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Golf

Love you, Samuel Ryder!

Von Florian Regelmann
Ian Poulter freut sich dermaßen über den Ryder-Cup-Sieg, dass Graeme McDowell Panik bekommt
© Getty

Nach Europas dramatischem Sieg gegen die USA und einer unglaublich bizarren Woche gibt es zwei Erkenntnisse: Der Ryder Cup ist der coolste Wettbewerb der Welt. Und: Die "Boom-Baby-Bewegung" muss kommen!

10. Martin Kaymers Handbremse: Zwei Matches gewonnen, eins geteilt, nur eins verloren. Stolze 2,5 Punkte zum europäischen Sieg beigetragen. Rein faktisch liest sich Kaymers Bilanz bei seinem Debüt mehr als ordentlich. Aber auch wenn es eine Woche des Teams war und alles andere als der Gesamtsieg unwichtig ist, wird der Deutsche tief im Innern etwas mit sich hadern. Die Erwartungen von außen waren hoch, aber seine eigenen waren noch höher.

Kaymer hat sich den Eindrücken nach zu sehr unter Druck gesetzt. Als sein Spiel seinem Anspruch nicht richtig folgen konnte, kam er bis auf ein paar gute Phasen nicht mehr an seine Bestform heran. Er schaffte es einfach nicht, die Handbremse zu lösen. Das Ende des Lieds war die 6&4-Watschn, die er von Dustin Johnson verpasst bekam.

Aber der nächste Ryder Cup kommt für Kaymer bestimmt. Unter Garantie ist er auch in zwei Jahren in Medinah dabei, da kann er das dann einfach besser machen. Stopp: Er wird es besser machen.

9. God save the Queen! Vier Engländer waren bei Europa dabei. Mein Gott, waren die alle stark. Lee Westwood hat Phil Mickelson in der Weltrangliste an Position zwei abgelöst - mit ein paar guten Ergebnissen in den nächsten Wochen hat Westy exzellente Chancen, nun auch Tiger Woods von der Spitze zu verdrängen. Er hätte es verdient. Kein Spieler auf der Welt schwingt den Golfschläger aktuell besser als Westwood.

Obwohl, Luke Donald vielleicht. Auch Luuuuuuuuuuke war in Wales bombastisch in Form, zwischenzeitlich stellte man sich die Frage, ob der jemals einen Putt nicht locht? So eine Phase hatte auch Ross Fisher. Das ist der Typ, der so überragend spielen kann, aber dessen ulkiger Roboter-Jubel einen manchmal erschreckt.

Und dann gab es da noch Ian Poulter. Der hat so viel Intensität in den Augen wie kein anderer Mensch auf der Welt. Gemeinsam mit "ESPN"-Reporter Jason Sobel fordert SPOX für das Videospiel "Tiger Woods PGA Tour 2012" eine eigene Poulter-Funktion, die seine Augen bei besonders guten Schlägen aus dem Kopf knallen lassen. Genau so sieht es nämlich in Wirklichkeit aus.

8.Tiger, Glückwunsch zum Masters-Sieg! Zwei Matches an der Seite von Steve Stricker gewonnen, eins überaus deutlich verloren, das Einzel dafür in überragender Manier dominiert. Tiger holte drei von vier möglichen Punkten und präsentierte sich dazu als echter Teamplayer, der um seine Kollegen unglaublich bemüht war. Es gab Zeiten, da hatte man ihm vorgeworfen, genau das nicht zu sein.

Gerade an den ersten drei Tagen machte er aber auch viele schlechte Schläge. Vor allem verschob er auf den langsamen Grüns - Woods hasst langsame Grüns wie die Pest - Putt um Putt. Man kommt nicht umher zu denken, dass die Erlebnisse des letzten Jahres einen Effekt auf sein Nervenkostüm gehabt haben. Gehabt haben müssen.

Alles andere wäre völlig unmenschlich. Manchmal scheint es so, als ob er seine mentale Stärke von früher, als man Haus, Frau und Kinder auf einen gelochten Woods-Putt verwettet hätte, einfach nicht mehr hat. Im Einzel drehte er aber dann in großer Manier auf.

Zum einen sicher, weil ihm das Einzel per se mehr liegt. Wie sagte ein Kollege so schön: Der Henker spielt nicht im Softball-Team der Häftlinge mit. Er killt die Leute einfach. Vielleicht war er aber auch deshalb im Einzel so stark, weil er ganz nahe dran ist, seine Topform zu finden. Es gibt da jemanden, auf den ich in Augusta setzen würde.

7. Borey Pavin: Als Spieler war Pavin sehr extrovertiert. Als Captain war er der größte Langweiler der Geschichte. Zumindest in der Öffentlichkeit. Es geht das Gerücht herum, dass sich Pavin vor dem Ryder Cup seine Emotionsdrüse operativ entfernen ließ. Die US-Journalisten wurden von Pavins Getue, als ob er Staatsgeheimnisse hüten müsse, so frustriert, dass sie ihn "Borey" tauften.

Vor zwei Jahren war Paul Azinger mit seinem Feuer ein Sieggarant der USA gewesen - davon war Pavin weit entfernt. Er war nicht nur langweilig, er vergaß bei der Eröffnungszeremonie nicht nur einen seiner Spieler (Stewart Cink), er machte auch strategische Fehler.

So schickte er in der dritten Session, die im Nachhinein den USA das Genick brach, Stricker und Woods als Foursomes-Duo raus, was absolut keinen Sinn ergab. Stricker war unglaublich heiß und lochte praktisch alles, kommt aber im Foursomes-Format nur jedes zweite Loch zum Putten.

Und Woods, der zu diesem Zeitpunkt Probleme mit seinem Spiel hatte, muss im Foursomes-Format gezwungenermaßen auf Sicherheit spielen. Das nennt man dann: Berauben der eigenen Stärke. Nein, Pavin war keine Offenbarung als Captain. Auch wenn man ihm zugute halten muss, dass er wohl intern anders aufgetreten sein muss. Das ist zumindest zu hoffen.

6. Montys Major: Colin Montgomerie ist einer der größten europäischen Golfer aller Zeiten, aber er wird wohl für immer ohne einen Major-Sieg bleiben. Dafür hat er mit einer Kapitäns-Meisterleistung jetzt sein ganz eigenes Major gewonnen. Man kann keinen besseren Job als Captain machen als der Schotte. Monty hat alles richtig gemacht. A-l-l-e-s.

Als Monty spürte, dass sein Team auf dem Weg zu einer Niederlage ist, verpasste er seinen Jungs nach der zweiten Session einen Tritt in den Hintern, der sich gewaschen hatte. Die Leidenschaft fehlte ihm - und fortan bekam er sie. Die Spieler haben den Ryder Cup auch für Montgomerie gewonnen, weil sie gefühlt haben, wie viel ihm dieser Erfolg bedeutet. Nämlich alles.

Seit seiner Ernennung zum Captain hat er für diese Aufgabe gelebt. Mit viel, viel Herzblut hat er seine Rolle ausgefüllt. Und gleichzeitig mit einer beeindruckenden Methodik. Monty wird sagen, es ist der Sieg der Spieler.

Aber in Wahrheit ist es auch sein Sieg. Sein nächstes Ziel: Im nächsten Team wieder als Spieler dabei zu sein. Erst Spieler, dann Captain, dann noch mal Spieler, das hat noch nie einer geschafft. Monty ist es zuzutrauen.

Die Boom-Baby-Bewegung und ein Dank an Samuel Ryder

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