-->
Cookie-Einstellungen
Golf

Europa hat das ersehnte Momentum

Von Florian Regelmann
Martin Kaymer hat an den ersten beiden Tagen 1,5 Punkte für Europa gewonnen
© Getty

Die USA haben am zweiten Tag des Ryder Cups im Celtic Manor Resort im walisischen Newport die Führung übernommen, aber bevor die Dunkelheit kam, lief Europa richtig heiß und liegt in allen laufenden Matches vorne. Martin Kaymer ist bei seinem Debüt ungeschlagen, kann aber dennoch nicht ganz zufrieden sein.

Nach dem Wetterchaos zum Auftakt präsentierte sich Wales am zweiten Tag von seiner freundlichen Seite. Bis auf einen kurzen Schauer blieb der Regen fern, sodass ein umfangreiches Programm abgespult werden konnte.

Regen am Sonntag - Verlängerung am Montag!

Die Matches des Tages

1. Session - 4 Fourballs: Europa - USA 1,5:2,5

Martin Kaymer/Lee Westwood vs. Phil Mickelson/Dustin Johnson: EUR 3&2

Erwartet bärenstarke Vorstellung der nach Weltrangliste europäischen Top-Paarung. An der 2 hatten Westwood und Kaymer am ersten Tag die Führung übernommen - sie gaben sie bis zum Schluss nicht mehr ab.

Nach einem kurzen Comeback der Amerikaner, die ihren Rückstand auf ein Loch verkürzen konnten, machten Westwood und Kaymer mit einem Birdie an der 15 und einem Par an der 16 alles klar. Der Deutsche glänzte dabei mit einem grandiosen Bunkerschlag.

Die Europäer profitierten aber auch davon, dass die Power-Boys aus den USA auf den letzten Löchern auseinander fielen. Dustin Johnson verlor komplett sein Spiel und ließ Mickelson völlig alleine, was für diesen zu viel war.

Rory McIlroy/Graeme McDowell vs. Stewart Cink/Matt Kuchar: All Square

McIlroy lochte einen Bomben-Putt auf der 17, danach sorgten Pars von Kuchar und McDowell an der 18 für die Teilung. McIlroy und Cink hatten zuvor das Grün attackiert und waren im Wasser gelandet.

Ian Poulter/Ross Fisher vs. Steve Stricker/Tiger Woods: USA 2 auf

Woods hatte mit dem Sieg so gut wie nichts zu tun, praktisch alles Strickers Verdienst. Tiger machte ganz wenige gute Schläge und spielte teilweise grauenvoll. Langes Spiel: schlecht. Putten: noch schlechter. Sein Chip an der 18: hässlich.

Luke Donald/Padraig Harrington vs. Bubba Watson/Jeff Overton: USA 3&2

Auf der Papierform ein garantierter Punkt für Europa, aber es wurde die Overton-Show. Bei den Europäern versuchte Donald alles, aber Harrington (0 Birdies!) half ihm überhaupt nicht.

2. Session - 6 Foursomes: Europa - USA 2,5:3,5

Peter Hanson/Miguel Angel Jimenez vs. Tiger Woods/Steve Stricker: USA 4&3

Nächster Sieg für die Stricker/Woods-Combo, die ihre Bilanz (inklusive Presidents Cup) auf 6-0 ausbaute. Tiger stark verbessert, aber der entscheidende Mann war wieder die Putt-Maschine Stricker. 7 Birdies im Alternate-Shot-Format ist beeindruckend.

Francesco Molinari/Edoardo Molinari vs. Hunter Mahan/Zach Johnson: USA 2 auf

Die Italo-Brüder begannen nervös, kamen aber mit viel Herz zurück und glichen an der 16 aus. Doch dann killte sie ein phänomenaler Birdie-Putt von Johnson an der 17. Extrem bittere Niederlage.

Lee Westwood/Martin Kaymer vs. Rickie Fowler/Jim Furyk: All Square

Westwood und Kaymer übernahmen wieder an der 2 sofort die Führung und hatten eigentlich alles unter Kontrolle. Das große Problem: Sie hätten das Match viel früher zumachen müssen, schafften es aber nicht, weil Kaymer auf den zweiten Neun eine gute Birdie-Chance nach der anderen ausließ.

Westwood spielte erneut fantastisch, aber Kaymer konnte seine Vorarbeit leider zu häufig nicht nutzen. So kam es, wie es kommen musste: An der 18 lochte Fowler den Birdie-Putt zur Match-Teilung. Kaymer hatte zuvor keinen besonders guten Annäherungsschlag gemacht und Westwood einen langen Birdie-Putt gelassen, den dieser nicht lochen konnte.

Respekt vor allem vor Fowler, der bis auf einen Anfängerfehler (falschen Ball gedroppt) ziemlich stark spielte. Dennoch: 16 Löcher geführt und dann nur ein halber Punkt, fühlte sich für Europa fast wie eine Niederlage an.

Ross Fisher/Padraig Harrington vs. Dustin Johnson/Phil Mickelson: EUR 3&2

Doppel-Bogey an der 1, aber dann vier Birdies und kein einziger Schlagverlust mehr. Große Leistung vor allem von Paddy, der enorm unter Druck stand und sein erstes Match seit 2004 gewann.

Luke Donald/Ian Poulter vs. Jeff Overton/Bubba Watson: EUR 2&1

Nach der 14 führte noch das US-Rookie-Duo, doch dann holten sich die Europäer drei Löcher in Serie. Man of the Match: Luke Donald, der mit sensationellen langen Schlägen für die Wende sorgte und einen schwächelnden Poulter mitriss.

Graeme McDowell/Rory McIlroy vs. Stewart Cink/Matt Kuchar: USA 1 auf

Wieder das aufregendste Match mit einem unfassbaren Auf und Ab. Ein Monster-Birdie-Putt von Cink an der 17 brachte den USA letztlich den Sieg. McIlroy versagte am Ende. Kurzer Birdie-Putt vorbei an der 17, grottiger Annäherungsschlag an der 18. Böse Pleite für die beiden Nordiren.

3. Session - 2 Foursomes: Europa vs. USA

Luke Donald/Lee Westwood vs. Steve Stricker/Tiger Woods: EUR 4 auf nach 9

Die mit Abstand besten Europäer gegen das ungeschlagene US-Duo. Westwood und Donald erwischten mit Birdies an der 1 und 2 einen Topstart und vernichten die US-Boys. Stricker wirkt müde - und Woods verschiebt einen Putt nach dem anderen. Erst an der 9 können die Amerikaner durch einen verwandelten Birdie-Putt von Stricker auch mal ein Loch gewinnen.

Rory McIlroy/Graeme McDowell vs. Hunter Mahan/Zach Johnson: EUR 3 auf nach 7

McIlroy und McDowell grundsolide: Sechs Pars, dann ein Birdie an der 7. Sollte der erste Sieg für die beiden werden.

3. Session - 4 Fourballs: Europa vs. USA

Padraig Harrington/Ross Fisher vs. Jim Furyk/Dustin Johnson: EUR 1 auf nach 8

Fisher hat sich im Laufe des Tages enorm gesteigert und ist mit drei Birdies in Serie richtig heiß gelaufen. Tolle Leistung des Rookies.

Peter Hanson/Miguel Angel Jimenez vs.  Bubba Watson/Jeff Overton: EUR 2 auf nach 6

Hochklassiges Match. Höhepunkt: Ein genialer Birdie-Putt von Jimenez an der 3, Thomas Björn wollte ihn danach küssen. Eine Szene des Tages.

Edoardo Molinari/Francesco Molinari vs. Stewart Cink/Matt Kuchar: EUR 1 auf nach 5

Die Molinaris haben ihre bittere Niederlage gut verkraftet. Francesco ist mit drei Birdies an der 2, 3 und 5 (Chip-in) hauptverantwortlich für die Führung.

Ian Poulter/Martin Kaymer vs. Phil Mickelson/Rickie Fowler: EUR 2 auf nach 4

Fowler und Mickelson spielen schlecht. Europa führt in erster Linie dank eines soliden Poulter. Einzig Negatives: Kaymers Putts gehen weiter nicht rein. Immerhin konnte er kurz vor Abbruch noch einen wichtigen Par-Putt lochen.

Reaktionen:

Colin Montgomerie (Captain Europa): "Auch wenn noch kein Match beendet ist, sind wir jetzt in einer starken Position. Wir müssen das Momentum beibehalten. Mein Ziel war es, 8-8 in die Einzel zu gehen. Uns hat vorher die Leidenschaft gefehlt. Die Fans waren nicht involviert genug, weil wir sie nicht involviert haben. Das habe ich dem Team gesagt. Lee Westwood ist mein bester Spieler und zeigt das diese Woche. Er ist unglaublich für uns."

Martin Kaymer: "Wir führen in allen laufenden Matches, das haben wir gebraucht. Ich weiß nicht, was ich zu Lee Westwood noch sagen soll. Er ist unglaublich. Für mich ist er der beste Spieler der Welt."

Corey Pavin (Captain USA): "Wir führen 6-4. Natürlich sind wir in der dritten Session nicht in der Position, in der wir gerne wären, aber die Matches sind noch in einem frühen Stadium. Dafür gibt es keine Punkte. Wir müssen einfach rausgehen und es wieder umdrehen."

Der Star des Tages: Lee Westwood. Aufgrund seiner Wadenverletzung hatte er im Prinzip seit den British Open kein Turniergolf mehr gespielt. Es gab länger Zweifel um seine Fitness - und dann war die Frage, wie Westy in Form sein würde. Die Antwort? Außerirdisch gut! Der Engländer ist ohne jeden Zweifel bislang der MVP des europäischen Teams. Er ist Montys General auf dem Platz, der vorneweg marschiert. Westwood hat an den ersten beiden Tagen unzählige Weltklasse-Eisenschläge gemacht und viele große Putts gelocht.

Er hat Kaymer im ersten Match zum Sieg geführt, der verschenkte halbe Punkt im zweiten Match war nicht seine Schuld. Gemeinsam mit dem ebenfalls richtig starken Donald ist er auf dem Weg, Stricker und Woods eine deutliche Niederlage zu verpassen. Stricker ist aus US-Sicht aber trotzdem der Mann des Tages. Der 43-Jährige, der den ganzen Tag alles gelocht und Woods auf seinem Rücken zu zwei Siegen getragen hatte, sodass er Rückenschmerzen haben muss, wurde gegen Ende nur etwas müde. Und Tiger war nicht in der Lage, ihm zu helfen.

Die Gurke des Tages: Die Mickelson/Johnson-Paarung. Die besten Freunde, die beide unglaubliche Power haben und viele Proberunden zusammen spielen, galten als mögliche Traum-Kombination. Stattdessen haben sie sich als Luschen-Duo entpuppt. Selbst Butch Harmon, der beide trainiert, forderte noch während der zweiten Session, dass Corey Pavin beide trennen muss, weil es einfach nicht funktioniert.

Mickelsons Bilanz in seinen letzten 17 Ryder-Cup-Matches: 2-12-3. Erschütternd. Zu seiner Entschuldigung sei gesagt, dass Dustin Johnson der noch Schlechtere der beiden war. Aber auch getrennt voneinander liegen beide schon wieder zurück.

Die Lehren des Tages: Montgomerie forderte sein Team auf, am Samstagmorgen das verloren gegangene Momentum zurückzuholen und die so wichtige erste Session noch zu gewinnen. Aber der Plan ging nicht auf, weil die Europäer schlicht und ergreifend zu wenige Putts lochten.

Also wurde der Plan geändert: Jetzt sollte in den Foursomes, die aufgrund der größeren Tiefe und der beständigeren Spieler Europa optimal liegen sollten, das Momentum kommen. Aber der Plan ging wieder schief. Es gab zwar immer mal wieder laute Jubelschreie auf dem Twenty Ten Course, aber im Grunde ließen die Amerikaner die europäischen Fans mit ihrem guten Spiel verstummen. Es fehlte der letzte Kick.

Die US-Boys lochten weiter mehr Birdie-Putts - und vor allem lochten sie die wichtigen Putts in der Crunch-Time der Matches. Westwood und Kaymer hätten ihr zweites Match unbedingt gewinnen müssen - der Engländer spielte grandios, den verschenkten halben Punkt muss sich klar der Deutsche ankreiden lassen.

Genauso unentschuldbar ist, dass die McIlroy/McDowell-Paarung bislang nur 0,5 Punkte eingefahren hat. Zudem waren die US-Rookies überraschend besser als die europäischen. Kurzum: Die Führung der USA war nach der 2. Session absolut verdient.

Mit seinem Move, seine beiden besten Spieler (Westwood und Donald) in der dritten Session zu vereinen und früh rauszuschicken, um die ersehnte europäische Lawine ins Rollen zu bringen, hat Monty dann alles richtig gemacht.

Europa ist mächtig im Kommen und geht mit einer Führung in allen 6 laufenden Matches in die Nacht. Das ganze Scoreboard ist blau - alle 12 Mann spielen fantastisch und virtuell hat man bereits die Führung übernommen. Es ist alles angerichtet für ein überaus dramatisches Finish. Ausgang völlig offen. Aber: Vorteil Europa.

Tag 1: Der Europa-Zug rollt noch nicht

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung