Cookie-Einstellungen
Fussball

Portugal erkämpft sich schmeichelhaften Sieg

Von Stefan Rommel
Zvjezdan Misimovic (l.) und Bosnien-Herzegowina unterlagen den Portugiesen um Pepe mit 0:1
© Getty

Portugal hat sich im Playoff-Hinspiel zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gegen Bosnien-Herzegowina eine akzeptable Ausgangsposition geschaffen.

Der WM-Vierte von 2006 gewann in Lissabon gegen den Außenseiter durch ein Tor von Rechtsverteidiger Bruno Alves (31.) mit 1:0 (1:0).

Vor 52.000 Zuschauern im Stadion da Luz hatten die Gäste gleich dreimal Pech, als Senijad Ibricic und Edin Dzeko jeweils mit Kopfbällen nur die Latte und Miralem Pjanic nur den Pfosten trafen.

Am kommenden Mittwoch steigt in Bosnien das alles entscheidende Rückspiel um das Ticket für die WM.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Portugal ohne Cristiano Ronaldo, der nicht rechtzeitig fit wird und Rechtsverteidiger Bosingwa. Liedson als Stoßstürmer im Zentrum, flankiert von Nani und Simao.

Bosnien im 4-2-3-1 und mit dem "deutschen" Angriff - die offensiven Mittelfeldspieler und Stürmer Dzeko verdienen ihr Geld in der Bundesliga.

8.: Freistoß von der linken Seite aus rund 30 Metern, Carvalho gewinnt das Kopfballduell im Zentrum. Am rechten Pfosten ist Liedson, doch er verfehlt das Tor knapp.

32., 1:0, Bruno Alves: Nani flankt von der rechten Seite in den Fünfer. Am kurzen Pfosten verpasst Liedson. Ibricic steht eigentlich super zum Ball, schaltet aber plötzlich ab und übersieht Bruno Alves in seinem Rücken. Der läuft einfach durch und nickt aus vier Metern locker ein.

34.: Salihovic flankt stark von der linken Seite auf seinen Hoffenheimer Kollegen Ibisevic. Der Stürmer nimmt den Ball runter und schießt dann aus sechs Metern mit einem Seitfallzieher drauf. Die Kugel geht knapp über die Querstange.

38.: Ein Flankenball von rechts kommt durch auf Salihovic. Dessen Direktabnahme wehrt Eduardo ab, auch der Nachschuss landet nicht im Tor.

43.: Misimovic zieht eine Ecke von links auf den Fünfer, dort köpft Ibricic den Ball an die Latte. Eduardo wäre machtlos gewesen.

Halbzeit-Fazit: Verdiente Führung für aktivere Portugiesen. Allerdings deutete Bosnien seine Gefährlichkeit gegen Ende der Halbzeit in einigen Szenen an.

57.: Deco mal mit einer guten Aktion, Querpass auf Liedson. Der macht Gegenspieler Nadarevic mit einem Lupfer so richtig schön frisch und zieht volley mit links ab. Tolle Bewegung, aber knapp links vorbei.

89.: Dzeko nach einer Flanke von rechts völlig blank vor Eduardo - setzt den Ball aber per Aufsetzer nur an die Latte. Den Nachschuss nimmt Jahic direkt, Edurado wieder geschlagen - der linke Pfosten rettet!

Fazit: In Anbetracht der drei Aluminiumtreffer der Bosnier ein schmeichelhafter Sieg für Portugal.

Der Star des Spiels: Liedson ist gebürtiger Brasilianer und erst seit wenigen Monaten eingebürgerter Portugiese. Aber der Stürmer von Sporting Lissabon ist schon jetzt ein fester Bestandteil der Mannschaft. Den quirligen Liedson bekam Bosniens Innenverteidigung nie so richtig in den Griff. Immer wenn es brenzlig wurde, hatte Liedson seine Beine im Spiel.

Die Gurke des Spiels: An und für sich spielte Senijad Ibricic eine vernünftige Partie auf der Doppel-Sechs, klaute viele Bälle - wenn da nur nicht die 31. Minute gewesen wäre. Ein kurzer Total-Blackout entschied die Partie und kostete Bosnien eine bessere Ausgangslage für das Rückspiel. Dass Ibricic nur ein paar Minuten später nach einer Ecke alles richtig machte, aber nur die Latte traf, machte ihn zur traurigen Figur des Spiels.

Die Pfeife des Spiels: Martin Atkinson aus England hatte mit der sauberen Partie kaum Probleme und zeigte eine fast tadellose Leistung. Lediglich ein paar Mal fiel er auf die schnellen Faller der Portugiesen rein.

Die Lehren des Spiels: Portugal war von Beginn an konzentriert, während die Gäste vor allem in der Anfangsphase doch gehörigen Respekt hatten. Teilweise brachte Portugal ein recht ansehnliches und variables Kombinationsspiel zustande, da beide Flügel durch die offensiven Außenverteidiger Ferreira und Bruno Alves besetzt waren.

Aus dem Zentrum fehlte es allerdings an Kreativität. Vor allem Deco entwickelte im rechten Halbraum trotz vieler Ballkontakte nur wenige Ideen. Der ehemalige Welt-Star scheint die Kurve zu den ganz großen Leistungen - vor allem in wichtigen Spielen und in Abwesenheit der Überfigur Cristiano Ronaldo - einfach nicht mehr zu bekommen.

Portugal hatte alles im Griff, so lange die Gastgeber selbst nach vorne spielten. Komischerweise verließen sie den Pfad der Tugend besonders vor und kurz nach der Pause und machten sich das Leben dadurch unnötig schwer.

Bosnien hatte zu Beginn schlicht die Hosen voll und verschanzte sich viel zu tief in der eigenen Hälfte. So waren die Gäste ständig nahe vor dem eigenen Tor unter Druck und mussten sich mit langen, hohen Bällen behelfen. Dzeko konnte damit trotz seiner Robustheit und Technik kaum etwas anfangen. Die Folge waren viele schnelle Ballverluste.

Bosnien konnte das Kurzpassspiel aus dem defensiven Mittelfeld heraus nicht entwickeln, womit Spielgestalter Misimovic über große Teile der Partie quasi aus dem Spiel war.

Erst nach dem Rückstand spielten die Bosnier eine Viertelstunde lang Fußball und hatten da die Portugiesen auch gut im Griff. Dann aber überkam die Gäste offenbar wieder die Angst vor der eigenen Courage.

Allerdings ist im Rückspiel noch alles möglich - Portugal geht zwar mit einem dünnen Vorsprung in die Partie, hat sich aber keineswegs als Übermannschaft präsentiert. Und eine Sache sollte Portugal zu denken und Bosnien Hoffnung geben: Die Gäste spielten insgesamt gesehen schwach - und hatten trotzdem drei glasklare Torchancen...

Alle Playoff-Spiele zur WM im Überblick

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung