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Handball

"Als Spieler schwer nachvollziehbar"

SID
Ola Lindgren und Kent-Harry Andersson wurden als Löwen-Trainer entlassen
© Imago

In seiner Kolumne für SPOX spricht Oliver Roggisch über die turbulenten letzten Wochen bei den Rhein-Neckar Löwen und erklärt, wie er die Entlassung von Ola Lindgren und Kent-Harry Andersson erlebt hat. Außerdem stellt er den neuen Coach Gudmundur Gudmundsson vor.

Liebe Handball-Fans,

was soll ich sagen? Es hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan bei uns. Als ich mich zum Saisonstart bei Euch gemeldet habe, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir nach so kurzer Zeit einen neuen Trainer bekommen würden.

Vor allem lagen wir mit der erfolgreichen Champions-League-Qualifikation und einem guten Start in die Bundesliga-Saison, bis auf einen Ausrutscher in Magdeburg, eigentlich voll im Soll. Aber dennoch musste unser Trainergespann Ola Lindgren/Kent-Harry Andersson gehen - und unser Sportlicher Leiter Gudmundur Gudmundsson wurde als neuer Coach installiert.

Unser Aufsichtsratsvorsitzender und Chef unseres Hauptsponsors Jesper Nielsen hatte einfach kein Vertrauen mehr in das alte Trainerteam. Er war nicht davon überzeugt, dass sie uns dahin führen können, wo er uns gerne hinhaben will. Nielsen will, dass die Rhein-Neckar Löwen in fünf Jahren die beste Mannschaft der Welt sind. Das war seine Begründung.

Im ersten Moment ein Schock

Für uns als Mannschaft kam das alles sehr überraschend, wir wussten davon vorher nichts. Ich kann nur sagen, dass wir mit Ola und Kent-Harry hervorragend zusammengearbeitet haben. Die Mannschaft war eigentlich sehr zufrieden mit den beiden. Sie haben einen guten Job gemacht.

Insofern ist es als Spieler sicher schwer nachvollziehbar, dass so eine Entscheidung getroffen wurde und es war auch im ersten Moment ein Schock. Aber im Endeffekt sind wir Profisportler und müssen solche Entscheidungen ganz einfach akzeptieren und mit ihnen leben.

Unsere Aufgabe ist es, auf der Platte Leistung zu bringen und zu zeigen, dass wir Erfolg haben wollen. Das ist uns sehr gut gelungen nach dem Trainerwechsel. Wenige Tage später haben wir bekanntlich ja dann in der Champions League in Barcelona gewonnen.

Gudmundsson: Ein echter Workaholic

Dabei muss man aber auch ganz klar sagen, dass das alte Trainerduo im Prinzip die Vorbereitung auf dieses Spiel gemacht und auch einen Anteil am Sieg hat. Ich bin mir sicher, dass sie sich über unseren Erfolg gefreut haben, auch wenn es für die beiden natürlich ganz bitter war.

Was unseren neuen Coach angeht? Was für ein unglaublich akribischer Arbeiter. Ein echter Workaholic, wie er im Buche steht. Das Videostudium ist ein bisschen länger geworden bei uns. Er stellt uns super auf die Spiele ein und er ist jemand, der sehr viel mit den Spielern spricht. Ein zugänglicher Typ, der aber auch die nötige Ernsthaftigkeit an den Tag legen kann, wenn es sein muss. Er passt ganz gut zur Mannschaft.

Es läuft insgesamt auch sehr gut bei uns im Moment. Zuletzt haben wir am Mittwoch beim TuS N-Lübbecke recht souverän gewonnen, obwohl wir schon früh mit fünf Toren in Rückstand lagen. Das Spiel hat gezeigt, dass die Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Saison reifer geworden ist und mit Stresssituationen besser umgehen kann. Wir sind konstanter. Und wir glauben immer an uns.

Andy Schmid wird immer besser

Es hilft aber auch, dass wir uns wirklich überragend verstärkt haben. Ivan Cupic ist auf Rechtsaußen eine feste Größe geworden, Robert Gunnarsson ist ein absoluter Kämpfer am Kreis - und Andy Schmid hat uns in den letzten Spielen in entscheidenden Situationen gerettet.

Andy hatte am Anfang ein paar Probleme, weil er sich vielleicht auch zu viel Druck gemacht hat, aber inzwischen ist er super in die Spur gekommen. An ihm werden wir noch viel Spaß haben.

Was mich persönlich betrifft, bin ich auch zufrieden. Ich muss mich an dieser Stelle noch mal bei Ola dafür bedanken, dass er mich wachgerüttelt und ermutigt hat, an meinen körperlichen Defiziten, vor allem im Kraftbereich, zu arbeiten.

Das habe ich ganz gut umgesetzt. Ich bin so fit wie lange nicht in die Saison gestartet und in den letzten Spielen stand ich wieder deutlich mehr auf dem Feld als in der Rückrunde der letzten Saison.

Heinevetter momentan überragend

Zum Abschluss noch ein paar Sätze zur Lage der Liga. Wenn wir uns die Tabelle anschauen, sehen wir nur noch ein ungeschlagenes Team an der Tabellenspitze. Und das heißt nicht Kiel oder Hamburg. Sondern Berlin.

Die Füchse spielen aktuell auf einem unglaublichen Niveau - und einer der Hauptgründe ist für mich ganz klar Silvio Heinevetter. Dazu kommt, dass sie mit Denis Spoljaric die Abwehr gut verstärkt haben. Der Angriff war in der letzten Saison schon gut.

Es passt momentan alles zusammen, aber die Füchse wissen selbst, dass es nicht die ganze Saison so weiterlaufen wird. Mal schauen, wie lange sie auf diesem Niveau weiterspielen können.

Bis zum nächsten Mal.

Euer Oliver Roggisch

Oliver Roggisch, 32, spielt seit 2007 bei den Rhein-Neckar Löwen. Der 1,99 m große Kreisläufer und Abwehrspezialist startete seine Karriere beim TuS Schutterwald, bevor es ihn zu Frisch Auf Göppingen zog. Weitere Stationen waren TuSEM Essen und der SC Magdeburg. Mit der Nationalmannschaft wurde er 2007 Weltmeister. Mehr Infos zum SPOX-Kolumnisten gibt's unter http://www.oliver-roggisch.de/.

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