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NBA-Legendenserie - Chris Bosh: Der vergessene Prototyp

Chris Bosh gewann mit den Miami Heat zweimal die Championship.

Chris Bosh spielte sich als Teil der Big Three bei den Miami Heat von einer Lachnummer zu einem zweifachen Champion - und zum Prototypen des modernen Centers. Seine Bedeutung für LeBron James und Co. kam in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals zu kurz, eine schlimme Erkrankung verhinderte einen angemessenen Ritt in den Sonnenuntergang. Einen Platz in der Hall of Fame hat er dennoch so gut wie sicher.

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Nur äußerst selten kommt es vor, dass Sportler ihr Karrierende selbst bestimmen können. Michael Jordan tat dies gleich dreimal, wobei über seiner Wizards-Ära ein eher trüber Schatten hing. Zuvor gelang ihm 1998 ein ruhmreicher Abschied (vorerst) in den Basketball-Ruhestand, aber sonst? Bill Russell beendete seine Karriere zwar standesgemäß mit einem Titel (seinem elften), eine so perfekte Landung hat sonst aber kaum jemand hingelegt.

In einer Vielzahl der Fälle droht eine einst eindrucksvolle Laufbahn im Herbst der Karriere zu verblassen. Oftmals möchte der Betroffene nicht einsehen, dass seine Zeit in der besten Basketballiga der Welt abgelaufen ist. Oder aber er wird aufgrund von Verletzungen viel zu früh aus dem Spiel getrieben. Wie zum Beispiel Chris Bosh.

Das Karriereende des Texaners gehörte zweifelsohne in die Kategorie Ende mit Schrecken. Nachdem er am 9. Februar 2016 sein insgesamt 982. Spiel in der Association bestritten hatte, wollte Bosh lange Zeit nicht wahrhaben, dass dies sein letztes war. Drei Jahre kämpfte er für ein Comeback, doch sein Körper ließ ihn im Stich.

Der lange Kampf um das Comeback

Bereits zwölf Monate vor jenem 9. Februar 2016 diagnostizierten Ärzte ein Blutgerinnsel in seiner Lunge. Bosh musste die restliche Spielzeit 2015/16 pausieren, in der Folgesaison schien er aber wieder zu alter Stärke und Gesundheit zurückzufinden. Der Big Man legte Statistiken ungefähr auf Karriere-Schnitt auf (19,1 Punkte und 7,4 Rebounds), er wurde sogar für das All-Star Game 2016 nominiert.

Daran teilnehmen konnte Bosh jedoch nicht. Offiziell setzte er aufgrund einer Wadenzerrung aus, die Probleme waren aber viel gravierender: Erneut stellten die Ärzte Blutgerinnsel fest. In der Folge weigerte sich der Medizinstab der Heat, Bosh zum Spielen freizugeben, Profi-Sport hätte für ihn in diesem Zustand lebensbedrohlich sein können.

Bosh jedoch ignorierte die Warnungen. Er kämpfte - zwischenzeitlich mit der Unterstützung der Spielergewerkschaft NBPA - weiter für eine Rückkehr aufs Parkett, einigte sich mit den Heat auf eine Trennung, wollte in der kommenden Saison noch einmal angreifen. Doch die medizinische Freigabe kam nicht.

Die Karrierestatistiken von Chris Bosh

TeamSpiele / MinutenPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Raptors509 / 37,020,29,42,249,229,8
Heat384 / 34,218,07,31,849,634,4
Karriere893 / 35,819,28,52,049,433,5

Erst ein ganzes Jahr später, nach Monaten des Bangens um die Gesundheit und die Karriere des damals 32-Jährigen, herrschte Klarheit. Die NBA stufte seine Krankheit im Sommer 2017 als "career-ending" ein, zumindest für die Liga, für die Teams und für die Fans war damit klar, dass sich der ehemalige Heat- und Raptors-Star nie wieder ein NBA-Trikot überstreifen würde. Es dauerte weitere gut eineinhalb Jahre, bis auch Bosh selbst dies einsah.

"Dieser Teil meines Lebens ist vorbei", bestätigte der Big Man im Februar 2019 das endgültige Ende seiner Comeback-Hoffnungen. "Es war hart, damit klarzukommen, aber mir geht es gut, was eine lange Zeit gedauert hat. Ich hätte noch spielen können, aber diese Zeit ist vorbei. Ich habe die Entscheidung getroffen, dem nicht mehr nachzujagen."

Chris Bosh: Auf einer Stufe mit Shaq, Zo und Hardaway

Kaum sechs Wochen später stand Bosh doch wieder auf dem Parkett, auf dem er seine größten Erfolge im Leben als Profi-Basketballer gefeiert hatte. Nun allerdings in schwarzen Loafers statt in Sneakern, herausgeputzt im schwarzen Anzug mit schwarzer Krawatte, an seinem rechten Arm eine goldene Armbanduhr und zwei fette Championship-Ringe an den Fingern - und mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

"Das ist für uns alle eine großartige Nacht. Ich will nur sichergehen, dass ich nicht von Chris Bosh gephotobombt werde. Wenn irgendjemand Unheimliches hinter mir auftaucht, lasst es mich wissen", scherzte Heat-Präsident Pat Riley zu Beginn seiner Rede, an dessen Ende Bosh eine der größten Ehren im US-Sport zuteil wurde.

Seit diesem Abend im März 2019 hängt sein Heat-Trikot mit der Nummer 1 für alle Ewigkeiten unter der Hallendecke der American Airlines Arena, kein Spieler der Franchise aus dem Süden Floridas wird jemals wieder diese Nummer tragen.

Noch vor Dwyane Wade, der später am Abend für die Heat auflaufen sollte, und noch vor LeBron James, der sich zeitgleich hunderte Kilometer entfernt die Sneaker für die Lakers schnürte, wurde Bosh als einer der größten Heatles der Geschichte geehrt. Seitdem steht er auf einer Stufe mit Alonzo Mourning, Tim Hardaway und Shaquille O'Neal.

"Rebound Bosh, back out to Allen, his Three-Pointer ... Bang!"

Zu verdanken hatte Bosh diese Anerkennung in erster Linie den beiden Championships, die er 2012 und 2013 als Teil der Big Three mit LeBron und Wade an den South Beach holte. Unsterblich machte er sich vor allem in den Finals 2013, als er sich in Spiel 6 den wichtigsten Offensiv-Rebound der Heat-Historie schnappte, den Pass zu Ray Allen nach draußen spielte und ... "Bang!"

So rettete sich Miami damals mit einem irren Comeback in die Overtime, obwohl sie mit einem 2-3-Rückstand gegen die San Antonio Spurs mit dem Rücken zur Wand standen und einige Heat-Fans bereits die heimische Arena verlassen hatten. Doch Miami holte sich erst den Sieg in Spiel 6, den Bosh mit einem Block gegen Danny Green in den Schlusssekunden der Verlängerung sicherte, und wenig später die zweite Larry O'Brien Trophy in Folge.

Es waren diese kleinen Dinge, die Bosh zu einem ganz Großen haben werden lassen. Auch, wenn es eine ganze Weile gedauert hat, bis dies wirklich bei jedem angekommen ist.

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