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Handball

"Verkleinerung wäre Blödsinn"

Von Interview: Florian Regelmann
Horst Bredemeier war von 1989 bis 1992 Trainer der Nationalmannschaft
© Imago

Exklusiv An einem Tag werden Rekordablösesummen diskutiert, am anderen gibt es Nachrichten von finanziellen Pleiten. Die Handball-Bundesliga sorgt in dieser Saison für ein breites Spektrum an Schlagzeilen. SPOX sprach mit Mindens Manager und DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier über die Lage der Liga.

SPOX: Herr Bredemeier, in der besten Handball-Liga der Welt schlittern einige Vereine finanziell in die Krise. Was ist da los?

Horst Bredemeier: Es ist bekannt, dass die wirtschaftliche Situation in der Handball-Bundesliga in den vergangenen Jahren bei einigen Vereinen angespannt war. Das steht natürlich im krassen Gegensatz zum Slogan "Beste Liga der Welt". Wenn man die beste Liga hat, sollte diese solide finanziert sein. Seit der WM 2007 wird mit Argusaugen auf den Handball geschaut - es sind keine guten Nachrichten, die zuletzt zu lesen waren.

SPOX: Drohen noch mehr Pleiten?

Bredemeier: Man tut vielen Klubs unrecht, wenn man die Probleme pauschalisiert. Der Großteil der Liga steht auf gesunden Beinen. Wie in der normalen Wirtschaft kann es aber auch im Handball immer passieren, dass es zu Pleiten kommt. Entweder weil ein Verein vielleicht überzieht oder weil Sponsoren abspringen. Dann kommt man ganz schnell in Schwierigkeiten.

SPOX: Ist es ein generelles Problem der Liga oder die Einzelschuld einzelner Vereine?

Bredemeier: Als generelles Problem sollte man es nicht abtun. Fakt ist aber, dass die meisten Klubs genau rechnen und wirtschaften müssen, damit sie über die Runden kommen. Das ist auch bei uns in Minden so.

SPOX: Spüren Sie in Minden die Auswirkungen der Finanzkrise?

Bredemeier: Es hört sich vielleicht seltsam an, aber wir spüren sie momentan noch nicht. Es ist zwar das eine oder andere weggebrochen in der laufenden Saison, woran wir auch zu knabbern haben, aber das bewegt sich alles noch in einem normalen Rahmen. Was in sechs Monaten sein wird, kann ich nicht voraussagen.

SPOX: Was hat man als Manager für Möglichkeiten gegenzusteuern?

Bredemeier: Wenn man sparen muss, dann geht es wenn überhaupt nur bei den Personalkosten. Alles andere sind ja Fixkosten. Wenn wir ein oder zwei Mal weniger übernachten, sparen wir 3000 Euro. Das bringt uns nicht weiter.

SPOX: Die Kluft zwischen den Topklubs und den hinteren Tabellenregionen wird immer größer. Wie problematisch sehen Sie das?

Bredemeier: Es ist nicht unproblematisch, sagen es wir mal so. Aber das Wichtigste ist, dass man es realistisch sieht. Es gibt immer arm und reich und es gibt immer Topklubs, die gut finanzieren. Das Paradebeispiel ist der THW Kiel, der das zudem ohne Hilfe eines Mäzen geschafft hat. Bei Vereinen, die einen Mäzen im Hintergrund haben, ist die ganze Sache etwas gefährlicher.

SPOX: Wann holt Minden Nikola Karabatic?

Bredemeier (lacht): Als Ablösesumme stehen 2,5 Millionen im Raum. Das ist unser ganzer Etat. 

SPOX: Wie schwierig ist es, Bundesliga-Handball in Minden zu erhalten?

Bredemeier: Es ist ja so, dass wir seit 1997 1,7 Millionen Euro an Altlasten abzutragen haben. 100.000 Euro stehen noch zu Buche. Wir müssen jedes Jahr ganz spitz rechnen und schauen, ob wir uns die Bundesliga leisten können.

SPOX: Geht es nach einigen Managern, hat Minden sowieso nichts in der Bundesliga zu suchen, um es überspitzt zu formulieren. Viele plädieren für eine Verkleinerung der Liga...

Bredemeier: Mit so einem Blödsinn sollten wir erst gar nicht anfangen. Solche Äußerungen kommen nur von Managern, die sich wichtig machen, weil sie vielleicht momentan etwas mehr Geld zur Verfügung oder noch nie an der Basis gearbeitet haben. Uwe Schwenker nehme ich ausdrücklich aus. Nordhorn hätte sportlich nie zu den Absteigern gehört. Wallau-Massenheim vor ein paar Jahren auch nicht. Was hilft da eine Verkleinerung?

SPOX: Es wäre ja auch kontraproduktiv für die Nationalmannschaft.

Bredemeier: Absolut richtig. Die kleinen Vereine arbeiten mit deutschen Talenten und bilden sie aus. Wenn wir das nicht mehr tun, hat der deutsche Handball keine Zukunft. Es wäre ganz schlecht für die Nationalmannschaft. Heiner Brand sagt ja nicht umsonst immer wieder, dass er sich mehr Nationalspieler in Topklubs wünschen würde. Da besteht ein enger Zusammenhang. Die kleineren Vereine haben eine große Daseinsberechtigung. Wir haben in Deutschland 850.000 Mitglieder und 6.000 Mannschaften. Da können wir nicht auf vier oder fünf Klubs Rücksicht nehmen, die vielleicht in einer eigenen Liga spielen.

SPOX: Würde Minden aber dann nicht von einem Salary Cap profitieren?

Bredemeier: Von dieser Idee sind wir auf der letzten Bundesliga-Sitzung überrascht worden. Davon halte ich nichts. Was würde denn passieren, wenn wir das Gehalt von Karabatic auf 15.000 Euro beschränken? Dann bieten zwölf Vereine mit und am Ende macht der das Rennen, der am meisten schwarz zahlt. So funktioniert das nicht. Nein, es soll ganz klar nach außen gezeigt werden, wer es kann und wer nicht.

SPOX: Die Idee ist, dass die Klubs, die den Salary Cap überziehen eine Luxussteuer bezahlen müssen. Das Geld käme dann in einen Topf...

Bredemeier: ...man kann es auch noch komplizierter machen. Die Manager sollen überlegen, was sie ausgeben können und ein bisschen Risiko darf auch dabei sein. Ich sage immer: Wenn ich elfeinhalb Monate finanziert habe, dann werden wir den Rest schon noch hinkriegen. Zu vorsichtig darf man nicht sein, sonst würden wir in Minden auch mal absteigen.

Die Tabelle der Handball-Bundesliga

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