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NBA

"Darf mich nicht verrückt machen lassen"

Von Interview: Haruka Gruber
Dennis Schröder überzeugte für die Hawks in der Summer League - vor allem als Assistgeber
© getty

Der Hype um Dennis Schröder erreicht die USA - doch er selbst verwehrt sich dem Rummel. Im Exklusiv-Interview mit SPOX spricht der 19-Jährige über die Summer League, seine Dreier-Schwäche und die verspätete Deutschland-Rückkehr. Außerdem: Der No.-17-Draft Pick über seinen neuen Lieblingspartner bei den Atlanta Hawks.

SPOX: Dennis, mit einer 1-4-Vorrunden-Bilanz ist Atlanta in der Summer League in Las Vegas vorzeitig ausgeschieden, Sie selbst haben hingegen überzeugt. Wie lautet das Fazit?

Dennis Schröder: Leider haben wir nicht so oft gewonnen, wie wir es uns erhofft hatten. Allerdings ist die Bilanz am Ende nebensächlich, es geht vielmehr darum, ein Gefühl für die Mannschaft und die Mitspieler zu bekommen. Über allem stand das Lernen. Daher waren die Spiele sehr wichtig für mich. Ich lernte die Coaches und den Staff besser kennen, genauso die Spielsysteme. Die Woche in Las Vegas hat mich definitiv weitergebracht. Ich glaube, ich habe mein Spiel an den US-Stil angepasst.

Summer League: SPOX-Zeugnisse für Schröder und Harris

SPOX: Die US-Medien zeigen sich begeistert von Ihren Leistungen. Wie viel bekamen Sie vom Buzz mit?

Schröder: Ich merkte schon, dass das Interesse zunehmend größer wurde und mehr Journalisten etwas von mir wissen wollten. Es ist generell in den letzten Wochen sehr, sehr viel passiert. Umso wichtiger ist es für mich, mich noch mehr als sonst schon auf den Basketball zu konzentrieren und mich nicht verrückt machen zu lassen. Mir ist klar: Es war nur die Summer League und ich habe noch nichts geleistet in der NBA!

SPOX: Der alte und zukünftige Starting Point Guard Jeff Teague sagte ebenfalls, dass die Summer League ein "different animal" ist - er dennoch beeindruckt war, wie gut Sie spielten. "Ich sehe sehr viel von mir in Dennis", sagt Teague. Wie ist Ihr Verhältnis?

Schröder: Ich freue mich schon unheimlich, mit ihm zu trainieren und Zeit zu verbringen. Ich kann bestimmt sehr viel von ihm lernen, wenn ich als Backup für ihn ins Spiel komme oder wir sogar gleichzeitig auf dem Court stehen. Er suchte bereits das Gespräch mit mir und bot mir an, dass ich ihn jederzeit anrufen kann, sollte ich Fragen haben.

SPOX: Mit Center-Talent Lucas Nogueira, auch diesen Sommer gedraftet, scheinen Sie sich ebenfalls gut zu verstehen. Können sie beide das Pick'N'Roll-Duo der Zukunft bilden?

Schröder: Lucas ist ein super Typ. Wir haben vieles gemeinsam: Wir kommen aus dem Ausland, sind sehr jung - und wurden im selben Jahr gedraftet. So etwas verbindet. Und spielerisch ergänzen wir uns tatsächlich sehr gut. Er erinnert mich ein wenig an Daniel Theis...

SPOX: ... der seit 2012 in Ulm spielt, aber seit der Jugend zu Ihren engsten Freunden gehört.

Schröder: Wie mit Daniel in Braunschweig muss ich den Ball nur in die Luft werfen und Lucas kommt angeflogen, fängt und dunkt per Alley-oop. Hoffentlich geht das in der NBA so weiter. (lacht)

SPOX: Sie gelten nicht unbedingt als Prototyp des Floor General - und waren entgegen des Rufs bei der Summer League in Las Vegas mit 5,6 Assists sogar der beste Passgeber. Sieht man von Dwight Buycks und dessen 7,0 Vorlagen ab. Der Raptors-Guard bestritt jedoch nur 2 Spiele.

Schröder: Die 5,6 Assists sollte man nicht zu hoch hängen. In der Summer League wird viel großzügiger einem ein Assist zugeschrieben als in der BBL. Trotzdem ist es schön, dass die Leute erkennen, dass ich gerne meine Mitspieler einsetze. Ich habe schon immer sehr gerne gepasst.

SPOX: Fraglich war zudem, ob Sie sich körperlich mit den bulligen US-Point-Guards messen können. Wobei: Speziell Ihre Defense war beeindruckend, welche Rookie-Gegenspieler CJ McCollum explizit lobte. Überraschten Sie sich selbst?

Schröder: Nicht wirklich, ich verteidige immer sehr leidenschaftlich. Dennoch weiß ich nach der Summer League, dass ich den gesamten Sommer vor allem an meiner Physis arbeiten und Muskeln zulegen muss. Ich will außerdem noch schneller und explosiver werden.

SPOX: Einziger Kritikpunkt: die Wurfquote. Sie erzielten zwar 10,8 Punkte, trafen allerdings nur 29,2 Prozent der Dreier.

Schröder: Davon lasse ich mich nicht verunsichern. Ich kann gut werfen und die Coaches versicherten mir, dass ich mir darüber keine Sorgen machen soll. Ich musste mich auf so viele andere Facetten des Basketballs konzentrieren und auf die richtige Umsetzung achten. Ich werde parallel natürlich weiter an meinem Wurf arbeiten.

SPOX: Wie eng ist die Beziehung zu Headcoach Mike Budenholzer?

Schröder: Der Coach lässt sich mit einem Wort beschreiben: super! Wir reden sehr viel und haben ein gutes Verhältnis. Er hatte früher schon den jungen Tony Parker in San Antonio trainiert. Daran sieht man, wie sehr ich von ihm profitieren kann.

SPOX: Gibt es auch Tipps von Dirk Nowitzki seit dem Draft?

Schröder: Wir schreiben uns ab und zu.

SPOX: Sie erleben derzeit das Gleiche wie lange Jahre Nowitzki: Sie müssen die Verpflichtungen in der NBA und der deutschen Nationalmannschaft in Einklang bringen. Vom DBB wurden Sie für das zweite EM-Vorbereitungslager, das am 22. Juli in Fulda begann, angekündigt. Doch Sie sind noch in den USA. Warum?

Schröder: Ich konnte und wollte nicht sofort abreisen, weil ich mit den Hawks einiges zu besprechen habe. Unter anderem, wie es die nächsten Wochen weitergeht.

SPOX: Droht etwa ein Veto der Hawks, weil Atlanta es lieber möchte, dass Sie sich gezielt auf die NBA-Saison vorbereiten?

Schröder: Atlanta unterstützt mich sehr.

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