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Tennis

"Ich habe vor niemandem Angst"

Von Interview: Florian Regelmann
Sabine Lisicki macht nicht nur im Tennis-Outfit eine gute Figur
© Getty

US-Open-Siegerin Sabine Lisicki? Warum nicht! Vor dem letzten Grand Slam des Jahres spricht die deutsche Hoffnungsträgerin im SPOX-Interview über ihre Furchtlosigkeit, ihren Weg zur Nummer eins - und über Mode.

Wer den Sieger der US Open tippen will, hat es im Herren-Bewerb relativ einfach. Es kommen praktisch nur vier Leute in Frage: Roger Federer, Andy Murray, Rafael Nadal und Novak Djokovic. Die Big Four eben. Wer will, darf die Liste noch mit Andy Roddick erweitern.

Ganz anders ist die Lage bei den Damen. Eine Menge Spielerinnen haben das Zeug dazu, den Titel zu holen.

Dass die Damen-Tour mit Dinara Safina eine Nummer eins aufbieten muss, die noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat, und dass Kim Clijsters nach Babypause sofort wieder locker mit allen Top-Leuten mehr als mithalten kann, ist bezeichnend für die derzeitige Mittelmäßigkeit.

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Am wahrscheinlichsten ist wohl ein Erfolg einer Williams-Schwester, wobei man klar festhalten muss, dass Serena und Venus auf Hartplatz bei weitem nicht die Dominanz haben, wie es auf Rasen der Fall ist.

So wäre es auch gar nicht überraschend, wenn am Ende eine der ganz Jungen die Trophäe in den Händen hält. Jemand wie Victoria Azarenka, Caroline Wozniacki oder Sorana Cirstea. Oder Sabine Lisicki.

Eine Schulterverletzung machte der 19-Jährigen zuletzt zu schaffen, aber bei den US Open wird sie bereit sein. Bei SPOX spricht Lisicki über ihr großes Selbstbewusstsein und ihren Weg nach ganz oben.

SPOX: Sie sind am Donnerstag in New York angekommen. Schon beim Shopping gewesen?

Sabine Lisicki (lacht): Nein, noch nicht. Jetzt zählen für mich erstmal nur die US Open. Während eines Turniers mag ich es nicht, mich mit irgendetwas anderem zu beschäftigen. Ich konzentriere mich ganz auf meine Matches. Aber nach dem Turnier werde ich vielleicht mal losziehen und mir etwas Schönes zum Anziehen kaufen. Ich interessiere mich sehr für Mode, ich habe nach Wimbledon auch die Fashion Week in Berlin besucht.

SPOX: Sie haben ein ganz starkes Wimbledon-Turnier gespielt. Mit welchen Erwartungen treten Sie jetzt in Flushing Meadows an?

Lisicki: Wimbledon war in der Tat ein großartiges Turnier für mich. Im Viertelfinale eines Grand Slams zu stehen, war eine schöne Erfahrung. Bei den US Open bin ich zum ersten Mal in meiner Karriere gesetzt (an Position 23, Anm. d. Red.), darüber freue ich mich sehr. Ich werde es so wie immer angehen, Match für Match, und nicht zu weit vorausblicken. Dann schauen wir mal, wie weit ich komme.

SPOX: Die Einstellung, ein Match nach dem anderen anzugehen, ist verständlich und sicher auch richtig. Ich muss da aber noch mal nachhaken. Ganz einfach gefragt: Glauben Sie, dass Sie die US Open gewinnen können?

Lisicki: Ich habe auf jeden Fall vor niemandem Angst und ich bin davon überzeugt, dass ich alle Top-Spielerinnen schlagen kann. Das habe ich mir selbst in den letzten Monaten bewiesen. Diese waren richtig gut für mich. Auf dem Weg zu meinem ersten WTA-Titel in Charleston habe ich Venus Williams, Marion Bartoli und Caroline Wozniacki bezwungen. In Wimbledon habe ich mit Swetlana Kusnetsowa die amtierende French-Open-Siegerin besiegen können. Ich gehe definitiv mit der Einstellung in die US Open, das Turnier gewinnen zu wollen und nicht nur eine Runde.

SPOX: Die US Open sind mit der unvergleichlichen Atmosphäre ein ganz besonderer Grand Slam. Mögen Sie den Krach in New York?

Lisicki: Auf jeden Fall. New York ist eine unglaublich faszinierende Stadt und es sind immer wahnsinnig viele Fans bei den Matches, um uns anzufeuern. Es macht großen Spaß, bei dieser Atmosphäre zu spielen, wobei ich nicht sagen würde, dass die US Open besser sind als ein anderer Slam. Alle vier Events sind sehr speziell und haben ihren eigenen Charme.

SPOX: Was die Fans in Wimbledon so begeistert hat und was sie sicher auch in New York begeistern wird, sind Ihre zwei größten Stärken: Ihre hammerharte Vorhand und Ihr großer Kampfgeist.

Lisicki: Danke für das Kompliment. Mein Fighting-Spirit ist mir auch sehr wichtig. Wenn ich auf den Platz gehe, bin ich bereit für eine Schlacht. Ich genieße einfach jeden Augenblick auf dem Court.

SPOX: Wenn es etwas gibt, wo Sie noch Defizite haben, ist es im Bereich Fitness. Das war in Wimbledon auch letztlich der Grund, warum Sie gegen Dinara Safina ausgeschieden sind.

Lisicki: Das stimmt. Ich habe deshalb nach Wimbledon nur ein paar Tage frei gemacht und dann sehr hart an meiner Fitness gearbeitet. Natürlich braucht es noch mehr Zeit, bis die Arbeit Früchte trägt, aber ich habe schon einen Unterschied gespürt. Dann kam leider die Verletzung. Ich werde weiter an der Fitness arbeiten und dann freue ich mich schon darauf zu sehen, wie ich mich nach der Offseason fühlen werde. Grundsätzlich kann ich mich in vielen Bereichen noch verbessern. Ich bin noch sehr jung und lerne jeden Tag neue Dinge, die mich weiterbringen.

SPOX: Sie haben auch gesagt, dass Sie jedes Match genau analysieren und Ihre Lehren daraus ziehen. Wie kann ich mir das vorstellen?

Lisicki: Na ja, ich bin wie gesagt noch sehr jung und kann noch nicht so viel Erfahrung haben. In jedem Match sind die Bedingungen auch unterschiedlich. Mal spielst du in einem großen Stadion, mal auf einem kleinen Nebenplatz. Mal ist es warm, mal kalt. Und dann gibt es immer Situationen in einem Match, in denen du dich manchmal zur falschen Zeit für den falschen Schlag entscheidest. Das sind dann die Sachen, die ich von den Matches lerne und versuche, beim nächsten Mal besser zu machen.

SPOX: Sie haben immer sehr offen gesagt, dass Sie die Nummer eins der Welt werden wollen. Jetzt stehen Sie schon in den Top-25. Wie geht es weiter?

Lisicki: Ich habe einen langen Weg hinter mir, bis ich die Top 30 jetzt erreicht habe. Ich arbeite sehr hart, um mein Ziel, die Nummer eins der Welt zu werden, zu erreichen. Ich weiß, dass es noch ein langer Weg ist, aber ich bin bereit für die Reise.

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