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Fussball

Villarreal-Wunderkind Pino: Wegen Pedri verlor er beinahe sein Augenlicht und verpasste die U17-WM

Von Chris Lugert
Pino gilt nicht nur im Kader des FC Villarreal als Ausnahmetalent.

Yeremy Pino gilt nicht nur im Kader des FC Villarreal als Ausnahmetalent. Doch ein Unfall mit Barca-Juwel Pedri hätte seine Karriere fast beendet.

Manchmal ist es ein einziger Moment, der die großen Träume eines jungen Menschen platzen lässt. Eine falsche Entscheidung, ein blöder Zufall oder ein tragischer Unfall, der das abrupte Ende eines eingeschlagenen Weges bedeuten kann. Viele Nachwuchsfußballer, die als große Talente galten, erlebten solch einen Moment - nur ist ihr Schicksal unbekannt, eben weil ihnen der große Durchbruch verwehrt blieb und kaum jemand davon Notiz genommen hat.

Auch Yeremy Pino wäre heute wohl nur Insidern ein Begriff, hätte jener Tag im Herbst 2019 eine andere, unglücklichere Wendung genommen. Damals war der Offensivspieler, der heute im Profiteam des FC Villarreal für Begeisterung bei den Fans und Kopfzerbrechen bei den Gegenspielern sorgt, mit Spaniens U17 bei der WM in Brasilien unterwegs. Ebenfalls Teil des Kaders war ein gewisser Pedri - jener Pedri, der mit seinen 19 Jahren gerade die Hoffnungen des FC Barcelona auf seinen schmalen Schultern trägt.

In der Vorbereitung auf das Turnier kam es im Training der Spanier zu einer fürchterlichen Situation zwischen Pino und Pedri. Nach einer Aktion zwischen beiden Spielern traf der Schuh des heutigen Barca-Jungstars Pino im Auge. Über eine Stunde lang konnte Yeremy auf dem Auge nichts sehen, ehe sich das Problem selbst löste. Glück im Unglück also für Pino, der kurz davor stand, sein Augenlicht zu verlieren. An dem Turnier nahm er nicht teil, auf Anraten der Ärzte flog er wieder in die Heimat.

Yeremy Pino: Villarreal-Trainer Emery setzt auf das Talent

Seither aber gibt es in der Karriere des wendigen Dribblers fast nur Licht statt Schatten. Ein knappes Jahr nach diesem Karriere bedrohenden Zwischenfall gab Pino kurz nach seinem 18. Geburtstag im Oktober 2020 sein Ligadebüt für das "gelbe U-Boot", nachdem er sich in den Wochen zuvor mit einer Corona-Infektion geplagt hatte. Und Pino machte seine Sache so gut, dass Trainer Unai Emery es nicht bei sporadischen Einwechslungen beließ. Stattdessen gab es sogar den einen oder anderen Startelfeinsatz.

So eine rasante Entwicklung hatte der heute 19-Jährige selbst nicht erwartet. "Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben und er hat mir einfach auch immer die Möglichkeiten verschafft", sagte Pino zu La Provincia mit Blick auf Emery. Und dieses Vertrauen beflügelte den jungen Yeremy noch mehr. "Das Verlangen und der Enthusiasmus sind einfach so groß, dass man daran wächst, weil es einfach so gut läuft. Der Trainer und der Klub glauben an die Akademie und das zahlt sich aus", sagte er.

Geboren wurde Yeremy Jesus Pino Santos - wie er mit vollem Namen heißt - auf der Kanaren-Insel Gran Canaria, in der Hauptstadt Las Palmas. Viele seiner Fähigkeiten, die Pino heute so besonders machen, lernte er auf den dortigen Straßen. Vor allem seine Stärke in Eins-gegen-Eins-Situationen stechen heraus, weshalb er als Elfjähriger in die Nachwuchsabteilung von UD Las Palmas kam. Die Aufmerksamkeit der Großklubs vom Festland zog Pino als 14-Jähriger bei einem Jugendturnier mit mehreren spanischen Regional-Mannschaften auf sich. Vor allem der FC Barcelona und der FC Villarreal buhlten anschließend um das Top-Talent.

Doch Pino folgte nicht dem großen Namen und dem Ruf der Barca-Schmiede La Masia, sondern entschied sich bewusst für Villarreal. Als zu beeindruckend empfand er die dortige Infrastruktur im Jugendbereich. Und die Entscheidung sollte sich als richtig herausstellen. Pino ging seinen Weg durch die Nachwuchsmannschaften. "Yeremy sticht mit seinem Charakter heraus", erklärte Villarreals U23-Trainer Nando Martinez einmal gegenüber El Pais: "Je größer die Herausforderung, desto stärker kann er seine Fähigkeiten zeigen."

Yeremy Pino: Zwei Rekorde binnen vier Tagen

Und so bekam Pino sogar im bis dahin größten Spiel der Vereinsgeschichte einen Startelfplatz, als Villarreal im Mai 2021 im Finale der Europa League auf Manchester United traf. Zwar stand Pino beim Elfmeterschießen schon lange nicht mehr auf dem Platz, aber der Stellenwert, den der Offensivspieler im Team genießt, war spätestens zu diesem Zeitpunkt ganz klar zu erkennen.

Zudem brach er den Rekord als jüngster Sieger des zweitwichtigsten Europapokals. Diese Bestmarke hatte zuvor Robin van Persie inne, der 2002 mit Feyenoord Rotterdam den UEFA-Cup gewann. Vier Tage vor dem Europa-League-Endspiel erzielte Pino bei der 1:2-Niederlage bei Real Madrid das einzige Tor für seinen Klub - im 21. Jahrhundert hatte zuvor kein jüngerer Spieler im Bernabeu getroffen.

In der laufenden Saison geht Pino den nächsten Schritt in seiner Entwicklung und gehört regelmäßig, wenn auch nicht immer, zur Startformation. Seinen persönlichen Karriere-Höhepunkt erlebte er Ende Februar, als er beim 5:1-Sieg gegen Espanyol Barcelona einen Viererpack schnürte. Längst sind auch Europas Top-Klubs scharf auf ihn. Ein Transfer würde jedoch eine teure Angelegenheit werden. Pino verlängerte erst vor wenigen Monaten langfristig bis 2027 (!), sein Marktwert wird bereits jetzt auf 40 Millionen Euro taxiert.

Und dieser könnte besonders durch gute Auftritte in der Champions League noch weiter steigen. Im Viertelfinal-Hinspiel gegen die Bayern (1:0) verzichtete Emery auf Pino, das Top-Talent saß 90 Minuten auf der Bank. Im Rückspiel könnte er jedoch zu einem entscheidenden Faktor werden, wenn auch nur als Joker.

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