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UFC

UFC - Aleksandar Rakic im Interview: "UFC-Kämpfer sind sehr unterbezahlt"

Von Carl Neidhart
Aleksandar Rakic hat gegen Thiago Santos gewonnen.

Österreichs Nummer eins, Aleksandar Rakic, hat am Wochenende Thiago Santos besiegt und sich somit im Halbschwergewicht auf den zweiten Platz der Rangliste geschoben. Im Interview mit DAZN und SPOX spricht der 29-Jährige über die ungerechte Bezahlung als UFC-Kämpfer und seinen kuriosen Karrierebeginn.

Rakic verrät außerdem, dass er in Zukunft ins Schwergewicht aufsteigen und sich dort zum Champion küren will. Danach würde er gerne in den Boxring steigen.

Herr Rakic, am Wochenende haben Sie gegen Thiago Santos gewonnen und sich somit an die Nummer zwei der Halbschwergewichtswelt geschoben. Im Vorfeld meinten Sie, dass es gegen Santos "die beste Leistung Ihrer gesamten Karriere" benötige. Hat das geklappt?

Rakic: Hinterher weiß man es immer besser. Ich hätte den Santos auch K.o. schlagen oder submitten können. Nach dem Kampf dachte ich mir, dass die Performance nicht so berauschend gewesen wäre. Doch ich habe mir den Kampf mittlerweile paar Mal angeschaut und bin zufrieden.

UFC-Experte Joe Rogan war von dem Kampf sehr enttäuscht. Warum kam es nicht zu dem erwarteten Spektakel?

Rakic: Die Taktik hat eine große Rolle gespielt, es war ein Schachspiel. Ich habe Santos aber nicht zum Zuge kommen lassen. Seine aggressiven Schlagabtäusche konnte er nicht durchbringen. Ich habe ihn gut bearbeitet. Ich dachte, dass er öfter nach vorne springen würde und ich so eine Chance hätte, ihn auszuknocken. Am Ende war es ein klarer Punktesieg für mich.

UFC-Präsident Dana White ist bekannt dafür, dass er vor großen Kämpfen enormen Druck auf die Kämpfer ausübt. Wie schwierig ist der Spagat zwischen zu großem Risiko und der Gefahr, den Kampf für die Zuschauer "langweilig" werden zu lassen?

Rakic: Es ist nicht so leicht, das stimmt. Man sollte aggressiv sein, sich gleichzeitig aber unter Kontrolle haben. Ein Schlagabtausch sieht vielleicht super aus, die Chancen stehen dort jedoch 50-50.

Haben Sie bereits mit White gesprochen?

Rakic: Direkt als ich aus dem Octagon geführt wurde, bin ich zu ihm hingegangen. Ich sagte: "Ich komme für den Titel, ich werde das neue Gesicht der Division. Vielleicht war es nicht die Leistung, die Du sehen wolltest, aber ich weiß, zu was ich fähig bin. Ich kann jeden besiegen!"

UFC - Rakic: Dana White war wie ein kleines Kind

Und wie lautete die Antwort?

Rakic: Er sagte einfach nur: "Ja ok, gut." Ich habe ihm dann noch gesagt, dass er mehr auf mich schauen soll und auf meine Persönlichkeit. Wie ein kleines Kind zu seinem Vater meinte er dann nur: "Ja, ja, gut, gut." Die klaren Ansagen kamen nur von mir. (lacht)

Nach dem Sieg bekamen Sie von Ihrem Team den brauen Gürtel im Jiu-Jitsu überreicht. Vor allem bei Ex-Champion Daniel Cormier sorgte dies für Verwunderung, da man davon im Kampf nur wenig gesehen hatte.

Rakic: Ich hatte die vergangenen Monate hart an meinem Grappling und an meinem Wrestling gearbeitet. Daher war zum einen die Überraschung, aber auch die Freude riesig. Es muss nicht immer als während des Kampfes passieren, sondern da hängt einiges dran. Bereits vor dem Trainingscamp habe ich mehrere Extraschichten gemacht. Mein Ziel ist es, den schwarzen Gürtel zu bekommen. Nun bin ich einen Schritt weiter.

Halbschwergewichtschampion Jan Blachowicz will nach eigener Aussage ein halbes Jahr Pause machen und dann seinen Titel gegen Glover Teixeira verteidigen. Sie sind aktuell die Nummer zwei der Welt. Was sind Ihre Pläne?

Rakic: Ich würde mir natürlich wünschen, wenn ich sofort einen Titelkampf erhalten würde. Vielleicht verletzt sich der Teixeira und ich würde einspringen. Ich will es aber niemanden wünschen. Je länger die UFC wartet, desto schlechter für sie. Ich bin wie ein Schwamm und sauge alles auf, daher werde ich immer besser.

Am 1. Mai kämpft Dominic Reyes (#3) gegen Jiri Prochazka (#5). Wäre das für Sie eine Option oder wollen sie so lange warten, bis sie einen Titelkampf erhalten?

Rakic: Es kommt immer darauf an, was die UFC will. Es ist gut möglich, dass sie noch einen Sieg von mir sehen wollen, bevor ich den Titelkampf erhalte. Ich würde aber auch warten, bis Blachowicz gekämpft hat.

Hat sich Ihr Sieg auch aus finanzieller Sicht gelohnt?

Rakic: Man sieht ja immer nur die Endsumme, die ich überwiesen bekomme. Die Ausgaben dafür sind allerdings enorm. Ich habe mein Trainingscamp mit all meinen Trainern in Kroatien abgehalten, die wollen ja auch bezahlt werden. Dazu kommen noch die Kosten für das Management. Am Ende bleibt nicht so viel übrig. Ich finde, wir UFC-Kämpfer sind noch sehr unterbezahlt.

Das Thema Bezahlung ist schon immer ein großes Thema in der UFC. Vor allem im Vergleich zum Boxen gibt es dahingehend große Differenzen.

Rakic: Das stimmt. Im Boxen sind Millionenbeträge im Spiel. In der UFC haben dagegen vielleicht zwei, drei Millionen verdient. Ich finde das schade. Wir als MMA-Kämpfer leisten enorm viel und setzen unsere Gesundheit aufs Spiel. Vor einem Kampf muss ich mehrere Sportarten trainieren, da es eben ja nicht nur Boxen oder Kickboxen ist. Lässt man einen Bereich schleifen, verliert man einen Kampf und verliert so viel Geld.

Präsident White ließ in der Vergangenheit nicht mit sich reden und wollte die Gagen nicht anpassen. Haben Sie mal einen Versuch gestartet?

Rakic: Mit ihm persönlich habe ich darüber noch nie geredet. Mein damaliger Manager hat sich mit denjenigen zusammengesetzt, um den Vertrag zu verhandeln. In der Zukunft werde ich sicherlich die Möglichkeit habe, mit White persönlich darüber zu reden. Ich habe jetzt noch einen Vertrag über vier Kämpfe, nach meinem nächsten Kampf kommen sie sicherlich mit einem besseren Angebot.

UFC - Rakic: Meine Freundin musste mich täglich waschen

Machen wir einen Sprung in die Vergangenheit. Sie haben Ihre Kindheit einst als sehr lebendig beschrieben. Können sie das konkretisieren?

Rakic: Ich bin in Wien in einem Stadtteil geboren, in denen vielen Nationen zusammengelebt haben. Ob Jugoslawen, Türken oder Albaner: Da war immer Action. (lacht) Ich habe mich angepasst und habe immer das Ultimative gesucht. Am Ende bin ich im MMA gelandet. Das war die beste Entscheidung meines Lebens! Ich lebe meinen Traum und bin Gott dafür dankbar.

Bevor Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, machten Sie vorher eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Erzählen Sie!

Rakic: Dazu wäre es fast nicht gekommen. Ich wäre normalerweise Automechaniker geworden. Mein Bruder meinte dann: "Du siehst gut aus und willst dich sicherlich nicht schmutzig machen." Im Hotel habe ich vom Putzen bis zum Kellnern alles gemacht. Diese Zeit hat mir sehr geholfen. Vor jedem Interview, dass ich in Englisch führe, denke ich daran zurück. Nach der Ausbildung musste ich ins Bundesheer. Danach hatte ich keine Lust mehr auf die vielen Nachtschichten und habe in einem Lager angefangen. Dort bin ich schön im Blaumannanzug Gabelstapler gefahren. (lacht)

Früh in Ihrer Karriere haben sie sich schwer verletzt. Wie nah standen Sie am Karriereende?

Rakic: Ich hatte mir bei einem Kampf in Russland zum zweiten Mal das Kreuzband gerissen. Dort wurde mir gesagt, dass die OP sehr kompliziert gewesen sei. Ich hatte mir auch noch den Meniskus gerissen. Der Prozess danach war die Hölle, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Kurz habe ich wirklich gedacht, dass ich alles auf den Nagel hänge und aufhöre.

Wer hat Ihnen geholfen, dass Sie nicht die Karriere beendet haben?

Rakic: Meine damalige Freundin und jetzige Frau musste mich täglich waschen, obwohl sie zwei Jobs hatte, die uns am Leben gehalten haben. Wäre sie nicht da gewesen, hätte die Geschichte durchaus einen Ausgang haben können.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Rakic: Nach 18 Monaten stand ich endlich wieder im Octagon. Nach einer Minute hatte ich gewonnen und ein anderer Aleksandar Rakic war geboren. Sieben Tage später hatte ich meinen Vertrag in der UFC unterschrieben.

Die Sportart Mixed Martial Arts tritt bei vielen immer nur als Prügelei in den Sinn. Wie sehen Sie das?

Rakic: Wenn man vor fünf Jahren jemanden in Österreich gefragt hätte, wäre das sicherlich seine Antwort gewesen. MMA ist aber soviel mehr. Es ist eben keine Schlägerei, sondern es spielen viele Parameter mit. Ich habe es zu meiner Aufgabe gemacht, eine Art Markenbotschaftler für den deutschsprachigen Raum zu werden. Ich will, berühmt machen. In Irland kennt dank Conor McGregor jeder MMA, das will ich auch schaffen.

Israel Adesanya hatte sich am bei UFC 259 in Ihrer Division versucht. Sehen Sie sich in der Zukunft auch in einer anderen Division?

Rakic: Ihr werdet auf jeden Fall einen Aleksandar Rakic im Schwergewicht sehen! Ich finde, die Fight Week ist etwas Schönes. Wenn ich dann nicht auf mein Gewicht achten müsste und alles essen könnte, wäre das ein Traum. Zuerst werde ich aber meine Aufgabe im Halbschwergewicht meistern und dann im Schwergewicht aufräumen. Hoffentlich kann ich mich später Champ-Champ nennen. Wenn ich das erreicht habe, will ich auf jeden Fall noch ein paar Mal im Boxring stehen und dort kämpfen.

UFC: Das Ranking im Halbschwergewicht

RangName
ChampionJan Blachowicz
1Glover Teixeira
2Aleksandar Rakic
3Dominick Reyes
4Thiago Santos
5Jiri Prochazka
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