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Handball WM - Corona-Rummel in Ägypten: Bleibt die Blase dicht?

SID
Ist die Handball WM in momentanen Zeiten wirklich sicher?

Corona war das beherrschende Thema in der WM-Vorrunde. Allen hitzigen Diskussionen und Kritik zum Trotz: Bislang hält die Blase erstaunlich dicht.

Corona hier, Corona da - Alfred Gislason brummt schon der Schädel. "Ich hoffe jeden Tag, dass diese Thematik weiter in den Hintergrund rückt", sagt der Bundestrainer. Die hitzigen Diskussionen und teils massive Kritik in Deutschland an der Handball-WM gefallen ihm nicht, doch Corona war das beherrschende Thema während der WM-Vorrunde.

Zwei positiv getestete Slowenen, ein Brasilianer, vier Spieler von Kap Verde - dazu die scharfe Rhetorik des norwegischen Superstars Sander Sagosen, der die Verhältnisse in Ägypten am Tag nach der Ankunft als "Wilder Westen" bezeichnete: Das Mega-Turnier mit 32 Teams hatte kaum begonnen, da war das vernichtende Urteil vieler Kommentatoren gefällt. Am Dienstag kam ein positiver Test bei einem schwedischen Mannschaftsarzt hinzu.

"Es ist insgesamt das falsche Turnier zu dieser Zeit", sagte SPD-Gesundheitsfachmann Karl Lauterbach publikumswirksam bei RTL: "Das Turnier macht mir wesentlich mehr Sorgen als die Geisterspiele in der Bundesliga." Die Süddeutsche Zeitung verwies in diesem Zusammenhang auf die 24 Coronafälle, die zuletzt von den Biathlon-Weltcups in Oberhof gemeldet wurden. Die Gewissheit, dass in Deutschland sportliche Ereignisse mit internationaler Beteiligung sicherer organisiert werden können, werde, so die SZ, wohl auch Lauterbach angesichts dessen nicht hegen.

Doch zurück zur Handball-WM, bei der trotz des Rückzuges vom kapverdischen Team nach zwei weiteren Coronafällen am Wochenende festzuhalten ist: Bislang hält die Turnier-Bubble erstaunlich dicht. Die bisherigen Fälle, das betonte Hygiene-Experte Florian Kainzinger in der Sportschau, seien bei der Anreise mitgebracht und nicht der ägyptischen Blase anzulasten.

Der am Dienstag bekannt gewordene Fall des schwedischen Mannschaftsarztes Daniel Jerrhag scheint zudem zumindest eine Vorgeschichte zu haben. Der Mediziner war bereits im Dezember an COVID-19 erkrankt und galt als geheilt. Er vermutet, dass "tote Virusreste" in seinem Körper nun zum positiven Ergebnis geführt hätten.

Handball WM: "Absolut sicher und gut aufgehoben"

Für die von der Außenwelt abgeschotteten "Blase" betreibt der Ausrichter einen immensen Aufwand. 32 Teams aus allen Ecken der Erde wohnen in vier hermetisch abgeriegelten Luxus-Hotels, zudem Offizielle und Journalisten. Selbst Hotelpersonal, Fahrer und sonstige Helfer leben für drei Wochen auf diesen Anlagen, sehen ihre Familien und Freunde nicht und dürfen die Bubble zu keinem Zeitpunkt nicht verlassen.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning betont deshalb auch gebetsmühlenartig, dass man sich "absolut sicher und gut aufgehoben" fühle. Er rechnet nicht mit einem großflächigen Ausbruch. "Die Ägypter machen einen wahnsinnig guten Job. Solch eine Umsetzung wäre in vielen anderen Ländern sicherlich nicht möglich", sagte Hanning dem SID am Dienstag: "Dem Weltverband und allen Menschen, die das hier möglich machen, gebührt bis hierher großes Lob."

Ursprünglich war die WM von den Ausrichtern ganz anders geplant. Sie sollte die größte und beste aller Zeiten werden. IHF-Präsident Hassan Moustafa, ein stolzer Ägypter mit patriarchischen Zügen, wollte sein Heimatland in den schönsten Farben malen. Er träumte von einem Zuschauer-Rekord in den Hallen und fröhlichen Bildern drumherum. Während in der Welt das Virus wütet, kämpft Moustafa nun stattdessen darum, der Kritik zu trotzen und das bislang größte Sportevent unter Corona-Bedingungen auch mit größtem finanziellen Aufwand so sicher wie möglich durchzuziehen.

"Wenn wir die erste Woche überstanden haben ohne weitere Coronafälle, dann kann das Turnier ohne Störung weiter voranschreiten", sagt DHB-Torhüter Andreas Wolff hoffnungsvoll. Wie sämtliche andere Spieler wird Wolff jeden Tag auf das Virus getestet, alle anderen Bubble-Mitglieder bekommen mindestens alle 48 Stunden einen PCR-Test. Das kostet Nerven und eine Menge Geld. "Ich bin sehr froh, dass uns die Ägypter eine solche Plattform bieten", sagte Wolff.

Und so spielen die Handballer weiter. Wie Biathleten, Fußballer, Eishockey-Spieler und Basketballer trotz zahlreicher Coronafälle übrigens auch. Ob jetzt weitere Fälle in Ägypten entstehen, sagte Kainzinger, "werden die nächsten Tage entscheiden, wenn weiter getestet wird". Die Chancen stehen also gar nicht so schlecht, dass Gislasons Wunsch bald erhört wird.

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