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Olympia

Olympia-Kommentar: Das Eishockey-Turnier ist ein Albtraum

Das DEB-Team schaffte es in Peking nicht mal ins Viertelfinale.

Deutschland ist schon vor dem Viertelfinale krachend gescheitert, das olympische Eishockey-Turnier ist aber nicht nur wegen der DEB-Enttäuschung ein einziger Albtraum. Ein Kommentar.

Das olympische Eishockey-Turnier ist eigentlich eines der absoluten Highlights bei Winterspielen. Je nach Vorlieben für viele sicher sogar das mit Abstand größte Highlight.

Wenn die Winterspiele eines Tages nochmal in München ausgetragen werden sollten, werde ich mich zwei Wochen lang in der Eishalle einschließen und mich nicht mehr fortbewegen!

Der Moment, als Sidney Crosby bei den Winterspielen 2010 in Vancouver Team Canada im Finale gegen die USA in der Overtime zur Goldmedaille schoss, ist einer dieser Momente, den jeder Eishockey-Fan sein Leben lang nicht mehr vergisst.

Das olympische Eishockey-Turnier von Peking wird einem leider keinen solchen Moment bescheren. Im Gegenteil: Dieses Turnier ist ein einziger Eishockey-Albtraum.

Das geht schon damit los, dass zum zweiten Mal in Folge die NHL-Stars fehlen und so dem Turnier fast der komplette Reiz genommen wird. Das olympische Eishockey-Turnier ist genau deshalb so ein Genuss, weil in der Theorie alle Länder im Gegensatz zur WM mit all ihren Superstars auflaufen. Das will ich sehen!

"China" beim Eishockey ein schlechter Witz

Und das wollen auch alle Stars sehen. Man wird in der NHL keinen Superstar finden, der aktuell nicht lieber in China wäre, als Regular-Season-Spiele in der NHL auszutragen, Leon Draisaitl ganz vorneweg. Jetzt werden viele sagen: Aber wir hatten doch vor vier Jahren das deutsche Silbermärchen von Pyeongchang.

Das ist natürlich richtig. Die sensationellen Auftritte des DEB-Teams haben das Turnier damals zu etwas ganz Besonderem gemacht. Aber natürlich war es bei allem Respekt vor der unfassbaren Leistung nicht das Gleiche wie mit einer Beteiligung der NHL-Spieler.

Das sehen die deutschen Spieler ja selbst so. Kapitän Mo Müller erklärte sehr eindrücklich im SPOX-Interview, dass er es so gerne gesehen hätte, wenn die NHL-Stars dabei gewesen wären. Aufgrund der Corona-Pandemie und des in der Folge aus den Fugen geratenen NHL-Spielplans war das leider nicht wie erhofft möglich. Es ist einfach bitter.

Das Turnier ist aber nicht nur deswegen so wenig fesselnd. Nehmen wir die bizarre chinesische Mannschaft, oder Team Canada 2, wie man sie treffender bezeichnen sollte. Kapitän ist der ehemalige kanadische DEL-Spieler Brandon Yip, sorry, Ye Jinguang, wie er in diesen Tag heißt. Und der Goalie ist US-Boy Jeremy Smith, ähm, Jieruimi Shimisi. Es ist eigentlich ein schlechter Witz.

DEB-Team: Wo war denn hier bitte der Spirit?

Hätte das deutsche Team wieder eine Euphorie entfachen können, hätte man auch darüber hinwegsehen können, aber das Team von Bundestrainer Toni Söderholm hat es gerade mal geschafft, dieses China mit 3:2 zu bezwingen.

Das sagt eigentlich schon alles über das enttäuschende und am Ende sogar etwas peinliche Auftreten des Teams. Warum auch immer war von dem Team, das uns in den vergangenen Jahren so viel Spaß gemacht hat, in Peking vom ersten Spiel an nichts zu sehen.

Besonders schlimm und irgendwie erschütternd: Es fehlte komplett der Spirit und der Kampfgeist, obwohl dieser das DEB-Team doch immer so auszeichnet. "Es gibt keine Mannschaft, die so aufopferungsvoll spielt wie die deutsche", hatte Peter Draisaitl vor knapp zwei Monaten gegenüber SPOX gesagt.

Und er hatte Recht. Aber für dieses Turnier galt das leider überhaupt nicht. Das frühe Aus und vor allem die Art und Weise ist ganz klar ein herber Rückschlag für das deutsche Eishockey, das Viertelfinale hätte man mit diesem Kader zwingend erreichen müssen. Und es wäre an sich sicher auch mehr möglich gewesen, wenn man sich die Kader der anderen Mannschaften anschaut, die einen - vielleicht abgesehen von Russland - wirklich nicht vom Hocker hauen. Es war eigentlich alles angerichtet, das macht es so frustrierend.

Aber, und das ist extrem wichtig an dieser Stelle festzuhalten und zu betonen: Selbst dieses unerklärliche Ausscheiden ändert nichts daran, dass die Entwicklung im deutschen Eishockey weiterhin positiv ist.

DEB-Team muss Toni Söderholm unbedingt halten

Deutschland steht nicht aus Zufall in der Weltrangliste aktuell auf Rang fünf, man hat sich über die letzten Jahre diesen Rang erarbeitet. Es ist wahrscheinlich so viel Talent im deutschen Eishockey vorhanden wie noch nie zuvor.

Die meisten Sportfans werden inzwischen mitbekommen haben, dass Deutschland mit Leon Draisaitl einen der Top-5-Spieler auf der Welt stellt. Aber das ist längst nicht mehr alles. Der 20-jährige Moritz Seider spielt bei den Detroit Red Wings ein sensationelles erstes Jahr in der NHL und könnte, ja, er sollte den Rookie-of-the-Year-Award gewinnen. Es gibt einen Tim Stützle, der sich in Ottawa zum Star entwickeln wird. Es gibt einen Lukas Reichel. Und und und.

Um diese Entwicklung konsequent fortzuführen, wäre es extrem wichtig, dass der DEB Söderholm halten kann (Vertrag läuft nach der WM 2022 aus), der Finne ist mit seinem Know-how ein absoluter Glücksfall für das deutsche Eishockey. Die Mannschaft ist jetzt mal "auf die Schnauze gefallen", wie es Korbinian Holzer ausgedrückt hat. Jetzt gilt es, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und weiter am Team für die Zukunft zu bauen.

Mit dem Fernziel Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo. Dort sollen die NHL-Stars planmäßig dann auf jeden Fall dabei sein, im Gegensatz zu China, und alleine deshalb wird einem das olympische Eishockey-Turnier in vier Jahren zum Glück auch nicht mehr wie ein Eishockey-Albtraum vorkommen.

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