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Olympia

Olympia - Vater von Goldringerin Rotter-Focken im Interview: "Haben insgeheim mit Gold gerechnet"

Von Tim Ursinus
Gewann als erste deutsche Frau Gold im Ringen: Aline Rotter-Focken.

Aline Rotter-Focken schrieb mit dem letzten Kampf ihrer Karriere Geschichte. Die Krefelderin krönte sich in der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm zur ersten deutschen Olympiasiergin im Ringen. Im Interview mit SPOX spricht ihr Vater und ehemaliger Trainer, Hans-Georg Focken, über den Erfolg und die Zukunft der 30-Jährigen.

Schon der Finaleinzug war ein historischer Erfolg und sicherte dem deutschen Frauen-Team die erste Olympia-Medaille überhaupt.

Rotter-Fockens Vater glaubt allerdings nicht, dass in der nahen Zukunft bei Olympia weitere Medaillen hinzukommen werden. Außerdem erklärt er, warum mit diesem Erfolg zu rechnen war.

Gratulation zum Olympia-Sieg Ihrer Tochter. Wie haben Sie zuhause den Triumph gefeiert?

Hans-Georg Focken: "Meine Frau und ich haben auf der Couch gesessen, meine Schwester und Mutter sind dann dazugekommen. Es lief ganz entspannt und ruhig ab, weil mit so einem großen Trubel wie beim Public Viewing schaue ich mir die Kämpfe nicht so gerne an. Ich muss mich da konzentrieren und mit Verstand herangehen, sonst macht mir das keinen Spaß. Mir ist das sonst zu stressig. Normalerweise bin ich zu den Turnieren immer mitgefahren."

Waren Sie sich sicher, dass sie das Finale gewinnt?

Focken: "Sicher kann man nicht sagen, aber ich habe es vermutet und gehofft. Von der Einstellung und vom Kopf her war die Zeit gekommen. Sie hat mental und körperlich nochmal richtig zugelegt. Das konnte man ihr schon anmerken. Ich habe damit gerechnet, dass sie eine Medaille holt. Insgeheim auch Gold. Aber vorher sage ich sowas ungerne, weil das schon oft genug nach hinten losgegangen ist. Beim Ringen kann alles passieren, wie man bei Frank Stäbler gesehen hat. Ein Fehler und die Goldene ist weg."

Sie war perfekt von ihren Trainern eingestellt, hieß es danach. War der Vater daran auch beteiligt? Hatten Sie Kontakt?

Focken: "Sie hat einen sehr guten Trainer. Wir reden viel miteinander. Bis vor ein paar Jahren habe ich das Training noch komplett mitgemacht. Nach Rio 2016 habe ich mich etwas zurückgezogen, weil ich nicht nochmal vier beziehungsweise fünf Jahre in Turnhallen verbringen wollte. Sie hat ihre Wege nun selber gemacht und wusste, was sie wollte und war zuletzt noch ehrgeiziger als ich. Sie hat sogar ein schlechtes Gewissen, wenn sie das Training ausfallen ließ. Da brauche ich nicht mehr viel mitmachen, außer mal eine Kampfanalyse per Video. Ab und zu bin ich mal beim Training dabei und gebe den ein oder anderen Tipp. Aber nicht mehr in dem Maße wie früher."

Focken: "Es wird dauern, bis jemand wieder so erfolgreich ist"

Welche Bedeutung hat die Goldmedaille für das Ringen?

Focken: "Ich bin inzwischen im Nachwuchs tätig. Da gibt es auch genug, die Lust haben. Aber trotzdem wird hoffentlich ein Boom kommen - gerade bei den Mädchen. Die Bedeutung ist nach diesem historischen Erfolg natürlich riesig. Deutschland hat im Frauenbereich noch nie eine Medaille geholt. Wir waren eigentlich schon nach dem Einzug ins Halbfinale begeistert. Davon wird sie auch ihr Leben lang zehren."

Wie steht es um die deutsche Zukunft im Ringen?

Focken: "Ich denke, dass es eine Weile dauern wird, bis mal wieder jemand so erfolgreich ist. Da sind wenige bereit, in diesem Maße Zeit zu opfern und jede freie Minute zu trainieren. Heute haben die Kinder zu viele andere Dinge, die sie beschäftigen. Andere Nationen sind da weiter. In Russland gibt es pro Klasse 10, 15 Leute, die Weltmeister werden könnten. Die machen ihre eigenen Ausscheidungsturniere, um zu ermitteln, wer überhaupt zu den Spielen fährt. Bei uns sind es einzelne."

Wehmut, dass es der letzte Kampf Ihrer Tochter war?

Focken: "Mit einem besseren Ende kann man eine Karriere nicht beenden. Aline wird auf eine Art auch froh sein. Das Ergebnis lässt sich nicht mehr toppen. Sie hat bei zwei Olympiaden mitgemacht. Die Vorbereitungen darauf (insgesamt drei; Anm. d. Red.) sind sehr hart, weil man alles andere hinten anstellen muss. Urlaub und Familienplanung mit ihrem Mann bleibt da auf der Strecke. Sie ist jetzt 30 und wenn man es zu lange macht, gibt es irgendwann nichts mehr anderes. Es gibt auch noch andere Dinge auf der Welt."

Olympiasiegerin in der Familienplanung: "Ich wünsche mir einen Enkel"

Wie geht es weiter für Aline? Als Sporttherapeutin war sie tätig, was jetzt?

Focken: "Sie hat Angebote vom DRB (Deutscher Ringer-Bund; Anm. d. Red.), wo sie dann organisatorische Dinge übernimmt und ein bisschen im Trainerbereich arbeiten kann. Sie kann dann von überall aus arbeiten. Auch bei mir wird sie aushelfen, das hat sie bis vor drei Jahren noch regelmäßig. Nach ihrem Umzug nach Triberg ist es aber weniger geworden. Der Schwerpunkt liegt nun aber auf der Familie und Reisen. Ich hoffe, dass ich von meiner Tochter auch noch einen Enkel bekomme. Von meinem Sohn habe ich ja bereits zwei Jungs."

Wie werden Sie die Olympiasiegerin in Deutschland empfangen?

Focken: "Am Donnerstag hole ich sie ab und am Freitag haben wir in Krefeld eine Feier in der Halle vorbereitet. Da wollen mit Sicherheit jede Menge Leute gratulieren. Wenn auch nur aus der Distanz wegen Corona. Bei ihr Zuhause wird es auch einen Empfang geben und dann wird sie wegen Interviews und Auftritten wahrscheinlich eine ganze Zeit unterwegs sein (lacht)."

 

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