Cookie-Einstellungen
Fussball

Karim Benzema wie ein lebenswichtiges Organ bei Real Madrid: Warum eigentlich Haaland?

Von Fatih Demireli
Karim Benzema ist in der Form seines Lebens.

Karim Benzema ist mit 34 Jahren endgültig in den Herzen von Fans, Kollegen und Trainer angekommen. Der Franzose ist in der Form seines Lebens und die Frage darf gestattet sein, ob Real wirklich Ersatz braucht. Aber da ist ja noch der Präsident.

Carlo Ancelotti war untröstlich. Da hatte er sich mal angemaßt, Karim Benzema einen Tipp zu geben - und dann ging das völlig in die Hose. Beim 2:2 gegen Elche verschoss der Franzose einen Elfmeter - den ersten nach 16 erfolgreichen Versuchen in Folge. Der erste verschossene Elfmeter Real Madrids seit 2018.

Doch Reals Trainer nahm die Verantwortung auf sich: "Es ist meine Schuld, dass Karim verschossen hat. Unter der Woche habe ich ihm gesagt: 'Sie beobachten dich, vielleicht solltest du die Richtung deines Elfmeters ändern', und er hat ihn geändert. Es war mein Fehler." Ancelotti murmelte noch ein "Ich hätte ruhig bleiben sollen" hinterher.

Auch in den teils emotionalen Medien Spaniens fragte man sich, wie es sein kann, dem derzeit besten Stürmer der Welt zu sagen, wohin er einen Ball schießen soll.

Der beste Stürmer der Welt? Das ist immer so eine Sache, wer das nun wirklich ist. Eine gewisse Portion Subjektivität schwingt genauso mit rein wie die Schwierigkeit, verschiedene Ligen zu vergleichen.

Für Toni Kroos ist Karim Benzema "die Nummer eins"

Fragt man bei Real Madrid nach, ist die Meinung eindeutig. "Ich denke schon, dass er der Beste ist", sagt Ancelotti: "Er hat seinem Spiel die Fähigkeit hinzugefügt, den Ball regelmäßig im Netz unterzubringen."

Als Benzema beim Ballon-d'Or nur auf Platz vier landete, verstand auch Teamkollege Toni Kroos die Welt nicht mehr: "Für mich wäre Benzema die eins gewesen, wenn man wirklich den besten Einzelspieler des letzten Jahres gesucht hat, weil ich auch aus nächster Nähe mit ansehen kann, was für ein überragender Fußballer er ist."

24 Tore schoss er in 28 Pflichtspielen in der bisherigen Saison. 30 Tore waren es in der gesamten Saison, die für die Ballon-d'Or-Wahl und Weltfußballer-Wahl als Basis genommen wurde. Benzema hat sich also nochmal gesteigert. Das Älterwerden macht ihm nichts aus.

Das sieht auch Ancelotti so: "Karim hat noch Zeit, ihn (den Ballon d'Or, Anm d. Red.) zu gewinnen. Ich bezweifle, dass dies seine letzte Saison ist - er ist wie ein guter Wein. Je älter er wird, desto besser wird er."

Bei all der berechtigten Lobhudelei für den Franzosen, stellt sich irgendwann die Frage: Warum braucht Real dann einen Kylian Mbappe oder einen Erling Haaland?

Real Madrid hat das Lewandowski-Problem von Bayern

An beiden Transfers sollen die Königlichen arbeiten, heißt es schon länger. Bei Mbappe sind die Madrilenen wohl schon recht weit, zumal keine Ablöse an Paris Saint-Germain gezahlt werden muss. Bei Borussia Dortmunds Haaland wären 75 Millionen Euro fällig.

Aber braucht man im Sommer einen Weltklassestürmer, wenn man den nach eigener Bekundung besten Stürmer der Welt hat?

Real ist in der Position des FC Bayern, der mit Robert Lewandowski ebenfalls einen Stürmer hat, der noch öfter trifft als Benzema, aber auch im hohen Alter immer noch auf höchstem Niveau spielt. Lewandowski wird im Sommer genauso wenig abbauen wie Benzema. Aber bei beiden läuft der Vertrag 2023 aus - und ihre Klubs müssen eine strategische Entscheidung treffen.

Jetzt schon für morgen investieren und damit vielleicht den eigenen Topstar vergraulen oder weiter dem Topstar vertrauen und hoffen, dass der Markt an Tag X noch Qualitatives hergibt? Das französische Magazin Onze meldete zu Beginn der Woche, Benzema habe beim Klub-Vorstand einen Termin angefragt, um zu fragen, was es damit auf sich hat, dass Mbappe UND Haaland im Gespräch sind.

Dass diese Anfrage Benzemas die Öffentlichkeit erreicht, kommt nicht von ungefähr. Es ist ein subtiler Druck der Spielerseite und die Message: Ich bin noch da! Zumal Benzema nicht nur bei Trainer und Kollegen Beliebtheit und Anerkennung genießt, sondern auch bei den nicht immer einfachen Fans von Real Madrid.

Stehende Ovationen vom Gegner

Immerhin ist Benzema mit 303 Toren Dritter der ewigen Torschützenliste Real Madrids. Mit besten Aussichten, Klub-Legende Raul (324) zu überholen. Stand 9. Februar sind es nur noch 21 Treffer bis Raul. Man schätzt die Hingabe Benzemas. Selbst die Gegner schätzen seine Leistungen.

Als er beim Gastspiel gegen Athletic Bilbao in kürzester Zeit zwei Tore schoss, wurde er mit Standing Ovations bedacht: "Das war fantastisch. Dies ist ein Stadion mit einer spektakulären Atmosphäre. Es ist ein echtes Fußballstadion, und Karim hat diesen Beifall verdient", sagte Ancelotti damals.

Eine Kostprobe, wie es ist, ohne Benzema zu agieren, bekam Real Madrid zuletzt gegen Bilbao und Granada zu spüren. Im Pokalspiel gegen die Basken verlor Real ohne den am Oberschenkel verletzten Franzosen. Gegen Granada gab es nur ein mageres 1:0.

"Es war, als würde man ein lebenswichtiges Organ aus dem Körper entfernen, ohne das eine gute Lebensqualität nicht möglich ist", schrieb die Marca: "Ohne Benzema fehlt es den Offensivaktionen an Durchschlagskraft und Abschlussstärke. Es gibt auch niemanden, der den Ball halten kann."

Didier Deschamps hat Benzema wieder lieb

Inwiefern sich Real-Boss Florentino Perez von sportlich guten Argumenten beeinflussen lässt, bleibt abzuwarten. Viel zu lange ist es her, dass er mal wieder einen richtigen Star nach Madrid holte. Dass der Baulöwe ein Faible für die Show hat, zeigt sein inniges Engagement für die europäische Super League. Dass dann ein 34-Jähriger nicht mehr ganz seine Gunst genießt, würde nicht überraschen.

Aber Benzema weiß, wie es geht, Herzen zu erobern. Selbst Didier Deschamps, der sich öffentlich geschworen hatte, Benzema nach dessen Skandalen nie wieder zurückzuholen, ist längst dessen größter Befürworter. Nach dem Gewinn der Nations League sagte Frankreichs Trainer: "Er ist nicht mehr derselbe Mensch wie 2015. Er ist reifer geworden. Er ist seit einer ganzen Weile auf einem sehr guten Niveau. Das ist für die Zukunft sehr wichtig."

Die Real-Fans und Ancelotti hoffen, dass diese weiter in Madrid liegt. Bei Olympique Lyon träumt man von einer Rückholaktion. Aber wohin auch immer Karim Benzemas Weg führen wird - wohin er die Elfmeter schießt, sollte er künftig wieder selbst entscheiden.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung