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Fussball

Jese Rodriguez: Letzte Chance in der 2. Liga? Wie Real Madrids größtes Talent seine Karriere ruinierte

2014 galt er noch als größtes Talent von Real Madrid und designierter Erbe von Cristiano Ronaldo, doch eine schwere Verletzung und Probleme abseits des Platzes warfen Jese Rodriguez aus der Bahn. Heute ist seine Karriere ruiniert. Eine möglicherweise letzte Chance auf einen Neuanfang in Spanien bietet sich ihm nun bei einem Zweitligisten.

Einmal hielt er ihn schon in der Hand, den Ballon d'Or. Im Januar 2014 war das, um genau zu sein, als sein großes Vorbild Cristiano Ronaldo zum Ärger eines gewissen Franck Ribery triumphiert hatte.

"Allein hätte ich das niemals geschafft", sagte Ronaldo damals mit Tränen in den Augen und gestattete jedem seiner Teamkollegen von Real Madrid, sich die Trophäe des weltbesten Fußballers für ein Foto zu schnappen. Und so stand Jese Rodriguez da plötzlich, grinsend und mit dem Finger lässig auf das Objekt der Begierde zeigend.

"In fünf Jahren", kündigte der damals 21-jährige Außenstürmer aus der Talentschmiede der Königlichen wenige Wochen später vollmundig in einem Interview mit der Marca an, "will ich den Ballon d'Or selbst gewinnen".

Daraus wurde nichts. Heute, mit 27, ist der Traum von einer großen Karriere dahin. Nach einer mehr als dreijährigen Odyssee mit etlichen Vereinswechseln war er zuletzt sogar zwei Monate arbeitslos, ehe ihn sein Heimatklub UD Las Palmas aus der spanischen Segunda Division am 1. Februar ablösefrei unter Vertrag nahm. Wie konnte es dazu kommen?

Jese Rodriguez und PSG - ein folgenschweres Missverständnis

Alles begann wenige Wochen nach Jeses Foto mit Ronaldos Ballon d'Or. Real traf im Champions-League-Achtelfinale auf Schalke 04, Jese spielte wie so oft in dieser Phase von Anfang an - und riss sich infolge eines Zweikampfes mit Sead Kolasinac in der 2. Minute das vordere Kreuzband im rechten Knie.

"Danach", gestand er Jahre später, "war ich nicht mehr der Alte". Die Verletzung raubte ihm neben seinem Selbstvertrauen auch seine Leichtigkeit im Eins-gegen-Eins, oft schleppte sich Jese ausgelaugt über den Platz. In Madrid hörten sie trotzdem nie auf, an ihn zu glauben. Insbesondere Zinedine Zidane gab ihm immer wieder Chancen und sagte: "Ich liebe Jese. Jeder weiß um seine Qualitäten." Wegen der hohen Konkurrenz in Reals Offensive reichte es für den Offensivallrounder aber meist nur zu 20- bis 30-minütigen Einsätzen. Zu wenig für ihn. Also wechselte er im Sommer 2016 zu Paris Saint-Germain.

"Ich sehe mich nicht als Spieler für 20 Minuten", erklärte der Spanier bei seiner Vorstellung in der französischen Hauptstadt. "Ich will immer spielen." Das tat er aber auch an der Seine nicht. Im Gegenteil: Der damalige PSG-Coach Unai Emery fand nach einem halben Jahr überhaupt keine Verwendung mehr für den 25 Millionen Euro schweren Neuzugang. Als der Verein im darauffolgenden Sommer mit Neymar und Kylian Mbappe dann auch noch zwei neue Superstars für den Offensivberiech verpflichtete, war für Jese kein Platz mehr.

Jese Rodriguez: "Der Talentierteste" bei Real Madrid

Es folgten mehrere unbefriedigende Leihen. Weder bei seinem neuen alten Arbeitgeber UD Las Palmas noch bei Stoke City, Betis Sevilla oder Sporting Lissabon rief er sein Potenzial ab. Zudem manövrierte er sich häufig mit diversen Disziplinlosigkeiten ins Abseits. Mal verließ er das Stadion vorzeitig, wenn er nicht im Kader stand. Mal kam er zu spät zum Training. Mal nahm er sich Sonderurlaub. Mal verweigerte er Handschläge mit seinen Trainern oder Mitspielern. Kein Wunder, dass auch Emerys Nachfolger Thomas Tuchel ihn bei PSG ignorierte.

Der Eindruck, Jese halte sich für etwas Besseres, besteht schon seit seinen frühen Jahren in Madrid. "Er war in den Jugendmannschaften zweifellos der Talentierteste von allen", erinnerte sich sein Ex-Real-Mitspieler und Kumpel Omar Mascarell 2019 im Gespräch mit SPOX und Goal an die gemeinsamen Zeiten zurück: "Jeder wusste: Der Junge hat alles, um eines Tages in der ersten Mannschaft zu spielen."

Das viele Lob und die von der spanischen Presse munter angestellten Vergleiche mit Real-Legenden wie Raul stiegen ihm zu Kopf. Nach seinem Profidebüt unter Jose Mourinho im März 2012 schmiss er etwa eine riesige Privatparty, die sich bis zu dem portugiesischen Startrainer herumsprach. In der Folge berücksichtigte "the Special One" ihn nicht mehr - mit dem Rat, sich doch lieber mal auf seinen Job zu konzentrieren.

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