WM

Costa Rica heiß auf das Viertelfinale

SID
Der Blick geht nach oben: Costa Rica (mit Junior Diaz, r.) nimmt Griechenland ins Visier
© getty

Der Fußball-Zwerg Costa Rica mischt weiter die WM auf. Im Achtelfinale gegen Griechenland soll für die No-Name-Truppe aus der Karibik noch lange nicht Schluss sein.

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Jorge Luis Pinto genoss das Rampenlicht. Seine No-Name-Truppe aus Costa Rica hatte gerade die stolzen Engländer um Superstar Wayne Rooney endgültig in den Sommerurlaub geschickt, da trat der ebenso exzentrische wie selbstbewusste Trainer vor jedes sich bietende Mikrofon und versicherte: Das Fußball-Märchen seiner Karibik-Kicker ist noch lange nicht beendet.

"Sie haben diese Gruppe vorher Todesgruppe genannt, aber das war sie nicht für uns. Wir sind noch am Leben", sagte Pinto. Seine Ticos sind in Gruppe D mit drei Ex-Weltmeistern souverän als Erster ins Achtelfinale spaziert - Italien und England sind längst wieder auf dem Weg nach Europa.

Nur Uruguay konnte Costa Rica in die nächste Runde folgen. Da treffen Pintos Krieger jetzt auf die biederen Griechen (Sonntag, 22.00 Uhr MESZ). Eins steht fest: Costa Rica wird sich zerreißen, um erstmals in der Geschichte des kleinen Landes das Viertelfinale zu erreichen.

Costa Rica will mehr

Zwar hatte sich der Kolumbianer Pinto schon auf ein Duell mit seinem Heimatland gefreut, doch auch gegen Griechenland wird er keine Probleme haben, seine Spieler heiß zu machen. "Wir erwarten mehr, wir wollen mehr", sagte der 61 Jahre alte Disziplinfanatiker: "Wir sind bereit zu kämpfen." Pinto hofft, dass spätestens dann alle Skeptiker rund um sein Team verstummen mögen.

"Einige Leute hatten Zweifel nach dem Uruguay-Spiel (3:1-Sieg, d. Red.). Einige hatten auch noch nach dem Spiel gegen Italien (1:0, d. Red.) Zweifel", sagte Pinto leicht aufgebracht. Aber spätestens mit dem 0:0 gegen England "haben wir bewiesen, dass wir nicht nur mithalten können. Einige Leute sagen, wir können nur verteidigen - aber das stimmt nicht. Wir haben Anerkennung verdient." Und so nutzte Pinto die große Bühne nach der Partie gegen England für die eigene PR. Und Junior Diaz von Mainz 05 meinte: "Wir dürfen weiter träumen."

"Die Welt ist geschockt"

Gegen die Three Lions, die schon vor dem Spiel ausgeschieden waren, überzeugte Costa Rica in einem insgesamt langweiligen Spiel zwar nicht wie zuletzt - doch das Team gilt als Prototyp für die groß aufspielenden Teams aus Mittel- und Südamerika. Sie verteidigen uneitel, humorlos und kompakt und können extrem schnell in die Offensive umschalten. Überfallartig überrumpeln sie den Gegner, bevor dieser auch nur die Chance hat, sich zu organisieren. Das soll auch der Europameister von 2004 zu spüren bekommen.

"Die Welt ist vielleicht geschockt, dass wir weiter sind und nicht England oder Italien", sagte Paulo Wanchope, mit drei Treffern Costa Ricas WM-Rekordtorschütze und Co-Trainer von Pinto: "Aber wir sind nicht überrascht. Wir wollten der Welt zeigen, was wir können. Jetzt ist alles möglich."

In der Hauptstadt San José und an den Traumständen von Costa Rica werden sie am Sonntag wieder eine einzige riesige Party feiern. "Manche haben uns diesen Weg hier in Brasilien nicht zugetraut. Ich widme diesen Triumph allen Menschen, die an uns geglaubt haben. Und jenen, die nicht an uns geglaubt haben", sagte Pinto fest entschlossen. Er will das Rampenlicht noch lange nicht verlassen.

Costa Rica - England: Die Statistik zum Spiel