Shot, Fadeaway, Turnaround, Pump Fake - McHale hatte zahlreiche Moves im Repertoire, um zu scoren, und das aus einer für damalige Verhältnisse großen Range. Hinzu kam eine starke Freiwurfquote von 80 Prozent.

Einen weniger charmanten Nickname für McHale hatte Bird parat: "Schwarzes Loch". Damit wollte Larry Legend zum Ausdruck bringen, dass McHale den Ball ungern abgab, nachdem er seine Position im Post eingenommen hatte, auch nicht gegen Double-Teams. Neben diesen Neckereien ist McHale allerdings vor allem als moderner Big Man und Vorbild späterer Generationen in Erinnerung geblieben, was die Zusammenarbeit mit dem jungen Kevin Garnett oder auch Myles Turner verdeutlicht.

Boston Celtics: "Das waren die besten Tage meines Lebens"

Die Nummer 32 des sechsfachen All-Stars wurde am 30. Januar 1994 unter die Hallendecke des Boston Garden gezogen, 1999 wurde McHale in die Naismith Basketball Hall of Fame aufgenommen. Mit den Plätzen fünf bei den Punkten (17.335), sechs beim Rebounding (7.122) und zwei bei den Blocks (1.690) hat er große Fußspuren in Massachusetts hinterlassen.

"Wir haben das Spiel so gespielt, wie es meiner Meinung nach gespielt werden sollte. Das waren die besten Tage meines Lebens - und einige der besten in der ruhmreichen Geschichte der Celtics", sagte McHale dem Boston Globe, dessen Karriere abseits des Spielfeldes in verschiedenen Funktionen ihre Fortsetzung fand.

Bis 2009 arbeitete er bei den Minnesota Timberwolves im Front Office, als Interimscoach und TV-Analyst. Letztgenannte Rolle füllte er auch bei TNT aus, kehrte aber zwischenzeitlich auf die Trainerbank zurück. Bei den Houston Rockets verbuchte er eine Bilanz von 193-130, gekrönt vom Einzug in die Western Conference Finals 2015. Nach elf Spielen in der Saison 2015/16 folgte die Entlassung und die Rückkehr zu TNT.

Dort zeigt er die gleiche Schlagfertigkeit und teilweise auch provokante Art, die ihn schon während seiner aktiven Zeit zu einem geschätzten Mitspieler werden ließen, wie auch folgende Anekdote zeigt, die Larry Bird gegenüber Bill Simmons offenbarte: "In einem Spiel in Golden State - wir haben hoch geführt - sagte er in der Schlussphase des Spiels zu seinem College-Freund (Chris Engler, der für die Warriors spielte, Anm. d. Red.): 'Wenn du den Ball im Low Post bekommst, drehe dich einfach und werfe über mich. Ich tue dann so, als würde ich dich verteidigen.'"

"Als er den Ball bekam, drehte er sich und Kevin schlug den Ball in die sechste Zuschauerreihe. Ich fühlte mich schlecht für den Jungen, und der Junge war angepisst. Ich ging zum Trainer und sagte: 'Lass mich raus hier, der Junge ist außer Kontrolle'", erzählte Bird und lachte. Engler schilderte die Situation ähnlich und erinnerte sich auch noch an die Reaktion von McHale nach dem Block: "Sorry, ich habe dich angelogen."

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