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Tennis

Schicksalstag für Boris Becker: Es geht um die Freiheit

SID
Boris Becker

Boris Becker erwartet am Freitag in seinem Londoner Prozess das Urteil. Dem einstigen Tennisstar könnte eine Haftstrafe drohen.

Wenn es auf den Centre Courts der Welt eng wurde, um Titel oder Tränen ging, nahm Boris Becker stets sein Herz in die Hand. Der einstige Tennisstar gewann sechs Grand-Slam-Trophäen, die erste im Alter von 17 Jahren in Wimbledon, Becker wurde mit seinem legendären Kampfgeist zum Weltstar.

Am Freitag, im Southwark Crown Court von London, kann der 54-Jährige aber nicht mehr in die Offensive gehen, er muss die Entscheidung über sein Schicksal tatenlos hinnehmen. Richterin Deborah Taylor will am Vormittag nach drei langen Wochen Wartezeit ihr Strafmaß gegen Becker verkünden, der im Rahmen seines Insolvenzverfahrens ungesetzlich gehandelt haben soll.

"Ich hoffe, dass er irgendwie durchkommt. Dass er nicht ins Gefängnis muss", sagte sein früherer Trainer Günther Bosch bei Tennisnet. Maximal sieben Jahre Haft sehen die Gesetze in Großbritannien vor - die Jury hatte Becker am 8. April in vier von 24 Anklagepunkten für schuldig erklärt. Es ist kaum absehbar, wie es für die deutsche Sportikone ausgeht.

Die Insolvenzbehörde sah in der Verurteilung "eine klare Warnung an diejenigen, die glauben, sie könnten Vermögensanteile verbergen und damit durchkommen". Nachdem Becker 2017 von einem britischen Gericht für insolvent erklärt worden war, soll der Wahl-Londoner weiter Überweisungen hoher Geldsummen vorgenommen, einen Immobilienbesitz in seiner Geburtsstadt und Aktienanteile verheimlicht haben.

Staatsanwaltschaft: Becker hat Behörden "an der Nase herumgeführt"

Wie stark der Einschnitt in Beckers Leben nun ausfällt liegt in den Händen der Richterin, die von Beginn des Verfahrens klargemacht hatte, dass sein Prominentenstatus keine Rolle spielen darf. Die Staatsanwaltschaft ging den Angeklagten scharf an und warf dem heutigen TV-Experten vor, die Behörden bei der Ermittlung seines Vermögens "an der Nase herumgeführt zu haben", was Becker allerdings stets bestritt.

Vor 20 Jahren in München, verurteilt wegen Steuerhinterziehung, kam er mit einem blauen Auge davon und erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe sowie eine Geldstrafe. Sein Anwalt Jonathan Laidlaw kämpfte nun darum, dass es für Becker erneut gut ausgeht. Er beschrieb in dem 15 Kilometer entfernt von Wimbledons Centre Court gelegenen Zweckbau, dass sein Mandant seit seinem Triumph als Teenager auf dem "heiligen Rasen" ein besonderes Leben führe. Becker sei ein "hoffnungsloser Fall" im Umgang mit Geld, er habe keinen Überblick über seine Besitztümer gehabt, sich auf seine Berater verlassen.

Seit dem Schuldspruch der Jury wartet er nun und kann dem drohenden Unheil nichts mehr entgegensetzen, wie er es auf dem Platz stets getan hat. 1985 etwa im umkämpften Wimbledon-Finale gegen Kevin Curren. Auch im Davis Cup in der "Schlacht von Hartford" 1987 gegen John McEnroe über 6:21 Stunden oder im Finale der US Open 1989 überstand das deutsche Aushängeschild schwierige Situationen. Doch all seine Großtaten auf den Tennisplätzen spielen beim Prozessende am Freitag kein Rolle. Es geht für Becker um die Freiheit.

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