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NBA

Politik der kleinen Schritte

DeMarcus Cousins lobt die Arbeit der Sacramento Kings
© getty

Auf dem ersten Blick hat sich nicht viel verändert bei den Sacramento Kings. Die Kalifornier ließen mit Isaiah Thomas sogar den Shooting-Star ziehen und doch ist eine klare Strategie erkennbar. Aber wie lange haben die Kings Zeit?

Große Schritte macht in diesen Tagen nur einer in Sacramento. Sim Bhullar heißt er und ist die neueste Verpflichtung der Sacramento Kings. Der 2,26-Meter-Riese ist der erste indisch-stämmige Spieler in der NBA.

Ob Marketing-Gag oder solider Backup, wird sich noch zeigen müssen. Klar ist jedoch, dass auch mit dem Kanadier die Playoffs weiterhin in weiter Ferne liegen. Dem ebenfalls indisch-stämmigen Besitzer Vivek Ranadive ist es egal. Er feiert seine neueste Errungenschaft.

Boom durch Bhullar?

"Ich habe lange daran geglaubt, dass Indien die nächste großartige Bühne für die NBA ist. Die Hinzunahme von so einem talentierten Spieler wie Sim unterstreicht das riesige Wachstum, das in dieser Nation eingesetzt hat", erklärte Ranadive und gab offen zu, dass die Verpflichtung auch ein Businessgrund ist: "Er steht für viele Spieler, die aus dieser Region aufstreben werden, da das Spiel überall immer mehr Aufmerksam auf sich zieht und eine neue Generation indischer Fans generieren wird."

Dafür wäre allerdings auch Erfolg in der kalifornischen Hauptstadt keine allzu schlechte Grundlage. 2013 schlossen die Kings mit 28 Siegen ab, letzte Saison gab es das gleiche Ergebnis. Eine Entwicklung ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen und auch die diesjährige Offseason gibt erst einmal wenig Anlass, auf Besserung zu hoffen .

48 Stunden war die aktuelle Free Agency gerade mal eröffnet, da war den Kings-Anhängern klar, dass einer ihrer Lieblinge wohl nicht mehr zum Team gehören wird. Die Verpflichtung von Darren Collison sprach eine eindeutige Sprache: Restricted Free Agent Isaiah Thomas war in Sacramento abkömmlich.

Thomas verbittert

Dabei war der kleine Guard eine der wenigen positiven Erscheinungen der Vorjahres-Kings. 20,3 Punkte und 6,3 Assists legte der 60. Pick des 2011er Drafts durchschnittlich auf und schwang sich so in die Riege der besseren Point Guards der Liga auf.

Das sahen die Verantwortlichen in Sacramento ein wenig anders und zahlen Collison in den nächsten drei Jahren stattdessen stattliche 16,6 Millionen Dollar. Dem Collison, der zwar bei den L.A. Clippers eine starke Rolle als Backup hinter Chris Paul hinlegte, aber eben auch dem Collison, der nur ein Jahr zuvor nach schwachen Leistungen in Dallas geradezu vom Hof gejagt wurde.

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Thomas streicht künftig 27 Millionen Dollar ein - in Phoenix, Arizona. Der Point Guard fiebert bereits dem ersten Aufeinandertreffen gegen sein altes Team entgegen. "Ich sage jedem, ich liebe Sacramento. Ich habe Sacramento immer geliebt, aber wenn wir gegen sie spielen, werde ich Sacramento töten."

Nette Worte klingen anders. Die Enttäuschung sitzt noch tief beim Guard. Und nicht nur bei ihm. Die Fans sehen in Collison kein Upgrade. Zwar ist dieser größer - was auch nicht schwer ist - und defensiv stärker, doch den bereits erwähnten Schritt nach vorne macht man auch mit dem Ex-Clipper nicht. Es ist die solide Lösung, die Lösung, die am wenigsten Risiko birgt. Und nach diesem Motto gingen die Kings auch den Draft an.

Wenig Risiko im Draft

Mit Nik Stauskas wählte General Manager Pete D'Allesandro an achter Stelle den Spieler mit dem geringsten Bust-Potenzial. Beim Shooter weiß man, was man bekommt. Großartige Fantasie weckt der Michigan-Absolvent aber auch nicht. Dabei ist es gerade für Small-Market-Teams wie Sacramento elementar, ihre Stars über den Draft zu generieren. Große Free Agents werden den Weg eher selten nach Nordkalifornien finden.

Doch bei aller Kritik an den Kings, ein Plan ist deutlich erkennbar. Sacramento legt großen Wert drauf, flexibel zu bleiben. Collisons Vertrag läuft ein Jahr kürzer als Thomas' neues Arbeitspapier bei den Suns. Neben dem Spielmacher haben nur DeMarcus Cousins und Carl Landry garantierte langfristige Verträge.

Die Tatsache, dass Rudy Gay nicht aus seinem Vertrag ausgestiegen ist und lieber noch eine Saison die garantierten 19,3 Millionen Dollar einstreicht, bringt das Front Office in die komfortable Situation, den Forward über eine komplette Saison zu evaluieren.

Spielt Gay weiterhin so effektiv wie seit seiner Ankunft in Sacramento, winkt dem Ex-Raptor eventuell der nächste große Vertrag. Das hätte vor der letzten Saison sicher auch niemand für möglich gehalten. Ob dieser Vertrag dann das Logo der Kings ziert, bleibt abzuwarten. Bei starken Leistungen dürfte ihm zwar in Sacramento der dickste Kontrakt winken, aber nach Jahren im Niemandsland der NBA wird auch Gay sicher gerne mal die große Bühne der Liga betreten wollen.

Cousins ist zufrieden

Es hängt an D'Allesandro, seinen Schützling vom Weg der Kings zu überzeugen. Bei Cousins ist dies bereits gelungen. Der potenzielle Superstar lässt sich das zwar mit 65,6 Millionen Dollar in den nächsten vier Jahren versüßen, aber anders als zu Zeiten der unbeliebten, ehemaligen Besitzer aus dem Hause Maloof ist er voll des Lobes über das Front Office.

"Wisst ihr wie sich das anfühlt? Seit Vivek, Pete, Michael (Malone), Mullie (Chris Mullin), Mitch (Richmond) und diese Jungs durch die Tür gekommen sind, gehen die Dinge nach oben. Ich stehe absolut hinter ihnen", sagte der Center dem "Sacramento Bee".

Mitch Richmond: Zur falschen Zeit am falschen Ort?

Dabei liegt weiterhin eine Menge Arbeit vor ihnen. Das Roster ist auf beiden Forward-Positionen weiterhin unausgereift. Einen starken Power Forward mit Gardemaß sucht man im Kader vergeblich. Derrick Williams und Rookie Eric Moreland sind zu klein oder zu schmächtig, Reggie Evans und Jason Thompson zu alt oder zu ungelenk. Dafür herrscht Stau auf der Small-Forward-Position. Die Rückkehr des Langzeitverletzten Carl Landry verstärkt diesen Effekt, wenngleich der ehemalige Warrior auch auf der Vier auflaufen kann.

Coach Mike Malone plant daher das einzig Richtige. Er will das Tempo erhöhen und sein Team so mehr ins Laufen bringen, das Größen-Defizit in einen Geschwindigkeitsvorteil umwandeln. Rückkehrer Omri Casspi soll zusammen mit Stauskas das Spacing-Problem lösen.

Ein Superstar per Trade?

Eventuell wird der Rookie sogar phasenweise als Small Forward agieren. In der Summer League funktionierte das im Zusammenspiel mit Ben McLemore durchaus ordentlich. Der Sophomore muss nun aber den nächsten Schritt gehen. Der Shooting Guard besitzt einen spektakulären Zug zum Korb, sein Wurf (37,5 Prozent aus dem Feld) bleibt dagegen wacklig.

Dazu reißen die Trade-Gerüchte um seine Person nicht ab. Die Kings sollen großes Interesse an Bostons Rajon Rondo haben und bereit sein, McLemore und Williams im Gegenzug nach Beantown zu schicken. Detroits Power Forward Josh Smith soll auch auf dem Zettel stehen. Tradematerial tummelt sich im Kader bekanntlich zuhauf.

Aktuell ist zwar nichts spruchreif, aber wie bereits in der Vorsaison bleibt Sacramento wachsam und aggressiv auf dem Markt. Nur so bekommt man Stars ins Team - wie eben Gay. Es ist diese Kreativität, diese Aktivität, die Cousins am Front Office lobt. Und so ist dann irgendwie doch ein Fortschritt erkennbar - auch wenn die Schritte klein bleiben.

Der Kader der Sacramento Kings

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