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Handball

Das wildeste Titelrennen aller Zeiten?

Die Löwen können mit einem Sieg dem THW die Tabellenführung entreißen
© getty

Am Mittwochabend schaut ganz Handball-Deutschland in die SAP-Arena nach Mannheim. Die Rhein-Neckar Löwen empfangen am 29. Spieltag im HBL-Kracher den THW Kiel (20.15 Uhr im LIVE-TICKER). Gewinnen die Löwen, lösen sie damit einen dramatischen Kampf um die Meisterschaft aus.

In einer gewissen SPOX-Kolumne war Ende Februar zu lesen, dass die deutsche Meisterschaft ja jetzt schon wieder zugunsten des THW Kiel entschieden sei. Was für ein Schwachsinn! Seitdem hat Kiel in Melsungen verloren und zuhause gegen Magdeburg einen Punkt liegen gelassen - und schon haben wir in der HBL plötzlich eine extrem explosive Situation.

Der Löwen-THW-Clash hat so viel Bedeutung wie noch nie! Sollte Kiel gewinnen, wäre das Titelrennen im Normalfall gelaufen. Der THW hat zwar noch Spiele gegen Flensburg und Berlin vor der Brust, aber beide Partien finden in der Sparkassen-Arena statt.

Kiel würde sich das nicht mehr nehmen lassen, zumal man sich bei drei Punkten Vorsprung auf die Verfolger (und dann vier auf die Löwen) sogar noch eine Niederlage erlauben könnte und trotzdem Meister werden würde.

Löwen hätten alles in der Hand

Kurzum: Kiel kann das Ding in der SAP-Arena so gut wie entscheiden und die Dramatik aus dem Titelkampf nehmen, Kiel hat sich durch die Punktverluste in den letzten Wochen aber auch in eine sehr gefährliche Lage gebracht.

Verliert der THW bei den Löwen, verliert er aufgrund der schlechteren Tordifferenz (+164, Löwen: +181) auch die Tabellenführung. Kiel hätte es bei einer Pleite nicht mehr in der eigenen Hand. Die Löwen wären plötzlich in der Pole-Position.

Wir schauen uns aus gegebenem Anlass mal das Restprogramm der Löwen an: Bergischer HC (A), HSV (H), Eisenach (A), Melsungen (H), Gummersbach (A). Auch wenn Melsungen eine starke Saison spielt, im Endeffekt sind das vier sichere Siege und ein Heimspiel gegen Hamburg als letzten Stolperstein auf dem Weg zum ersten nationalen Titel.

Ein dramatischer Titelkampf...

Allerdings: Eine THW-Niederlage bei den Löwen würde auch sofort wieder Flensburg ins Spiel bringen und einen wilden Titelkampf auslösen.

Die Konstellation wäre dann folgende:

Löwen: 9 Minuspunkte

Kiel: 9 Minuspunkte

Flensburg: 10 Minuspunkte

Flensburg könnte durch das direkte Duell in Kiel einen Teil selbst regeln, muss aber auch noch nach Hamburg und müsste auf einen Ausrutscher der Löwen hoffen.

Und es wird noch wilder: Wenn der HSV nicht jetzt in Magdeburg verloren hätte, wäre er mit nur 10 Minuspunkten auch noch in der Verlosung gewesen. Ausgerechnet der HSV hätte in einer Saison, die vom schockierenden Achtelfinal-Aus in der Champions League und finanziellem Chaos geprägt ist, wieder Chancen gehabt, schon verrückt. Aber durch die Pleite beim SCM sind die Hamburger im Grunde raus, für sie geht es nur noch um einen CL-Platz.

Einige direkte Matchups der Top 4, viele Szenarien - der neutrale Handball-Fan muss sich aus Gründen der Spannung einen Sieg der Löwen wünschen. Und es gibt ja auch durchaus einige Punkte, die für das Team von Coach Gudmundur Gudmundsson sprechen.

Löwen mit der besseren Bank

Die Löwen haben durch den 32:30-Sieg in Kiel im Pokal-Achtelfinale ein Statement gesetzt und gezeigt, wie sehr sie dem THW vor allem mit ihrer Defensive wehtun können. Die Löwen haben auch die bessere weil tiefere Bank, vor allem die Verletzung von Rasmus Lauge Schmidt ist für den THW-Rückraum bitter.

Es wird wie immer bei ganz engen Handballspielen sehr darauf ankommen, wer den besseren Keeper im Kasten hat, insgesamt die bessere Abwehr stellt und dadurch im Gegenstoß zu mehr einfachen Toren kommt. Mit Niklas Landin haben die Löwen auf der Torwart-Position bekanntlich einen absoluten Trumpf.

Wenn man dann noch bedenkt, wie die Löwen in der Rückrunde ihre seit Jahren gewohnten Aussetzer, gerade gegen kleinere Mannschaften, komplett abgestellt haben und von einem Sieg zum nächsten geeilt sind (11 in Folge, +100 Tore), wie sie auch in der CL gegen Kielce einen großen Test bestanden haben, wie sie als Team über die Jahre gewachsen sind, dann spricht gar nicht mal wenig für einen Löwen-Sieg.

Platzt der nächste Titeltraum der Löwen?

Es gibt aber auch die andere Seite. Am vergangenen Wochenende reisten die Löwen in Topform zum Final Four im DHB-Pokal und hatten eine riesige Chance auf einen Titel. Kein THW, kein HSV, wann gibt es das schon mal? Aber statt zuzupacken, den Titel einzusacken und mit einem unfassbaren Selbstbewusstsein ins Kiel-Spiel zu gehen, lieferten die Löwen im Halbfinale gegen Flensburg eines ihrer schwächsten Saisonspiele überhaupt ab. Es ist völlig unerklärlich.

Jetzt haben auch die Löwen enormen Druck. Bei einer Niederlage gegen Kiel hätte man innerhalb weniger Tage gleich zwei Titelchancen verspielt. Die Statistik spricht klar für den THW: 16 von 19 Duellen in der Bundesliga gewann Kiel, darunter auch die letzten fünf. Aus Löwen-Sicht erinnert man sich noch mit Schrecken an den 28. November 2012, als der THW den damals mit 13 Siegen in die Saison gestarteten Löwen in deren Halle eine empfindliche 28:17-Abreibung verpasste.

Dass die Löwen ein zweites Mal so untergehen, ist kaum vorstellbar. Aber sind sie so weit, um eine Art Endspiel gegen den THW zu gewinnen? Prognose: Nein, sind sie nicht. Kiel wird das Ding angeführt von einem überragenden Filip Jicha reißen.

Die aktuelle Tabelle der HBL

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