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Basketball

BBL: Bayern-Coach Andrea Trinchieri im Interview: "Vielleicht wäre ich Serienmörder"

Von Begüm Ünal
Andrea Trinchieri ist seit diesem Sommer Head Coach des FC Bayern.

Andrea Trinchieri ist nach knapp drei Jahren wieder zurück in der BBL. Der charismatische Ex-Coach von Brose Bamberg will nun mit dem FC Bayern Basketball Erfolge feiern. Im Interview mit DAZN und SPOX sprach der 52-Jährige über seine Philosophie, seine Motivation und sein Verhältnis mit den Schiedsrichtern.

Außerdem erklärt Trinchieri, was sich über die Jahre in seiner Trainingsarbeit geändert hat, wie er Spieler wie Brad Wanamaker zu NBA-Spielern machte und wie er auch noch die junge Generation erreicht.

Das Interview gibt es bereits in englischer Sprache auf TrendBasket zu lesen. Die Bayern starten am Freitag, um 20.30 Uhr gegen Armani Mailand in die EuroLeague.

Herr Trinchieri, nach einigen Jahren Pause dürfen wir Sie wieder in Deutschland begrüßen. Deswegen die Frage: Wie fühlt es sich an, zurück zu sein? Was haben Sie meisten vermisst?

Andrea Trinchieri: Deutschland ist ein sehr spezielles Land. Es ist ein Land mit großer Disziplin und einer guten Organisation. All dies sind Dinge, die einem Coach gefallen, schließlich ist es für jeden Trainer ein Traum, in einem geordneten Umfeld zu arbeiten. Ich möchte aber nicht darüber reden, was ich vermisst habe. Ich möchte nicht den Fehler machen, zu denken, dass ich nach Deutschland zurückkehre. Es ist, als wäre ich zum ersten Mal hier, ich möchte es genießen, ich möchte nicht zu viel zurückblicken. Mein Job ist sehr kurzlebig, alles verändert sich schnell. Ich kenne das Land. München war schon immer eine phänomenale Stadt; es ist ähnlich wie in Mailand. Ich komme aus Mailand und fühle mich wie zu Hause. Jeden Tag nähere ich mich dieser neuen Erfahrung, als wäre sie völlig neu. Und ich mag es nicht, zu viele Erinnerungen mitzubringen, weil sich die Dinge verändert haben: Ich bin jetzt anders, Deutschland ist etwas anders, Basketball in Deutschland ist anders.

Andrea Trinchieri: "Partizan war eine riskante Wahl meinerseits"

Nach Ihrer Entlassung bei Brose Bamberg im Februar 2018 trainierten Sie gut eineinhalb Jahre Partizan Belgrad. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen, auch mit dem Hintergrund, dass sie kroatische bzw. slawische Wurzeln haben?

Trinchieri: Es war eine der wichtigsten Erfahrungen meiner Karriere als Spieler oder Trainer. Es war eine riskante Wahl meinerseits, aber auch die erfolgreichste, die ich je getroffen habe. Es war eine grandiose Erfahrung. Als ich ankam, befand sich das Team in einer schwierigen Situation. Mit viel Arbeit und der Hilfe der Fans mit ihrer bedingungslosen Liebe zum Team haben wir geliefert. Jetzt ist es ein ernstzunehmender Verein mit starken Spielern, die in den vergangenen eineinhalb Jahren, in denen wir zusammen waren, sich enorm verbessert haben. Partizan bekam für Spieler wie Marinkovic oder Jock Landale gutes Geld. Dazu haben wir drei Titel gewonnen und waren bereit für viel mehr.

Warum war es für Sie eine riskante Wahl?

Trinchieri: Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, aber gleichzeitig auch eine Ehre, Trainer von Partizan zu sein. Es ist, als wäre man Trainer einer der ganz Großen wie Real Madrid oder Bayern im Fußball. Ich habe Spiele mit 20.000 Zuschauern gecoacht. Es war wunderschön, es war unvergesslich und es hat mich sehr verbessert. Als ich mich entschied, zu Partizan zu gehen, sagten mir alle: "Aber du bist verrückt" oder "Du bist betrunken". Ich wusste, dass es ein großes Risiko war, aber ich wollte etwas anderes kennenlernen. Es war eine unvergessliche und schöne Zeit.

Warum haben Sie sich dann doch für einen Wechsel zum FC Bayern entschieden? War es die Stabilität der BBL oder der gute Ruf der Münchner?

Trinchieri: Sie stellen diese Frage, als ob das alles zusammenhängen würde. Zunächst einmal habe ich beschlossen, dass ich aus verschiedenen Gründen nicht bleiben wollte. Nach mehr als 25 Jahren in dieser Branche glaube ich, dass ich das Recht habe zu wählen, mit wem ich arbeiten möchte. Und dann, als ich mich entschied, ein Buch zu schließen, wollte ich ein anderes öffnen. Und erst dann kam Bayern. Es hängt nicht zusammen, das waren zwei verschiedene Dinge.

2014 sagten Sie noch im SPOX-Interview, dass die BBL nach der spanischen ACB die vielversprechendste nationale Liga in Europa ist. Wie stehen Sie nun zu dieser Aussage?

Trinchieri: Die BBL bleibt eine der am besten organisierten Ligen mit den besten Standards in Bezug auf Arenas, Publikum und Entertainment in Europa. Ein bisschen fehlt aber noch. Ich hoffe, dass auch ich dazu beitragen kann, dass die Lücke noch kleiner wird. Deutschland ist meiner Meinung nach aber weiter eine Fußball-Nation. Das wird sich nie ändern. Wenn wir jedoch in der Lage sind, attraktiven Basketball anzubieten, können wir die Fans unterhalten. Wir können ein besseres Produkt verkaufen. Aber wir können auf Publikumsebene erfolgreicher sein. In Deutschland fehlt noch das gewisse Etwas, um mehr leidenschaftliche Fans zu erreichen.

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