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Radsport

Toursieg vom Reißbrett

Von Torsten Adams
Tour de France, CSC
© Getty

München - Als Star-Architekten werden für gewöhnlich prominente, gerne avantgardistische Planer bezeichnet, die durch spektakuläre Entwürfe zu Idolen in der Architekturszene geworden sind.

Nicht selten haben sie eine eigene Handschrift, an der man ihre Konstrukte erkennen kann. So auch beim Architekten des Tourerfolgs von Carlos Sastre: Bjarne Riis.

Die vierteilige Blaupause des taktisch gewieften Dänen für seinen Kapitän ging voll auf: Sturzfreie Fahrt in der ersten Tourwoche, unauffällige Kletterpartien ohne größere Zeitverluste in den Pyrenäen, Generalangriff in L'Alpe D'Huez und Verteidigung des Zeitpolsters im abschließenden Zeitfahren.

477.410 Euro in 21 Tagen

"Genauso hatten wir uns das vorgestellt. Carlos hat exakt das gemacht, was er sollte", resümierte der stolze Star-Architekt nach der Eroberung des Gelben Trikots, das Riis zwölf Jahre zuvor selbst in Paris überstreifen durfte.

Insgesamt 477.410 Euro Prämie kassierte der 33-jährige Sastre für die Leistungen in den vergangenen drei Wochen. Im Vergleich dazu hat sich Sven Krauss vom Team Gerolsteiner gerade einmal 800 Euro erradelt.

Schwarz-rot-goldene Erfolgsbilanz

Dennoch waren die deutschen Radprofis seit den Hoch-Zeiten des Magenta-Booms um Jan Ullrich bei der Tour nicht mehr so erfolgreich wie in diesem Jahr.

Marcus Burghardt sorgte für einen tollen Etappensieg, Debütant Gerald Ciolek zeigte sich im Sprint mit vier Podiumsplatzierungen und auch Erik Zabel sprintete trotz seiner 38 Jahre munter vorne mit. Am Ende belegte der Milram-Kapitän Platz drei im Kampf um das Grüne Trikot.

Stefan Schumacher fuhr zwei Tage in Gelb und gewann zum ersten Mal seit Lance Armstrong 2004 beide Zeitfahren. Das Gerolsteiner-Glück perfekt machte Überraschungsmann Bernhard Kohl aus dem Nachbarland Österreich mit dem Bergtrikot und Platz drei im Gesamtklassement.

Die Eifel-Equipe fuhr die mit Abstand beste Tour seit ihrer Gründung 1998. Dennoch steht Teamchef Hans-Michael Holczer noch ohne Sponsor da: "Es gibt Interessenten, aber niemanden, mit dem wir vor einem Abschluss stehen", erläuterte der 54-Jährige den Stand der Dinge.

Keine Tour ohne Skandale

Die beiden letzten Ausgaben der Frankreich-Rundfahrt wurden vom allgegenwärtigen Thema Doping geprägt und drängten das Rennen in den Hintergrund.

In diesem Jahr stand das sportliche Geschehen im Vordergrund, dennoch gaben die Dopingfälle um Manuel Beltran, Moises Duenas und Riccardo Ricco sowie der Rückzug des Teams Saunier Duval Anlass zur Sorge um die Glaubhaftigkeit des Radsports.

Unmittelbar nach der Zieleinfahrt auf den Champs-Elysees sorgte der kasachische Fahrer Dmitriy Fofonow mit einem vierten positiven Befund für ein unrühmliches Ende der diesjährigen Tour.

Anlass zu Optimismus

Immerhin deuten einige Fakten auf eine Entwicklung in die richtige Richtung hin: Die im Vergleich zu früheren Jahren niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeit und Sastres Siegerzeit nach L'Alpe D'Huez bewerten Optimisten als positive Zeichen.

Der Spanier benötigte für die 21 Kehren im Schlussanstieg mit 39:29 Minuten exakt 114 Sekunden mehr als Marco Pantani bei seiner Rekordfahrt 1997.

Und auch Holczer betonte während der Tour stets seine Zufriedenheit darüber, dass es niemanden gebe, "der vom anderen Stern fährt".

"Es wird immer Betrüger geben"

Als "Tour der Erneuerung", so das Motto der diesjährigen Austragung, wird die 95. Frankreich-Rundfahrt allerdings nicht in die Annalen eingehen. Zu schwer wiegen die bisherigen vier positiven Dopingbefunde.

Dennoch hat die Tour-Organisation mit ihrem rigorosen Vorgehen in diesem Jahr zumindest den Weg zur Erneuerung des Radsports glaubhaft beschritten.

Der neue Champion Sastre ist sich aber sicher, dass auch künftig negative Schlagzeilen nicht ausbleiben: "Es gab, es gibt und es wird immer Betrüger geben."

 Daten und Fakten zur 95. Tour  
 Gelbes Trikot
 Carlos Sastre (CSC)
 Grünes Trikot
 Oscar Freire (RAB)
 Gepunktetes Trikot
 Bernhard Kohl (GST)
 Weißes Trikot
 Andy Schleck (CSC)
 Kämpferischster Fahrer
 Sylvain Chavanel (COF)
 Bestes Team
 CSC-Saxo Bank
 Meiste Etappensiege
 Mark Cavendish (THR/4 Siege)
 Meiste Teamsiege
 Team Columbia (5 Siege)
 Bester Debütant
 Wladimir Efimkin (Platz 11)
 Rote Laterne
 Wim Vansevenant (SIL) - zum dritten Mal in Folge
 Ausfälle  35 von ursprünglich 180 Gestarteten
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