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Fussball

Private Investoren: Juwelen für 10.000 Euro

Von Interview: Stefan Moser
Private Investoren bieten Jung-Profis an, um später an Transfererlösen beteiligt zu werden
© Imago

Anfang der Woche fiel der Startschuss: Zum ersten Mal seit knapp 10 Jahren geht in Deutschland wieder ein privater Anleger-Fonds an den Start, der in die finanziellen Transferrechte von Fußballspielern investiert. Der Grundgedanke: Die FTR1 Fußball GmbH und Co. KG geht auf Vereine zu und bietet junge Talente an, die sie dem entsprechenden Klub finanzieren will. Im Gegenzug erhält sie dafür eine Beteiligung an Transfererlösen, falls der Spieler später ablösepflichtig wechselt.

SPOX sprach mit den Geschäftsführern Kai-Volker Langhinrichs und Jörg Zeitz über ihr Investoren-Modell, die Suche nach unbekannten Talenten und die Vorbehalte aus der Fanszene.

SPOX: Ab einer Summe von 10.000 Euro kann sich ein privater Anleger bei FTR1 beteiligen. Was passiert konkret mit dem Geld, wenn sich ein Anleger entschieden hat, in das Projekt zu investieren?

Jörg Zeitz: Vereinfacht dargestellt zahlen Sie das Geld zunächst auf ein Gesellschaftskonto ein, das insgesamt einen Fonds von maximal 10 Millionen Euro ergeben wird. Diese werden dann ab Winter 2010/11 in Transferrechte investiert, indem wir Vereinen, die entsprechend wirtschaftlichen Bedarf haben, ausgewählte Spieler anbieten und finanzieren. Spieler, von denen wir glauben, dass sie Entwicklungspotential haben. Wenn die Spieler dann später ablösepflichtig den Verein wechseln, werden wir die Gewinne an die Anleger ausschütten - gekoppelt an die Transferperioden in der Regel im Halbjahres-Rhythmus. Hochgerechnet auf die Fonds-Laufzeit von vier Jahren ist bei einer Einlage von 10.000 Euro eine Auszahlung von rund 14.000 Euro realistisch.

SPOX: Wenn ein Spieler aber im Verein bleibt oder ablösefrei wechselt, ist das Geld weg...

Kai-Volker Langhinrichs: Wir haben einen Muster-Vertrag, der vorsieht, dass wir das investierte Geld für diesen Fall vom Verein wiedererstattet bekommen. Wir wissen allerdings auch, dass dieser Vertrag sicher nicht in jeder Verhandlung durchsetzbar sein wird, das wird von der individuellen Situation des jeweiligen Vereins abhängen, aber grundsätzlich haben wir an der Stelle einen Bremsfallschirm eingebaut.

SPOX: Sie wollen sich speziell auf Spieler zwischen 18 und 23 Jahren konzentrieren, weil in diesem Alterssegment die Wertentwicklung am stärksten ist...

Zeitz: Das haben unsere Datenerhebungen ergeben. Ich gebe Ihnen dafür noch ein Beispiel: Raul Bobadilla ist 2006 von den Boca Juniors in die Schweiz gewechselt. Grasshopper Zürich hat damals für den 19-Jährigen eine Ablösesumme von circa 950.000 Euro bezahlt. Diesen Transfer hat ebenfalls ein privater Investor ermöglicht, der ungefähr 50 Prozent der Ablösesumme beigesteuert hat. Im Sommer 2009 war er schließlich am Wechsel von Zürich nach Mönchengladbach für kolportierte 4,5 Millionen wiederum mit 50 Prozent beteiligt. Das war nun aber ein Einzelmodell. Wir dagegen wollen das in einem Gesamtfonds mit rund 20 bis 30 Spielern machen, wobei die maximale Anlagegrenze für einen einzelnen Spieler bei uns eine Million Euro ist, unser Durchschnitt wird eher zwischen 300.000 und 500.000 Euro liegen. Bobadilla wäre bei uns also damals schon in der oberen Kategorie gewesen.

SPOX: Es geht im Kern also eher um noch unbekannte Talente aus unteren Ligen in Deutschland und dem europäischen Ausland. Wie wollen Sie entsprechende Spieler finden?

Langhinrichs: Wir haben uns mit der Spieleragentur "Extratime" einen Partner gesucht, der bereits seit mehreren Jahren im Geschäft als Spielerberater tätig ist und auch vorrangig im Segment junger Talente seine Spieler unter Vertrag hat. Gerade im Nachwuchsbereich ist die "Extratime" mit ihrer Erfahrung und ihren bestehenden Kontakten sehr gut aufgestellt und hat guten Zugang zu Talenten. Wir gehen davon aus, dass wir mit Hilfe dieses international verzahnten Netzwerks auf viele interessante Talente treffen werden.

SPOX: Mit Ex-HSV-Profi Harald Spörl haben Sie sich zusätzlich einen professionellen Scout ins Boot geholt, der die Spieler abschließend beobachtet und bewertet. Wie sieht Ihr Auswahlverfahren im Detail aus?

Zeitz: Vereinfacht dargstellt wird es in der Regel so sein, dass "Extratime" einen ihrer Spieler vorschlägt, den sie für erfolgversprechend hält. Wenn der Verein des Spielers dann Investitionen grundsätzlich zulässt, wird Harald Spörl den Spieler noch einmal scouten und anschließend ein Votum abgeben, ob der Spieler für den Fonds wirklich tauglich ist oder eben nicht. Parallel werden dann bereits Gespräche geführt mit Vereinen, die für den Spieler in Frage kommen.

Langhinrichs: Die zweite Möglichkeit wäre, dass ein Verein auf uns zukommt und sagt: 'Wir haben hier einen Spieler, den wir gerne kaufen wollen, könnt Ihr uns den finanzieren?' Dann würden wir den wiederum von "Extratime" und Harald Spörl entsprechend scouten lassen und dann im Gesamtergebnis eine Entscheidung treffen.

SPOX: Welche Vereine kommen für Ihr Modell im ersten Schritt in Frage?

Zeitz: Grundsätzlich geht es in Deutschland in erster Linie um Vereine aus der 2. und 3. Liga mit überschaubaren finanziellen Gestaltungsspielräumen. Und die haben in Vorgesprächen bereits signalisiert, dass grundsätzlich Interesse besteht, die Resonanz ist bei entsprechenden Vereinen durchaus positiv. Die grundsätzliche Offenheit und Bereitschaft der Vereine für neue Finanzierungsmodelle sieht man ja auch an Beispielen wie den Fan-Anleihen auf Schalke oder dem Investorenmodell des HSV. Das sind längst keine exotischen Themen mehr, irgendwo aus Südamerika, sondern wirklich seriöse Alternativen.

SPOX: Gab es von Seiten des DFB oder der DFL keine Vorbehalte gegenüber Ihrem Modell?

Langhinrichs: Grundsätzlich müssen DFB und DFL dabei nicht wirklich mit im Boot sein, das Modell ist rechtlich anerkannt. Sehr wohl haben wir uns aber bemüht, sie zu informieren, damit sie einfach Bescheid wissen, dass sich so etwas möglicherweise auch in ihren Ligen abspielt. Das Thema als solches ist aber auch nicht neu, ein vergleichbares Modell gab es ja auch schon einmal 2001. Und bei dem Kühne-Modell in Hamburg gab es die Aufregung ja auch nicht im Lizensierungsverfahren der DFL sondern eher in der Fanszene.

SPOX: Aufregung, mit der Sie aber auch rechnen müssen. Sie treten immerhin mitten in die Grundsatzdiskussionen um Kommerz im Fußball...

Zeitz: Diese Vorbehalte in der Fanszene wird es mit Sicherheit geben. Aber die gab es immer gegen neue Vermarktungsmodelle. In den 70ern wurde dagegen protestiert, dass Vereine die Brust ihrer Spieler an Trikotsponsoren verkaufen. Dann kam die Umbenennung der Stadien, die für Aufregung sorgte. Mittlerweile gibt es aber auch schon Fans, die fragen: 'Warum ist unser Stadion eigentlich noch nicht verkauft, warum werden da Einnahmemöglichkeiten verschenkt?' Das sind Entwicklungen, die schnell auch kippen können. Denn unterm Strich wollen die Fans ja auch sehen, dass ihre Mannschaft nicht absteigt, oder sich weiter oben in der Tabelle etablieren kann. Wenn ein neuer Spieler pro Saison 25 Tore macht, ist es den meisten Fans am Ende egal, wer den finanziert hat.

Langhinrichs: Gerade bei kleineren Vereinen muss man natürlich auch sehen: Wenn die sich einen Spieler gar nicht leisten können und durch unsere finanzielle Unterstützung kommt der, profitieren sie natürlich unmittelbar.

SPOX: Das Investoren-Modell sorgte in Hamburg allerdings für Ärger, als Klaus-Michael Kühne öffentlich die Transferpolitik des Vereins kritisierte. In Südamerika gab es zuletzt negative Schlagzeilen, als private Investoren die Transfers von Carlos Tevez oder Javier Mascherano forcierten...

Langhinrichs: Schon laut FIFA-Statuten ist ein Einfluss unsererseits auf die Vereine nicht möglich. Wir können weder einen Transfer erzwingen noch einem Trainer in irgendeiner Form seine Aufstellung diktieren - und das wollen wir auch gar nicht. Allerdings stehen die Berater über "Extratime" natürlich mit den Vereinen im Kontakt, so dass während der Vertragsdauer sicher immer wieder Gespräche stattfinden. Auf keinen Fall werden wir aber auch die Transferpolitik eines Vereins kommentieren.

SPOX: Ihr Projekt berührt dennoch auch eine grundsätzliche ethische Dimension, indem Fußballspieler wie Waren gehandelt werden...

Zeitz: Wir erfinden ja nichts neu, sondern setzen auf die funktionierenden Mechanismen des Transfermarktes. Ich habe beim 90-Millionen-Euro Deal von Cristiano Ronaldo nach Madrid viel gelesen - von Menschenhandel war da nie die Rede. Bei jugendlichen Fußballern kann das einen Beigeschmack haben, genau deswegen investieren wir auch erst in Spieler ab einem Alter von 18 Jahren.

SPOX: Viele Fußball-Fans werden befürchten, dass Sie im Erfolgsfall eine Türe für Nachahmer öffnen und immer mehr private Investoren in den Fußball drängen...

Zeitz: Für unsere Arbeit wäre es sicher das größte Kompliment, wenn sich Nachahmer finden, die unserem Beispiel folgen. Wir planen ja auch eine Produktserie mit Folgefonds. Grundsätzlich muss man für den Anleger bewerten, wie viel der Fußballmarkt in dem Bereich an Investition verträgt. Mit unserem FTR1 und den maximal 10 Millionen Euro werden wir den Markt nicht durcheinander bringen, aber wir sind uns sicher, dass wir für unsere Anleger ein paar Juwelchen finden werden.

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