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Pferdesport

Münch: "Da sind richtige Maschinen dabei"

Von Interview: Philipp Dornhegge
Ex-Bundesliga-Profi Markus Münch, hier mit Dosimo (M.), ist heute als Pferdetrainer tätig
© Getty

1996 schoss Markus Münch Bayer Leverkusen zum Klassenerhalt und den 1. FC Kaiserslautern in die 2. Liga. Neun Jahre später trat er von der Fußballbühne ab und widmete sich fortan seinem Hobby, für das er auch den Trainer-Schein machte. Mit Lederbällen hat der frühere Verteidiger seitdem allerdings nichts mehr zu tun, stattdessen besitzt und trainiert er zehn Pferde. Im SPOX-Interview spricht Münch über seine Faszination für den Reitsport, Parallelen zum Fußball und verrät, wieso er sich nicht selbst als Jockey versucht.

SPOX: Herr Münch, als ich Sie zur Terminabsprache im Vorfeld angerufen habe, hatte ich den Eindruck, dass Sie eigentlich gar nicht mehr so gerne Interviews geben.

Markus Münch: So arg viel mache ich nicht mehr, das stimmt. Das habe ich mein Leben lang gehabt, irgendwann muss es auch mal gut sein. Das heißt aber nicht, dass ich einzelne Termine nicht gerne noch wahr nehme. Sofern ich die Zeit dazu habe.

SPOX: Es ist also nicht so, dass Sie des Fußball-Geschäftes überdrüssig sind.

Münch: Überhaupt nicht. Ich gebe zu, dass ich froh bin, einen gewissen Abstand zu haben. Trotzdem arbeite ich ab und zu fürs Fernsehen, mit dem FC Bayern haben wir eine All-Star-Truppe, die sechs oder sieben Mal im Jahr spielt.

SPOX: Sie halten sich also sogar noch fit?

Münch: Nicht wirklich, nein. Seien wir ehrlich: Wir spielen ja bei den Benefizspielen nicht gegen starke Gegner, sondern gegen irgendwelche Vorstände oder Freizeitmannschaften. Da ist das wirklich nicht nötig. Allerdings: Im Sommer kicken wir im Bernabeu gegen die ehemaligen Stars von Real Madrid, sprich Figo und so. Die nehmen das richtig ernst. Vielleicht sollten wir da vorher doch noch mal ins Training gehen (lacht).

SPOX: Ihr Karriereende liegt inzwischen bald sechs Jahre zurück. Damals wurde es augenblicklich ruhig um Sie.

Münch: Weil ich mich ganz bewusst zurückgezogen habe. Wir wohnen in Heidelberg, das ist nun wirklich keine Fußball-Stadt. Im Gegenteil, hier wird man in Ruhe gelassen. Der perfekte Ort, um Abstand zu gewinnen.

SPOX: Sie waren damals erst 32 Jahre alt. Für einen Fußballer kein biblisches Alter.

Münch: Irgendwann war es einfach Zeit für mich. Ich hatte mir immer ausgerechnet, dass ich auf dem Höhepunkt aufhören und nicht noch in irgendwelchen unterklassigen Mannschaften kicken wollte. Das war mir wichtig. Athen war definitiv eins der Highlights meiner Karriere, da kann man dann ruhig mal die Karriere beenden, finde ich.

SPOX: Es lag also nicht daran, dass Ihr Körper Alarm geschlagen hat?

Münch: Klar hatte ich auch kleinere Verletzungen, aber keine hätte mich zu einem Karriereende gezwungen. Der eigentliche Grund war, dass die Kinder immer älter wurden und irgendwann ein festes Zuhause haben wollten. Zudem war es genau die Zeit, als bei Panathinaikos ein Umbruch vollzogen wurde.

SPOX: Von einem Highlight zum nächsten: Sie waren 1996 derjenige, der Bayer Leverkusen mit seinem Tor am 34. Spieltag gegen Kaiserslautern in der Liga gehalten und den FCK in die Zweitklassigkeit gestürzt hat.

Münch: Darauf werde ich natürlich sehr oft angesprochen. Und dieses Tor ist sicher ein Grund, warum ich bis heute sehr gute Verbindungen nach Leverkusen habe. Was soll ich sagen? Ich war damals einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ohne zu viel hinein interpretieren zu wollen: Man könnte sagen, dass der Klassenerhalt damals eine Initialzündung für den Klub war. Danach ging der Aufschwung richtig los mit Stadionbau, neuen Spielern und großen Investitionen. Das war vielleicht das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte. Sie werden sich nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, dass ich auch von den Fans immer mit offenen Armen empfangen werde (lacht).

SPOX: Absolut nicht. Wie ist es dagegen in Köln, wo Sie zwei Jahre später den Abstieg eben nicht verhindern konnten?

Münch: Das war sicherlich nicht so schön. Für mich allerdings war die Situation eine besondere, weil ich mich "nur" von Bayern München habe ausleihen lassen, um Spielpraxis zu bekommen. Ich hatte einfach keine Chance gegen Bixente Lizarazu. Für mich war diese Zeit sehr positiv. Es lief eigentlich gut, wir sind vom letzten Platz relativ schnell aus der Abstiegszone raus gekommen und haben richtig guten Fußball gespielt. Ich weiß bis heute nicht, warum wir es in den letzten Spielen doch noch vermasselt haben.

SPOX: Ihr Lebenslauf schreit geradezu nach Nationalmannschaft. Tatsächlich wurden Sie einige Male berufen, kamen aber nie zum Einsatz.

Münch: Das war schon etwas schade. Ich war mehrfach ganz kurz davor, aber den letzten Schritt habe ich nie geschafft. Damals hat mich das etwas geärgert, aber im Nachhinein muss ich sagen: Ich hatte so eine abwechslungsreiche Karriere, dass es mich überhaupt nicht mehr stört, nie für Deutschland gespielt zu haben.

SPOX: Inzwischen feiern Sie nur noch im Pferdesport Erfolge. Wie sind Sie damals eigentlich da reingerutscht?

Münch: Als ich für Mönchengladbach gespielt habe, habe ich in Düsseldorf in der Nähe der Galopprennbahn gewohnt. Ein guter Freund hat jahrelang Rennpferde gezüchtet und hat mir damals etwa 50 Prozent eines von ihm gezüchteten Pferdes geschenkt. Damals habe ich mich natürlich nicht so um das Tier kümmern können. Aber trotzdem war es immer schön, an den wenigen freien Tagen mit der Familie auf die Rennbahn zu gehen.

SPOX: Mit der Zeit haben Sie sich vom Besitzer zum Züchter und inzwischen sogar zum Trainer entwickelt.

Münch: Richtig, etwa 2006 habe ich angefangen, selber Pferde zu züchten. Als wir nach meinem Karriereende nach Heidelberg gezogen sind, war es mir irgendwann einfach zu wenig, mein Pferd nur am Wochenende sehen zu können. Da haben wir uns überlegt, dass wir ja eigentlich optimale Bedingungen haben, um uns selbst zu kümmern.

SPOX: Aber man kann ja nicht einfach sagen: "So, ich bin jetzt Züchter und Trainer!"

Münch: Natürlich nicht. Ich habe mich erst in das Thema eingelesen, bin rumgereist, um verschiedene Trainingsmethoden kennen zu lernen, habe den Trainerlehrgang gemacht und dann die Besitzer-Trainer-Lizenz erworben.

SPOX: Wurden Sie als ehemaliger Fußballer anfangs komisch angeschaut?

Münch: Gar nicht. Der Rennsport ist in Deutschland, das muss man sagen, derzeit nicht gerade auf seinem Höhepunkt. Im Gegenteil: Alle Beteiligten sind doch dankbar für jeden, der sich engagiert. Das war überhaupt kein Problem. Viel schwieriger war, überhaupt erst in die Materie einzusteigen. Für die Trainerlizenz musste ich mich ziemlich strecken, weil man da wirklich mit Dingen zu tun hat, die wenig bis nichts mit Fußball zu tun haben. Da hatte ich sogar das Glück, dass mir Jockeys und andere Leute aus dem Geschäft so bereitwillig geholfen haben.

SPOX: Eine Parallele zwischen Fußball und Pferdsport gibt es aber schon: Beides ist ab einem gewissen Niveau Hochleistungssport.

Münch: Richtig, beim Training habe ich schnell gemerkt, dass die Pferde genauso jeden Tag gefordert werden. Es gibt Sprinter, es gibt ausdauerstarke Tiere. Man legt sehr viel Wert auf die Ernährung und den Charakter der Pferde.

SPOX: Sie haben selbst den recht großen Sprung vom Fußball zum Pferdesport angesprochen. Hat Ihre Frau damals gedacht, dass Sie in einer Midlife Crisis stecken?

Münch: Im Gegenteil, sie stand voll dahinter. Meine Frau ist in Heidelberg sehr engagiert und zuständig für die Akademie der hochbegabten Grundschüler. Ich habe ihr dabei, so gut es ging, den Rücken frei gehalten, genauso wie sie es früher für mich getan hat. Aber ich bin natürlich trotzdem nicht der Typ, der seine Freizeit mit Däumchendrehen verbringt. Ich musste mir also unbedingt ein neues Hobby suchen. Obwohl ich mittlerweile sagen muss, dass ich mir eine verdammt zeitintensive Beschäftigung ausgesucht habe. Da hat man wirklich jeden Tag gut zu tun (lacht).

SPOX: Wie viele Pferde haben Sie unter Ihrer Obhut?

Münch: In meinem Stall stehen derzeit zehn Pferde. Das sind aber alles meine eigenen. Ich wollte unabhängig sein und mich nicht um die Tiere anderer Besitzer kümmern müssen. Ein paar jüngere Pferde haben wir noch in der Zucht.

SPOX: Um die können Sie sich aber doch unmöglich allein kümmern!

Münch: Es gibt etwa 15 Leute, die mir helfen. Wir wollen natürlich gern wahnsinnig professionell sein, aber im Prinzip ist es doch nur ein Hobby. Meist kommen die anderen so, wie es zeitlich bei ihnen passt. Da sind auch Schüler und Studenten dabei, die die Arbeit natürlich mit ihren Stundenplänen abpassen müssen.

SPOX: Gibt es irgendwelche Erlebnisse, Erfahrungen, Qualitäten aus Ihrer Fußballzeit, auf die Sie jetzt auch im Pferdesport zurückgreifen können?

Münch: Der Trainingsumfang ist schon ähnlich. Die Konditionsarbeit, die Vorbereitung, das Training zum Höhepunkt hin: Das sind schon Parallelen.

SPOX: Reiten Sie Ihre Tiere selber?

Münch: Nein (lacht). Der Pferdesport ist schon nicht ungefährlich. Da sind zum Teil richtige Maschinen dabei, die mit 60 oder 70 Stundenkilometern über die Bahn rasen. Da habe ich schon großen Respekt vor. Ich bin froh, dass ich jüngere Leute habe, die mutig genug sind. Ich bin eher derjenige, der von außen die Anweisungen gibt.

SPOX: Mit der Taktik fahren Sie ja ganz offensichtlich nicht schlecht.

Münch: Es scheint so. 2010 waren wir sehr erfolgreich. Anfang des Jahres konnten wir erste Siege einfahren, am 8. August kam dann in Hannover der erste Listensieg hinzu. Das war schon eine tolle Sache.

SPOX: Wie soll es weitergehen?

Münch: Natürlich wollen wir das Jahr 2010 toppen. Das wird sicher nicht ganz einfach, aber jetzt haben wir Blut geleckt. Schau an, da habe ich noch eine Parallele zum Fußball gefunden: Man wird auch im Pferdesport immer an den vergangenen Erfolgen gemessen (lacht).

SPOX: Mittlerweile gibt es ja einige Fußballer, die sich wie Sie im Pferdesport engagieren.

Münch: Richtig, Philipp Lahm interessiert sich sehr dafür, in Bremen zum Beispiel sind Claudio Pizarro und Tim Borowski auch im Geschäft. Mit Klaus Allofs bin ich ganz gut befreundet, er ist auch Mitbesitzer eines Pferdes. Es gibt ein paar Profis, aber meiner Meinung nach viel zu wenige. In England dagegen gibt es kaum einen Spieler, der nicht mit Pferden zu tun hat. Michael Owen hat, glaube ich, 80 Pferde. Auf der Insel oder auch in Frankreich hat der Sport einfach einen anderen Stellenwert. Bei uns ist er leider am Boden. Es kann nur aufwärts gehen.

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