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Fussball

Werder Bremen bleibt auch zweitklassig eine grün-weiße Familie

SID

Analytische Selbstkritik, offene Worte, aber keine schmutzige Generalabrechnung. Werder Bremen will auch zweitklassig eine grün-weiße Familie bleiben.

"Standing Ovations" für den scheidenden Marco Bode, immerhin unüberhörbaren Beifall für den oft heftig kritisierten Sport-Geschäftsführer Frank Baumann: Ungeachtet des Bundesliga-Abstiegs vor knapp vier Monaten und der sportlichen Talfahrt der vergangenen Jahre soll Werder Bremen ein familiärer Klub bleiben.

Bei der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung blieb am Sonntag im Weserstadion eine Generalabrechnung mit der Führungsetage des Zweitligisten weitgehend aus. Und auch die finanzielle Situation beim SV Werder ist offenbar nicht ganz so dramatisch wie lange an der Weser befürchtet.

"Als Werder Bremen hatten wir Corona und lagen auf der Intensivstation. Diese konnten wir aber mittlerweile verlassen, die laufende Saison ist durchfinanziert, wenn wir bald wieder mehr Zuschauer zulassen dürfen", sagte Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, mit einem Anflug von Zuversicht.

Dennoch haben die beiden Corona-Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 am Osterdeich zwei Jahresbilanzen gehörig verhagelt. In der ersten Pandemie-Saison erwirtschaftete der aktuelle Zweitligist ein Minus von 23,8 Millionen Euro. Für 2020/21 steht ein Minus von 8,8 Millionen Euro in den Büchern.

Werder-Boss räumen ein: "Wollten zuviel und waren zu ehrgeizig"

Filbry räumte vor rund 1000 stimmberechtigten Mitgliedern eigene Fehler ein: "Vor zwei Jahren haben wir für uns für ein sportliches Wagnis entschieden, im Nachhinein eine falsche Entscheidung." Abgepuffert wurde das drastische Minus durch eine Mittelstandsanleihe, die 18 Millionen Euro in die klammen Kassen der Hanseaten spülte.

Auch Baumann gab Fehleinschätzungen zu. "Wir wollten zuviel und waren zu ehrgeizig. Viele unserer Neuverpflichtungen haben nicht eingeschlagen, kaum ein neuer Spieler wurde sofort Stammspieler", sagte der ehemalige Nationalspieler selbstkritisch. Dennoch sei der Abstieg unnötig gewesen.

Der scheidende Aufsichtsrats-Vorsitzende Marco Bode bezeichnete die aktuelle Zweitklassigkeit der Norddeutschen als "furchtbare Zäsur." Auch aus persönlichen Gründen kandidierte der Europameister von 1996 wie auch seine Kollegen nicht erneut für einen Posten im Kontrollgremium. Er warb aber eindringlich: "Werder muss Werder bleiben, wenn es um seine Werte als Verein geht".

Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald hatte die Versammlung am Vormittag mit mahnenden Worten eröffnet. "Wir sind in einer Phase, in der unser Verein auf der Suche ist. Die viel zitierte Geschlossenheit ist verloren gegangen", sagte der 60-Jährige, der kraft dieses Amtes der Geschäftsführung der Werder KG angehört.

Zu diesem Zeitpunkt war auch der Mannschaftsrat der Zweitliga-Profis samt Trainer Markus Anfang anwesend. Nach 75 Minuten verließen die Spieler das Weserstadion - begleitet vom zaghaften Applaus der Werder-Mitglieder.

 

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