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NBA - Andrew Wiggins nach seinem Trade zu den Warriors: Einmalige Situation - und letzte Chance?

Andrew Wiggins legt in seinem Warriors-Debüt effiziente 24 Punkte gegen die Lakers auf.

Vom einstigen Nr.1-Pick und Hoffnungsträger der Minnesota Timberwolves zum schlechtesten Vertrag der Liga: Die Karriere des Andrew Wiggins verlief bisher alles andere als nach Plan. Nun hoffen die Golden State Warriors, den 24-Jährigen zurück in die Spur zu bringen. Für Wiggins selbst ist es womöglich seine letzte Chance.

Es gab sie, die unerschütterlichen Wiggins-Fans. Über viele Jahre hinweg gingen die Anhänger der Minnesota Timberwolves mit dem einstigen Hoffnungsträger durch dick und dünn, selbst als das "dünn" in diesem Sprichwort immer mehr überhandnahm.

In Ansätzen blitzte das schiere Talent des Nr.1-Picks von 2014 von Zeit zu Zeit aber eben doch auf. Es reichte, um das berühmt-berüchtigte Wiggins-Island immer mal wieder in Goldrausch-ähnlichen Schüben zu besiedeln. Voller Euphorie stellten ihn manche sogar als den Maple Jordan hin, in Anlehnung an seine kanadische Heimat und den wohl besten Spieler aller Zeiten.

Doch so schnell die Anstürme Wiggins-Island überrannten, genauso schnell war die imaginäre Insel wieder verwaist. Konstanter sportlicher Erfolg war bei Wiggins Zeit seiner bisher fünfeinhalbjährigen Karriere in der Association Fehlanzeige, vom alljährlich enttäuschenden Abschneiden der Timberwolves mal ganz zu schweigen.

Nach vereinzelten 40-Punkte-Explosionen schlichen sich mit zuverlässiger Regelmäßigkeit Abende ein, an denen er kein Scheunentor traf und auch als Vorlagengeber eine Auszeit nahm. Und so wurden sie eben immer weniger, die Wiggins-Fans.

Andrew Wiggins: "Verlieren macht niemals Spaß"

Als nun also kurz vor der Trade Deadline Minnesota einen Deal einfädelte, der D'Angelo Russell von den Golden State Warriors loseiste, war die Euphorie im hohen Norden der Vereinigten Staaten riesig. Franchise-Star Karl-Anthony Towns bekam endlich seinen Kumpel an seine Seite, die Wolves einen vielversprechenden, jungen Point Guard. Und Wiggins? Dem wurde scheinbar keine Träne nachgeweint.

Gemeinsam mit einem Top-3-geschützten Erstrundenpick 2021 sowie einem Zweitrundenpick im selben Jahr verfrachtete Minnesota den ehemaligen Hoffnungsträger für Russell, Jacob Evans und Omari Spellman nach San Francisco. Dort bekommt der 24-Jährige nun eine Chance, seine Karriere in die richtige Spur zu lenken. Es ist womöglich seine letzte in der NBA.

Denn: Wenn es für Wiggins in der Bay Area nicht klappt, ist es schwer vorstellbar, wo er sonst Fuß fassen soll. Die Dubs haben sich in der vergangenen Dekade nicht nur dank drei Championships und fünf Trips in die Finals den Ruf als eine der besten Franchises der Liga erarbeitet.

"Wir haben in Minnesota eine Menge verloren", sagte Wiggins nach dem Trade. "Nun hierherzukommen, Teil dieser Gewinner-Kultur zu sein, das ist einfach etwas anderes. Verlieren macht niemals Spaß. Hier sieht man an der Einstellung, der Herangehensweise - einfach an allem -, dass sie Gewinner sind. Das wollte ich schon meine ganze Karriere lang sein."

Wiggins bei den Warriors: Endlich ein Gewinner?

In Kalifornien herrscht eine Menge Optimismus, dass Wiggins diesen lang gehegten Traum nun endlich in die Realität umsetzen kann. Bei den Warriors findet er die wohl beste Situation seiner Karriere vor.

Neben der Gewinnermentalität stehen die Dubs für Stabilität, in Minnesota erlebte Wiggins derweil in fünfeinhalb Jahren vier verschiedene Head Coaches. In Golden State wird er neben drei zukünftigen Hall of Famern auflaufen (wenn Stephen Curry, Klay Thompson und Draymond Green in der kommenden Saison wieder komplett fit sind), auch das war bei den Timberwolves nicht direkt der Fall.

Spielerisch sollte Wiggins in das Teamkonstrukt der Warriors passen. "Ein wichtiger Teil des Trades ist, dass wir wissen, dass Andrew ein besserer Fit für uns ist, als es D'Angelo war, wenn Steph und Klay zurück sind", ist sich Head Coach Steve Kerr sicher.

Andrew Wiggins: Debüt macht Hoffnung - seine Karriere nicht

"Für viele in der Liga geht es nur um den richtigen Fit. Manche Spieler passen einfach überall, das sind die besten Spieler in diesem Spiel. Aber für die große Mehrheit der NBA-Spieler ist der richtige Fit das Entscheidende", führte Kerr weiter aus. "Wir haben das Gefühl, dass der Fit hier für Andrew sehr gut ist."

Nach den Abgängen von Kevin Durant und Andre Iguodala gebe es laut Kerr eine Position im Team, die nur "auf ihn wartet". Wiggins' Debüt im Warriors-Trikot in der Nacht auf Sonntag machte durchaus Hoffnung. Bei der knappen Niederlage gegen die Lakers wusste der 2,01-Meter-Forward mit effizienten 24 Zählern (8/12 FG) und 5 Steals zu überzeugen.

Was allerdings gegen die neue Nummer 22 der Dubs spricht, ist eine nicht gerade kleine Stichprobe von knapp 450 Spielen, die Wiggins in seiner bisherigen Karriere in der Association mit der bereits angesprochenen Inkonstanz hingelegt hat. Der Blick auf das große Ganze hinterlässt einen blassen Eindruck.

Die Karrierestatistiken von Andrew Wiggins

Spiele/MinutenPunkteReboundsAssistsTurnoverFG%3FG%FT%
443/35,819,74,32,32,144,133,373,3

Andrew Wiggins: Der schlechteste Vertrag der Liga?

19,7 Punkte und 4,3 Rebounds im Schnitt sind solide, mehr auch nicht. Seine 2,3 Assists pro Partie über die gesamte Karriere kommen dagegen nicht an dieses Prädikat heran, auch wenn er sein Passing in den vergangenen Jahren immerhin etwas verbessert hat. In erster Linie besorgniserregend ist aber seine bestenfalls durchschnittliche Effizienz. Mit einem True-Shooting-Wert von 53,8 Prozent reicht es 2019/20 nur für den 284. Platz von 463 Spielern.

Zu Beginn der aktuellen Spielzeit spielte sich Wiggins noch in die Diskussionen um den Award als Most Improved Player. Dennoch dauerte es nicht lange, bis die Wolves-Fans in Wiggins statt eines zukünftigen Superstars doch nur wieder einen langsam verbrennenden Geldsack sahen. Sein Fünfjahresvertrag über 147,7 Millionen Dollar, der im Sommer 2018 in Kraft trat, gilt als einer der schlechtesten der kompletten Association.

Golden State Warriors bieten einmalige Situation

Die Warriors hoffen auf ihr gutes Umfeld, um der Karriere des 24-Jährigen neuen Schub zu geben - und auf seine neue Rolle. "In Minnesota musste er ein Star sein", erklärte Kerr. "Wir verlangen das nicht von ihm. Wir wollen, dass er eine Rolle in diesem Team spielt, das bereits einige Star-Spieler hat."

Genau von dieser verminderten Erwartungshaltung, einem insgesamt deutlich talentierteren Team und dem Warriors-System könnte Wiggins stark profitieren. An der Seite von Curry und Klay kann er sich berechtigte Hoffnungen auf eine Menge offene Würfe machen, seinen Catch-and-Shoot-Dreier trifft der Forward ordentlich (36,2 Prozent in 2019/20).

Dazu warten auf ihn mehr Off-Ball-Cuts, zahlreiche Transition-Möglichkeiten und in erster Linie eine deutlich geringere Last. Statt die Nr.1- oder Nr.2-Option in der Offensive zu sein, stellen sich die Dubs Wiggins mehr als eine Art Harrison-Barnes-Imitator vor. Auch defensiv hat der Kanadier zumindest das Potenzial, als Small-Ball-Vier zu agieren.

Andrew Wiggins: Seine letzte Chance in der NBA?

Mentale Aussetzer oder dass Wiggins von Spiel zu Spiel manchmal komplett unsichtbar ist, wird er sich in Golden State nicht erlauben können. "Er wird Draymond definitiv in seinem Ohr haben", kündigte Kerr an. "Auch auf einer positiven und motivierenden Art." Ähnliches ging allerdings auch schon in Minnesota mit Jimmy Butler schief.

Immerhin versüßen die 2021er-Picks der Wolves ein wenig das Risiko. Deren zukünftiger Erfolg mit KAT und D-Lo an der Spitze ist ebenfalls alles andere als garantiert, die Draft-Klasse 2021 wird zudem als deutlich ergiebiger gehandelt als die diesjährige. Doch sollte das Experiment in die Hose gehen, werden die Warriors aller Voraussicht nach auf Wiggins' heftigem Vertrag sitzen bleiben. Bis 2023 verdient er im Schnitt etwas mehr als 30 Mio. Dollar pro Jahr.

So hielt sich die Euphorie unter den Anhängern der Dubs erst einmal in Grenzen. Der Neuzugang hat bisher nicht viele Argumente geliefert, dass er das Stigma des ewigen Talents ablegen kann. In Golden State wird er mehr als ein paar gute Auftritte brauchen, um die Fans auf Wiggins-Island zu locken.

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