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Die Suche nach dem Franchise-Retter

Von Roman John
Connor Cook spielt Quarterback für die Michigan State University
© getty

Vor dem kommenden Draft werden bei den Quarterbacks vier Namen als frühe Picks heiß diskutiert: Connor Cook, Jared Goff, Paxton Lynch und Carson Wentz. Doch was macht diese Spieler aus? Welche Qualitäten bringen sie mit, wo haben sie ihre Schwächen? Page 2 wirft einen genaueren Blick auf die Jungs.

"Hat man keinen Quarterback, so sucht man nach einem." So heiß es in der NFL. Ohne einen gescheiten Werfer kann man gerade zur heutigen Zeit nicht besonders viel reißen. Das dürfen aktuell gerade die Browns, Rams, 49ers oder Texans erfahren. Entsprechend hoffen deren Fanlager darauf, dass man sich auf der Position im kommenden Jahr verbessern kann - zum Beispiel im Draft.

Über den Verlauf der Saison sind dabei vier Spieler in den Vordergrund gerückt, die durch ihre Leistungen oder Fähigkeiten auf sich aufmerksam gemacht haben. Die Namen, die man fast immer hört, wenn die talentiertesten Quarterbacks im kommenden Draft diskutiert werden, sind Connor Cook, Jared Goff, Paxton Lynch und Carson Wentz.

Den meisten NFL-Fans sind die Namen vielleicht bekannt, welche Spieler dahinterstecken aber nicht. Heute möchte ich den Vorhang ein wenig lüften, die Spieler kurz vorstellen und Vergleiche mit aktuellen NFL-Spielern anstellen. Beginnen wir dabei mit dem aktuellen Gewinner des "Johnny Unitas Golden Arm Awards" für den besten Senior oder RS Junior Quarterback am College: Connor Cook.

Connor Cook, Michigan State - 6'4'', 220 Pfund - NFL-Vergleich: Jay Cutler

Cook überzeugt mit vielen Qualitäten, die Scouts in einem Spielmacher suchen. Er besitzt eine ideale Größe und Statur, einen kräftigen Wurfarm und er spielt als Pocket Passer in einer Pro-Style Offense. Er zeigt eine gute Fußarbeit und eine schnelle, kompakte Release. Seine Athletik ist gut für einen Pocket Passer und er kann sich mit seinen Läufen extra Zeit erkaufen. Die Genauigkeit in seinen Pässen ist vernünftig und er beherrscht ein gutes Ball Placement.

Auf der anderen Seite spielt er wahnsinnig inkonstant. Mal wirft er seine Pässe direkt in die Hände seiner Receiver, mal wirft er sie mehrere Meter vorbei. Gerade unter Druck oder wenn er am Laufen ist, wirkt er nervös und seine Genauigkeit wird sehr wackelig (dieses Jahr brachte er nur 56,9 % seiner Pässe an den Mann; er erreichte nie mehr als 58,7 % über eine Saison). Zu oft hängt er in seiner Progression am ersten Read fest, starrt Receiver zu lange an und zwingt gerne Pässe zu gedeckten Mitspielern.

Cook beim Footballspielen zuzusehen ist sehr frustrierend. Würfen bei denen man ins Staunen gerät lässt er Würfe folgen, bei denen man sich nur an den Kopf fassen kann. Dazu gibt es schon das ganze Jahr über Berichte, nach denen er nicht der einfachste Charakter ist.

Er wurde vor der Saison von seinen Mitspielern nicht zum Teamkapitän gewählt worden und zeigte sich zuletzt bei einer Trophäenverleihung respektlos. Die NFL Teams mit ihren investigativen Fähigkeiten werden die genauen Hintergründe kennen und Kevin Costner hat bestimmt schon bei seinem Coach Mark Dantonio angerufen, um zu fragen, ob seine Mitspieler bei seiner Geburtstagsfeier anwesend waren.

Für ihn spricht seine Bilanz. In den letzten drei Jahren verloren seine Spartans nur vier Spiele und gewannen gleichzeitig ihre beiden Bowl Games 2013 und 2014. Dieses Jahr ist man in die Playoffs eingezogen, wo man im Halbfinale gegen Alabama antritt. Rein sportlich sehe ich ihn in der zweiten Runde, sollte an seinem fraglichen Charakter etwas dran sein, könnte er aber noch weiter abrutschen.

Jared Goff, California - 6'4'', 210 Pfund - NFL-Vergleich: Teddy Bridgewater für Arme

Zu Beginn der Saison galt Goff als sicherer Top-Ten-Pick, nachdem er gegen schwache Konkurrenz teilweise überragenden Football spielte. Im späteren Saisonverlauf kühlte sich der Hype aber merklich ab, als stärkere Gegner seine klaren Schwächen offenbarten. Sollte er sich im kommenden Jahr zum Draft anmelden, würde er aber den Quarterback mit den wenigsten Fragezeichen darstellen.

Goff ist technisch schon sehr weit als Quarterback. Er zeigt eine sehr gute Fußarbeit, und eine Genauigkeit in seinen Würfen, mit der er auch enge Fenster regelmäßig treffen kann. Im Arm besitzt er die Kraft, um alle Würfe zu machen und unter Druck bleibt er in der Regel cool. Er hängt nicht zu lange am ersten Read fest, sondern geht schön durch seine Progression.

Er bleibt ruhig in der Pocket und fängt nicht unnötig zu laufen an, auch wenn er die Athletik besitzt, um Gegenspielern davonzulaufen. Er kann mit Antizipation werfen und man sieht ihn immer wieder Würfe machen, wie sie in der NFL oft (und am College selten) gefragt werden. Hin und wieder sieht man ihn auch schon Defenses ausgucken.

Auf der negativen Seite steht bei Goff zuallererst seine Statur. Auf dem Feld sieht es so aus, als wären die 6'4'' mit einem sehr großzügigen Zollstock gemessen worden. Dazu wirkt er sehr schmal, was zu Problemen führen könnte, wenn er viele Hits einstecken muss. Dies war auch vor zwei Jahren ein Kritikpunkt bei Teddy Bridgewater, den ich bei ihm aber nicht so schwerwiegend gesehen hatte. Bridgewater zeigte nämlich am College eine deutlich bessere Pressure Awareness als es bei Goff der Fall ist.

Viel zu selten nimmt er freie Blitzer wahr, viel zu selten realisiert er, dass einer seiner Blocker geschlagen wird. Dadurch steckt er immer wieder unnötige, vermeidbare Hits ein, die in Kombination mit seinem schmächtigen Körperbau zu einem größeren Problem werden könnten. Die vielen Hits, die er nicht kommen sieht, führen auch zu vielen Fumbles - seine Ball Security in der Pocket sollte sich noch verbessern. Stichwort Ball Security: Hin und wieder scheint er Gegenspieler unterhalb der Routen seiner Receiver zu übersehen, was schnell in Interceptions enden kann. Außerdem will er gerne zu viel und fängt an, Plays zu erzwingen, die nicht da sind.

Als Jared Goff zu den California Golden Bears stieß, war das Team am Boden. 2012 gewann man ganze drei Spiele. Goff war dann der erste Quarterback in der Geschichte der Universität, der als True Freshman im ersten Saisonspiel als Starter auflief. In den letzten drei Jahren mit Goff verbesserte man sich von einem auf fünf und schließlich sieben Saisonsiege und eine Bowl-Teilnahme (am 29.12. gegen Air Force) in diesem Jahr. Trotz seiner Fehler sehe ich ihn weiterhin als Erstrundenpick, wenn auch erst ab Mitte der Runde. Wenn er seine Wahrnehmung von Druck nicht verbessert, kann seine Karriere als Starter aber auch eine sehr kurze werden.

Paxton Lynch, Memphis - 6'7'', 245 Pfund - NFL-Vergleich: Joe Flacco

Paxton Lynch hatte seinen großen Auftritt in diesem Jahr, als er mit seinen Memphis Tigers die hoch favorisierten Ole Miss Rebels 37:24 schlug. Seine Statistiken aus diesem Spiel: 39 von 53 (73,6 %), 384 Yards, 3 TDs, 1 INT.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die breite Öffentlichkeit davon ausgegangen, dass der Redshirt Junior noch ein weiteres Jahr am College bleiben würde, nach diesem Auftritt und dem damit verbundenen raketenhaften Aufstieg scheint seine Anmeldung zum Draft eine sichere Sache.

Rein körperlich sieht Lynch so aus, als hätte man ihn als den idealen Quarterback im Labor erschaffen. Groß, kräftig und mit einem guten Arm ausgestattet. Dazu ist er überraschend athletisch, sieht gut bei Rollouts aus und erreicht regelmäßig First Downs per Lauf. Er kann gut mit Power aber auch mit Touch werfen und zeigt ein gutes Ball Placement. Durch seinen Körperbau geht er nicht schnell zu Boden und er zeigt auch unter Druck keine Nervosität. In jedem Spiel zeigt er Würfe, die einen in Staunen versetzen. Er bringt eine wahnsinnig hohe Upside mit.

Gleichzeitig ist er in seinem Spiel noch recht unreif. Seine Fußarbeit und ein Stück weit daraus resultierend seine Passgenauigkeit sind noch ausbaufähig. Gerade bei Rollouts muss er noch daran arbeiten, seinen Körper vor dem Wurf besser zu positionieren. Er wirft meistens zu seinem ersten Read, was dazu führt, dass er hin und wieder in Doppel- oder sogar Dreifachdeckung wirft.

Paxton Lynch ist ein Quarterback, bei dem vor allem Scouts ins Schwärmen geraten werden, weil sie sehen, was für ein Spieler aus ihm werden könnte. Andererseits hat er noch einen recht weiten Weg vor sich. Abgesehen von dem Spiel gegen Ole Miss hat er in diesem Jahr gegen kein Team aus einer Power Five Conference gespielt (Kansas wird hierbei einfach mal weggelassen, weil sie qualitativ nichts in der Big 12 verloren haben).

Sein TD:INT-Verhältnis von 28:3 ist absolut fantastisch, die NFL ist aber eine andere Hausnummer. Aufgrund seiner Upside könnte er als erster Quarterback vom Board gehen, auch wenn Goff Stand jetzt der bessere Spieler ist. Er sollte irgendwann in der ersten Runde gezogen werden.

Carson Wentz, North Dakota State - 6'6'', 235 Pfund - NFL-Vergleich: Mike Glennon

Wentz' letzte Saison am College hätte sicher glücklicher verlaufen können. Nachdem die North Dakota State Bison bereits die FCS Championship 2011, 2012 und 2013 gewonnen haben, legten sie 2014, dem ersten Jahr mit Wentz als Starter, den vierten Titel in Serie nach. Mit entsprechend hohen Erwartungen ging man in die aktuelle Saison. Diese Erwartungen erhielten einen herben Dämpfer, als Wentz sich im sechsten Saisonspiel sein Handgelenk brach. Das Team fing sich dennoch und erreichte die Playoffs. Ohne Wentz zog man ins Halbfinale gegen Richmond ein, wo er am kommenden Wochenende wieder zum Einsatz kommen könnte.

Wie schon Lynch oder Wentz' NFL-Pendant Mike Glennon besitzt Wentz ideale Maße für einen Quarterback gepaart mit einem kräftigen Wurfarm und einer kompakten Release. In der FCS ist er auch regelmäßig als Runner erfolgreich, der nur schwer zu Boden zu bringen ist, wobei er es in der NFL nicht ganz so einfach haben wird.

Er bleibt ruhig und leichtfüßig in der Pocket und man sieht ihn oft ein, zwei Schritte nach vorne machen, um Druck auszuweichen, anstatt gleich komplett loszulaufen. Wenn er am Scramblen ist, behält er die Augen oben auf der Suche nach Receivern und kurze Pässe aus dem Laufen heraus bringt er sicher an den Mann.

Insgesamt ist seine Passgenauigkeit aber inkonstant, was auch an einer etwas merkwürdig daherkommenden Fußarbeit beim Wurf liegt. Nur selten trifft er Würfe in enge Fenster. Hinter einer starken Offensive Line gerät er dazu nur selten unter Druck. Eine Tatsache, die er auch gerne ausnutzt, denn er braucht oft etwas länger, um einen offenen Receiver zu finden oder eine Entscheidung zu treffen. Wenn er mal unter Druck gerät, hat er Schwierigkeiten, ein offenes Scheunentor zu treffen.

Als ich vor einigen Tagen gelesen habe, dass nach Meinung eines NFC Scouts Carson Wentz eines der zwei besten Quarterback-Talente des kommenden Drafts wäre, habe ich ihn mir auch einmal angesehen. Nachdem ich mir alle sechs seiner Spiele aus diesem Jahr angesehen habe, sind meine Bedenken aber so groß, dass ich ihn nicht vor der dritten Runde sehe (wo auch Glennon gezogen wurde).

Wentz ist noch unreif und hat einen weiten Weg vor sich. Zu seinen Gunsten kann man in Frage stellen, wie gut sein Quarterback-Coaching in der FCS war. Außerdem hat er mehrfach Auszeichnungen für seine akademischen Leistungen erhalten - Intelligenz und Arbeitseifer scheint er zu haben. Er könnte von seinen Anlagen her ein Franchise Quarterback werden. Der Weg dorthin ist aber noch so weit, dass er wahrscheinlicher "nur" ein guter Backup wird.

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