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Fussball

FC Barcelona: Finanzen machen Transfers im Winter möglich - neue Verträge für Fati und Pedri?

Von Stefan Petri / Tim Ursinus
Der FC Barcelona ächzt unter enormen Schulden, will im Winter aber dennoch Geld für Transfers ausgeben.

Der FC Barcelona ächzt unter enormen Schulden, will im Winter-Transferfenster aber dennoch Geld für Neuverpflichtungen ausgeben können. Das gab Geschäftsführer Ferran Reverter bekannt. Auch zwei Vertragsverlängerungen bahnen sich an.

"Es gab kein Geld, wir hatten Probleme, Gehälter zu bezahlen", sagte Reverter und führte aus: "Die Schulden sind auf 1,35 Milliarden Euro angewachsen."

Zu dem hohen Schuldenberg gesellte sich im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust in Höhe von 481 Millionen Euro hinzu, weshalb die spanische Liga die Ausgaben von Barca drastisch eingeschränkt hatte. Knapp 98 Millionen Euro darf der Klub in der laufenden Saison für Gehälter und Transfers lediglich ausgeben, mehrere Stars hatten bereits einem Gehaltsverzicht zugestimmt. Dieser soll sich insgesamt auf 155 Millionen Euro belaufen.

Reverter gab allerdings noch weitere erschreckende Details zur finanziellen Krise preis. Dem Klub-Boss zufolge wäre Barca im April "aufgelöst" worden, wenn es den Regeln einer Kapitalgesellschaft unterlegen hätte. Die Führung des Klubs unter Josep Bartomeu sei "desaströs" gewesen.

"Zwischen 2016 und 2020 gab es einen Anstieg der Gehaltssumme von 61 Prozent, was der gesamten Gehaltssumme von Juventus entspricht, verursacht durch Transfers und Vertragsverlängerungen", erklärte Reverter und schob nach: "Wäre die gleiche Mannschaft in dieser Saison gehalten worden, hätte die Gehaltssumme 835 Millionen Euro betragen, 108 Prozent über den laufenden Einnahmen."

FC Barcelona: Riesenverluste auch ohne Corona

Außerdem habe der Verein Spieler verpflichtet, die nicht im Budget gelegen hatten. "Sie haben nicht überlegt, ob sie die Spieler bezahlen können", sagte Reverter: "[Antoine] Griezmann wurde in Eile unter Vertrag genommen. Sie erkannten, dass sie nicht für ihn zahlen konnten und haben schließlich einen Kredit von 85 Millionen Euro benötigt, um den Deal abzuschließen."

Selbst ohne die Corona-Pandemie hätte Barca Verluste von 390 Millionen Euro gemacht, ergänzte Reverter. Deshalb nahm der Klub einen Kredit von Goldman Sachs in Höhe von 500 Millionen Euro auf, der mit 1,98 Prozent Zinsen innerhalb von zehn Jahren zurückgezahlt werden kann.

Den Ursachen auf den Grund zu gehen, gestalte sich zudem schwierig. Laut Reverter wurden sämtliche E-Mails alle 90 Tage gelöscht. Außerdem benutzte die ehemalige Führung personalisierte Computer, was es nahezu unmöglich mache, nachzuvollziehen, was hinter den Kulissen passiert ist.

Dennoch zeigte sich CEO Reverter am Mittwoch optimistisch, sollte die sportliche Situation Transfers im Winter unumgänglich machen: "Wenn nötig, können wir im Januar über 20 Millionen Euro ausgeben", erklärte er. Für den Sommer hofft er auf eine noch stärkere Position auf dem Transfermarkt.

Er gab außerdem an, dass sich die Vertragsverlängerungen mit den Talenten Ansu Fati (18) und Pedri (18) "auf dem richtigen Weg" befänden. Die Verträge der beiden Mittelfeldspieler laufen im kommenden Sommer aus. Dies würden die vielen Abgänge und bereits getroffene Maßnahmen ermöglichen.

FC Barcelona: Musste Messi wegen Depay und Agüero gehen?

LaLiga-Präsident Javier Tebas hat derweil in einem Interview mit Cope erklärt, dass Lionel Messi beim FC Barcelona hätte bleiben können, wenn der Klub nicht Memphis Depay und Sergio Agüero verpflichtet hätte. Der Argentinier hatte die Blaugrana im Sommer verlassen, weil das Financial Fairplay eine Verlängerung seines Vertrages unmöglich gemacht hatte.

"[Klub-Präsident Joan] Laporta hat Spieler wie Memphis Depay und Agüero verpflichtet. Hätte er das nicht gemacht, hätte Messi bleiben können", sagte Tebas, der für die Financial-Fairplay-Regeln in Spanien verantwortlich ist. Reverter räumte ein, dass Messi schlichtweg nicht bis zum 31. August (Schließung des Transferfensters) "warten" konnte, um Gewissheit zu haben, ob ihn sich Barca überhaupt noch leisten kann.

Tebas vermutete außerdem, dass Real Madrids Präsident Florentino Perez Laporta davon überzeugt habe, gegen den Deal mit der Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners zu stimmen. Die spanische Liga hatte zehn Prozent der eigenen Anteile für eine Finanzspritze abgegeben, die großen Klubs Real, Barca und Atletico Madrid stimmten dagegen und waren so nicht Teil des Deals.

"Ich war bei Laporta zum Abendessen und er hatte sich damit einverstanden erklärt, dem CVC-Deal zuzustimmen", sagte Tebas. "Später rief er mich an: 'Können wir das Ganze beschleunigen? Messi wird langsam nervös. Ich sagte ihm: 'Wenn das rauskommt, wird Florentino versuchen, den Deal kaputtzumachen.' Aber Laporta sagte zu mir: 'Nein nein, ich habe Charakter.' Florentino steckt dahinter, kein Zweifel."

Hätte sich Barca an der Einigung mit CVC beteiligt, hätten 15 Prozent der Gelder für Spieler ausgegeben werden können, erklärte Tebas: "In meinen Augen hätten sie mit Messi verlängern können."

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