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FC Barcelona, Korruption und das "Barcagate": Fragen und Antworten zur Razzia und der Verhaftung von Bartomeu

Beim FC Barcelona gibt es im Moment eine Razzia.

Sechs Tage vor der Präsidentenwahl beim FC Barcelona erschüttert eine Razzia in den Büroräumen und die Festnahme hochrangiger Mitarbeiter und von Ex-Präsident Josep Bartomeu den Klub in seinen Grundfesten. Was waren die Gründe der Razzia, was wird den Funktionären vorgeworfen und was sagt Präsidentschaftskandidat Joan Laporta? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Ereignissen am Montag.

FC Barcelona: Was ist passiert?

Die katalanische Polizei hat am Montagmorgen eine Razzia beim FC Barcelona und in einigen Privathäusern durchgeführt und unter anderem Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu festgenommen. Neben Bartomeu sollen nach Informationen von SPOX und Goal auch Barca-Geschäftsführer Oscar Grau, Roman Gomez Ponti (Leiter der Rechtsabteilung) und Jaume Masferrer (Berater von Bartomeu) verhaftet worden sein. Grund für die Razzia, die von Beamten der Abteilung für Finanzkriminalität geleitet wurde, waren Ermittlungen wegen des so genannten "Barcagate".

Die Beamten ermitteln wegen Korruption im Zusammenhang mit einer mutmaßlich von hochrangigen Barca-Funktionären in Auftrag gegebenen Social-Media-Schmutzkampagne gegen ehemalige Stars und Funktionäre des FC Barcelona. Ein Verdacht lautet, der Klub habe für diese Kampagne, die schließlich im Rücktritt Bartomeus gemündet hatte, einen sechsmal höheren Preis als marktüblich gezahlt.

Die vorläufig festgenommenen Funktionäre und Ex-Präsident Bartomeu sollen im Lauf des Tages vernommen werden. Es wird erwartet, dass der Haftbefehl nach ihren Aussagen wieder aufgehoben wird.

Der FC Barcelona erklärte, die von den Behörden im Rahmen der Untersuchung der Geschäftsräume angeforderten Unterlagen bezögen sich ausschließlich auf die laufenden Untersuchungen und bot den Behörden uneingeschränkte Kooperation an. Ansonsten verwies Barca auf die Unschuldsvermutung.

FC Barcelona: Was ist "Barcagate"?

Am 17. Februar 2020 enthüllte Cadena Ser, dass hochrangige Funktionäre des FC Barcelona rund um den damaligen Präsidenten Bartomeu die Online-Marketing-Firma "I3 Ventura" für eine Millionensumme damit beauftragt hatten, Kritiker an der Vereinsführung, darunter auch eigene Spieler wie Superstar Lionel Messi, Xavi und Ex-Trainer Pep Guardiola, in den sozialen Medien zu diffamieren, um so die Vereinsführung in der Öffentlichkeit zu stärken.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten, bereits im Juli waren Beamte der Mossos d'Esquadra am Camp Nou erschienen, um die Herausgabe von Unterlagen anzufordern. Barca ließ Medienberichten zufolge mehrere Termine verstreichen, um die Unterlagen zu liefern. Mit der Razzia könnte die Herausgabe der Unterlagen nun erzwungen worden sein.

Verwickelt in die Auftragserteilung zur Schmutzkampagne soll unter anderem Bartomeus rechte Hand Jaume Masferrer gewesen sein. Masferrer gehört zu den vorläufig Festgenommenen vom Montag. Masferrer hatte seine Aufgaben zwischenzeitlich ruhen lassen, hatte sie aber auf Initiative von Bartomeu wieder aufgenommen. Auch die Kündigung von Lionel Messi per Burofax nach dem 2:8 im Champions-League-Finalturnier in Lissabon stand zumindest indirekt in Verbindung zu "Barcagate".

"Es ist eine Barbarei, dass mein Klub Geld ausgibt, um uns zu kritisieren", hatte Barelonas Abwehrchef Gerard Pique im Oktober in einem viel beachteten Interview La Vanguardia gesagt und Bartomeu angegriffen. Der damals noch amtierende Präsident Bartomeu habe ihm gesagt, er habe von der Affäre nichts gewusst.

"Ich habe es geglaubt. Doch nach all dem ist die Person, die dafür zuständig war, immer noch beim Klub angestellt", hatte Pique gesagt. Für das von rund 20.000 Mitgliedern angestrengte Misstrauensantrag gegen das Präsidium Bartomeus zeigte Pique Sympathien.

Am 27. Oktober trat der seit 2014 amtierende Präsident Bartomeu zurück. Zuvor hatte er noch versucht, das Referendum gegen sich mit Verweis auf die Corona-Pandemie verschieben zu lassen. Bartomeu hinterließ einen Schuldenberg von mehr als einer Milliarde Euro, die kurzfristigen Verbindlichkeiten liegen laut des vom Klub im Januar veröffentlichten Finanzberichts bei 730,6 Millionen Euro.

FC Barcelona: Wie geht es weiter?

Kommenden Sonntag (7. März) dürfen die Mitglieder des FC Barcelona nun den neuen Präsidenten wählen. Die Wahl war ursprünglich bereits für den 24. Januar geplant, musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Die Mitglieder können sowohl per Briefwahl, als auch persönlich in verschiedenen Wahllokalen in ganz Katalonien abstimmen. Zur Wahl zugelassen wurden drei Kandidaten:

  • Joan Laporta (58), der im Vorfeld 10.257 Unterschriften zur Zulassung sammelte, bereits von 2003 bis 2010 als Barca-Präsident amtierte und erneut als haushoher Favorit in die Wahl geht. Auf die Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Bartomeu angesprochen, sagte Laporta: "Obwohl er kein gutes Management hatte, ist er immer noch Präsident des FC Barcelona gewesen. Diese Nachrichten sind für niemanden angenehm. Die Wahrheit ist, dass es schockierende Nachrichten sind."
  • Víctor Font (48), der 4.710 Unterstützerunterschriften sammelte und davon träumt, die Barca-Legenden Pep Guardiola, Xavi, Andres Iniesta und Carles Puyol zurückzuholen.
  • Toni Freixa (52), der 2.821 Unterschriften sammelte und versprach, einen Investor an der Hand zu haben, der für 250 Millionen Euro 49 Prozent der Anteile des monströs verschuldeten Klubs kaufen wolle, sollte er gewählt werden.

FC Barcelona: Tabelle der Primera Division nach dem 25. Spieltag

1.Atletico Madrid2447:163158
2.FC Barcelona2555:223353
3.Real Madrid2442:192352
4.FC Sevilla2434:181648
5.Real Sociedad2441:202141
6.Betis Sevilla2533:38-539
7.FC Villarreal2533:27637
8.FC Granada2531:42-1133
9.Levante2535:34132
10.Athletic Bilbao2434:28630
11.Celta de Vigo2530:37-730
12.CA Osasuna2523:33-1028
13.FC Valencia2530:35-527
14.Getafe2520:30-1027
15.Cádiz2521:41-2025
16.SD Eibar2520:28-822
17.Real Valladolid2523:36-1322
18.Deportivo Alaves2520:39-1922
19.Elche2421:36-1521
20.Huesca2522:36-1420
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