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Basketball

Halperin: "Wieso ausgerechnet Deutschland?"

Von Interview: Max Marbeiter
In der ersten Playoff-Runde erzielte Yotam Halperin für die Bayern im Schnitt 8,3 Punkte
© getty

Yotam Halperin spielte in den besten Ligen Europas und galt im Sommer als einer der Top-Neuzugänge der Bayern und der gesamten BBL. Im SPOX-Interview spricht der Israeli kurz vor dem Start des Halbfinal-Clashs gegen Bamberg (Spiel 1, 20.05 Uhr im LIVE-TICKER) über die Gründe für seine Startschwierigkeiten, seine teils fehlende Aggressivität und den besten Mitspieler, den er je hatte.

SPOX: Herr Halperin, Sie haben Alba in der ersten Runde sehr überzeugend geschlagen. Haben Sie das nach den engen Duellen während der Regular Season erwartet?

Yotam Halperin: Obwohl wir im Pokal eine böse Schlappe gegen Alba einstecken mussten, hatte ich von vornherein großes Vertrauen in unser Team. Dank unseres Coaches waren wir unglaublich gut auf diese Serie vorbereitet. Wir haben beide Spiele zu Hause komplett kontrolliert. Selbst in Berlin hatten wir meistens die Kontrolle. Deshalb war es für mich auch nicht überraschend.

SPOX: Auch Sie persönlich haben sich in den Playoffs noch mal deutlich gesteigert. Sind Sie nach den Schwierigkeiten zu Beginn der Saison endgültig angekommen?

Halperin: Wir alle hatten einige Ups und Downs. Jeder musste seine Rolle im Team erst finden, herausfinden, wie er dem Team am besten helfen kann. Ich persönliche versuche immer, meine Art des Basketballs zu spielen, und das bedeutet, dem Team zu helfen, so gut ich kann - egal wie. Inzwischen bin ich einfach selbstbewusster, bin freier auf dem Court. Deshalb score ich auch besser.

SPOX: Haben Sie nach den Problemen in Sachen Basketball irgendetwas verändert?

Halperin: Nicht wirklich. In der Offense versuche ich nun, mehr zu kreieren, etwas aggressiver zu sein. Meine Coaches und Mitspieler haben mir sehr geholfen, meinen Rhythmus zu finden. Mir persönlich hilft es vor allem, dass wir inzwischen zwei Mal pro Woche spielen. Während der Saison war es das erste Mal in meiner Karriere, dass ich nur einmal pro Woche gespielt habe. Da findet man schwerer seinen Rhythmus.

SPOX: Im Sommer galten Sie als einer der Top-Neuzugänge der gesamten Liga, hatten zu Beginn aber Probleme. Woran lag das?

Halperin: Es war einfach eine neue Situation. Ich spiele zum ersten Mal in Deutschland. Einige Dinge waren zu Beginn ein wenig ungewohnt - wie zum Beispiel, nur einmal pro Woche zu spielen. Dazu hatte das Team am Anfang der Saison Probleme, das hat es auch mir erschwert. Wenn ich gut spiele und das Team gut spielt, kommt alles zusammen. Inzwischen läuft es besser und ich bin ein Teil davon. Die verbesserte Teamchemie hilft auch mir.

SPOX: Sie haben über sich selbst gesagt, dass sie manchmal einfach zu nett sind - auch auf dem Court. Woher kommt das?

Halperin: So lange ich denken kann, war ich immer in erster Linie ein Teamplayer. Ich denke, nur so können Teams Titel gewinnen. Wie gesagt, manchmal sollte ich vielleicht aggressiver sein, mehr kreieren und mehr an mich denken. Aber ich glaube immer noch, dass das der richtige Weg ist. Jetzt, da jeder dem Team ein Stück gibt, läuft es einfach besser. Nett zu sein, ist sicher eine gute Sache, so wurde ich erzogen, aber manchmal sollte ich auf dem Court vielleicht etwas eigensinniger sein.

SPOX: Fällt es Ihnen inzwischen leichter, Verantwortung zu übernehmen?

Halperin: Ich bin inzwischen definitiv selbstbewusster. Am Anfang gab es für mich doch einige Fragezeichen. Was muss ich besser machen? Wie gehe ich mit der neuen Situation, mit dem neuen Team, der neuen Liga, den neuen Coaches um? Für mich als Spieler ist es einfach wichtig, mein Team genau zu kennen. Nach neun Monaten kennen wir uns jetzt richtig gut. Deshalb habe ich wesentlich mehr Vertrauen in mich selbst und meine Teamkollegen.

SPOX: Sie haben Ihre Rolle also gefunden?

Halperin: Ich mache immer, was der Coach von mir verlangt - vor allem natürlich in der Defense. Ob das nun heißt, eine oder 25 Minuten zu spielen. Das macht für mich keinen Unterschied, so lange ich dem Team damit helfen kann.

SPOX: Sie sind einer der erfahrensten Spieler im Team, haben bereits in einigen Top-Ligen Europas gespielt. In Piräus waren Sie Teamkollege von Vassilis Spanoulis, der beim Euroleague-Final-Four wieder eine überragende Leistung gezeigt hat. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Halperin: Vor einigen Monaten, noch vor dem Euroleague-Finale, hat mich einer meiner Teamkollegen gefragt, wer der beste Spieler war, mit dem ich je zusammengespielt habe. Meine Antwort: Spanoulis. Er ist das perfekte Beispiel für die richtige Einstellung. Ich habe auch schon mit anderen großen Spielern gespielt, aber er lässt sich einfach niemals hängen, er gibt nie auf. Er hat immer den richtigen Fokus. Das macht ihn zu solch einem speziellen Spieler.

SPOX: Durch den Einzug ins Halbfinale der BBL haben Sie sich auch gleichzeitig für den Eurocup qualifiziert. Jordi Bertomeu (Chef der Euroleague, Anm.d.Red) hat Bayern sogar eine Wildcard für die Euroleague in Aussicht gestellt. Sind Team und Klub bereit für Europas besten Basketballwettbewerb?

Halperin: Ich habe schon für einige große Teams wie Olympiakos oder Maccabi Tel Aviv gespielt. Diese Klubs sind sehr gut organisiert, haben eine große Geschichte. Bayern ist aber definitiv einer der besten Klubs, die man heute in Europa finden kann. Als ausländischer Spieler kann man sich voll auf den Basketball konzentrieren. Alles andere übernimmt der Verein. Leute wie Uli Hoeneß, Marko Pesic oder Coach Svetislav Pesic machen den Klub zu etwas Großem. Diese Leute wissen, was zu tun ist. Das sieht man nicht zuletzt an den Fußballern. Der Klub ist bereit. Ich bin mir sicher, dass Bayern bald zu den besten Klubs in Europa zählen wird.

SPOX: Welchen Eindruck haben Sie von der BBL?

Halperin: Es ist eine sehr spezielle Liga. Gerade bei den Teams ab Platz fünf spielen viele Amerikaner, die beweisen wollen, was sie drauf haben. Dadurch wird das Spiel sehr athletisch. Das Tempo ist sehr hoch, es wird viel Run and Gun gespielt - mit viel Aggressivität. Es unterscheidet sich schon von den Ligen, in denen ich vorher gespielt habe. Zudem ist der Wettbewerb sehr intensiv. Gerade auswärts ist es extrem schwer, da haben viele Teams Probleme - auch wir. Es kommen immer mehr richtig gute Spieler in die Liga, deshalb wird sie in Zukunft auch immer stärker werden.

SPOX: Wie wird international über den deutschen Basketball gedacht?

Halperin: Als ich hier unterschrieben habe, haben mich alle gefragt, wieso ich ausgerechnet nach Deutschland gegangen bin. Meine Antwort ist ziemlich simpel: Zum einen ist die Liga sehr wettbewerbsintensiv, zum anderen kann man einfach nicht ablehnen, wenn ein Verein wie Bayern an einen herantritt. Zudem war für mich nicht nur dieses Jahr entscheidend, es ging mir viel mehr um die Zukunft - und dort wird dieser Klub einiges erreichen.

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